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Preungesheim: St. Christophorus

(K)ein Fall für die Abrissbirne

  • vonFriedrich Reinhardt
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FDP fordert, Kirche unter Denkmalschutz zu stellen

"Das kann doch nicht wahr sein", hat sich Julian Langner gedacht, als er gelesen hatte, dass die Kirche St. Christophorus abgerissen werden soll. Auch Preungesheimer und Mitgliedern der Gemeinde St. Franziskus hätten gemeint, dass es für sie unvorstellbar sei, dass dieses Gebäude verschwinden soll, erzählt der FDP-Fraktionsvorsitzende im Ortsbeirat 10 (Berkersheim, Bonames, Eckenheim, Frankfurter Berg, Preungesheim).

Zu prägend sei die Formsprache des Bauwerks für das Quartier, ja den ganzen Stadtteil, sagt Langner. "Die Stadt sollte prüfen, ob die Kirche unter Denkmalschutz gestellt werden sollte." Das fordert die FDP auf der kommenden Sitzung des Ortsbeirates. Viele der Gebäude aus den 1960er Jahren würden derzeit abgerissen. "Spätestens in 100 Jahren wird man sich wundern, wo all die Gebäude aus dieser Zeit geblieben sind", sagt Langner.

Stolz und erhaben wirkt das Gebäude, wenn man es länger betrachtet. Die Architektur ist an einen Schiffsbug angelehnt, das fällt sofort auf. Doch da ist noch mehr. Das geschwungene Dach gibt dem Bau etwas Dynamisches. Am Boden liegend reckt sich das Bauwerk auf, mit durchgestrecktem Rücken und erhobenem Haupt steht das Kreuz am Bug des Kirchenschiffs.

Gebäude in schlechtem Zustande

Der bauliche Zustand der Kirche, 1962 eingeweiht, ist dagegen "schwierig", sagt Pfarrer Anto Batinic. Der Boden setze sich ab, "im hinteren Teil der Kirche zeigen sich Setzrisse". Die spezifische Schiffsform mache die Sache nicht besser. Neben dem Kreuz befindet sich der Glockenturm. "Der Druck, mit dem der Turm von oben nach unten drückt, soll heftig sein", sagt der Pfarrer.

Im September hatte die Gemeinde Sankt Franziskus bekannt gegeben, dass die Kirche abgerissen werden soll. Zu teuer wäre eine Sanierung, wegen sinkender Mitgliederzahlen brauche man weniger Platz, und da die Kirche Herz Jesu in Eckenheim nur einen Kilometer entfernt ist, sei der Abriss vertretbar. 6000 Quadratmeter der Fläche will die Gemeinde abgeben. Wohnraum soll dort entstehen.

"Die Kirche ist nur in so schlechtem Zustand, weil die Katholische Kirche jahrelang nicht investiert hat", hält der FDP-Fraktionsvorsitzende entgegen. Werde die St. Christophorus-Kirche nicht mehr gebraucht, könne man zumindest die Hülle anders nutzen.

Wie teuer eine Sanierung wäre kann Batinic nicht genau sagen. "Die Kosten wären aber enorm." Zu viel für die Kirchengemeinde. Seit 15 Jahren stehe St. Christophorus "auf der roten Liste". Das heißt, die Gemeinde erhält gerade genug Geld für die nötigsten Arbeiten. Dennoch wolle die Gemeinde noch einmal an das Landesamt für Denkmalpflege herantreten und klären, ob das Kirchengebäude unter Denkmalschutz gestellt werden sollte, sagt Batinic.

Mit dieser Frage hat sich das Landesamt schon auseinandergesetzt. Entscheidend sei, ob "aus künstlerischen, wissenschaftlichen, technischen, geschichtlichen oder städtebaulichen Gründen ein öffentliches Interesse besteht", schreibt eine Sprecherin des Landesamts für Denkmalpflege auf Anfrage dieser Zeitung. Der Bestand Nachkriegskirchen in Frankfurt am Main sei vor einigen Jahren systematisch auf seinen Denkmalwert überprüft worden. "Die St. Christophorus-Kirche in Preungesheim wurde nicht als Kulturdenkmal eingestuft." Daran wolle das Amt festhalten. "Eine erneute Überprüfung des Denkmalwertes ist derzeit nicht vorgesehen." Friedrich Reinhardt

Ortsbeirat 10 tagt

Dienstag, dem 27. Oktober 2020, 19:30 Uhr, Saalbau Ronneburg, Gelnhäuser Straße 2, Großer Saal. Es gelten die üblichen Abstands- und Hygieneregeln.

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