Mit einem Plan verdeutlichen Ingo Stürmer und Gero von Wedel (rechts), wo weitere Rechenzentren entstehen sollen.
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Mit einem Plan verdeutlichen Ingo Stürmer und Gero von Wedel (rechts), wo weitere Rechenzentren entstehen sollen.

Rechenzentren in Frankfurt-Seckbach

Ein Fingerzeig für strengere Kontrollen

  • VonFriedrich Reinhardt
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Bürgerinitiative will den Frankfurter Parteien die Folgen eines Clusters von Rechenzentren aufzeigen.

An der Ecke Victor-Slotosch-Straße und Kruppstraße hält Ingo Stürmer die Luftaufnahme in die Höhe, um das Ausmaß zu verdeutlichen. Rechts sieht man den riesigen grauen Klotz, das Rechenzentrum von Equinix an der Friesstraße. Auf Stürmers Plan sind die Flächen gelb markiert, auf denen der Betreiber weitere Rechenzentren bauen lassen will. Zusammen würden sie, so die Befürchtung der "Bürgerinitiative für gesundes Wohnen und nachhaltiges Gewerbe in Seckbach", eine Art Brandmauer bilden, die den kühlenden Ostwind aus dem Enkheimer Ried abblockt.

Abwärme und fehlende Bäume

Es ist nur ein Argument, dass die BI am Freitagnachmittag CDU-Politikern wie der Bundestagsabgeordneten Bettina Wiesmann, dem Noch-Baudezernenten Jan Schneider oder Markus Konz, Vorsitzender der CDU Bergen-Enkheim, vorstellten. Diskutiert wurde etwa über die Wärme, die die Rechenzentren abgeben oder darüber, dass die riesigen Klötze Flächen versiegeln und Bäume und Rasenflächen verschwinden lassen, die kleinere Unternehmen zuvor noch erhalten hatten.

Dass die BI nicht grundsätzlich gegen Rechenzentren sei, stellte Christian Falk gleich zu Beginn des Rundgangs klar. "Wir alle waren im Homeoffice", sagte er. Sprich: Man wisse um die Notwendigkeit der IT-Infrastruktur. "Die Frage ist nur, ob man sie in der Stadt oder in stadtnahen Gewerbeflächen bauen sollte", erklärte Falk. Ob man denn wisse, wie viele Arbeitsplätze die Rechenzentren schaffen würden, wollte Wiesmann wissen. Immerhin verdrängen Rechenzentren andere Gewerbe. "Einen Hinweis darauf gibt vielleicht die Tatsache, dass für dieses Rechenzentrum nur 20 Parkplätze für Mitarbeiter vorgesehen sind", sagte Gero von Wedel von der BI.

Bau- und IT-Dezernent Schneider sieht den bisherigen Umgang mit Rechenzentren auch kritisch. Er wies darauf hin, dass nicht nur Firmen verdrängt werden. Auch Flächen, die dringend für Schulen gebraucht werden, würden belegt werden. Die Stadt könne nicht in einen Bieterwettbewerb mit Equinix einsteigen. Sie müsse daher die Möglichkeiten des Planungsrechts stärker ausschöpfen. Sprich: Über einen Bebauungsplan die Baugenehmigungen an Bedingungen knüpfen. "Da haben wir in den letzten Jahren zu wenig gemacht", sagte Schneider - eine Kritik, die sich gegen Planungsdezernent Mike Josef (SPD) richtet, zu dessen Zuständigkeit die Bauaufsicht und das Stadtplanungsamt gehört.

Schwer zu sagen, ob Frankfurt profitiert

Inwieweit Frankfurt von den Rechenzentren profitiert, lasse sich nicht seriös sagen, erklärte Schneider. Einerseits würden die Unternehmensgewinne in anderen Ländern versteuert, andererseits profitierten etwa Banken von der IT-Infrastruktur. "Einen Standortvorteil gegenüber London und Paris" nannte Konz deshalb die Rechenzentren.

Eine ähnliche Tour hat die BI bereits mit den Grünen und der SPD gemacht. Konkret möchten sie zunächst zwei Dinge erreichen, sagt Stürmer. Zum einen soll geprüft werden, ob der Bauaufsicht ein Fehler unterlaufen ist, als sie die deutlich höher gebauten Rechenzentren genehmigte. "Diese Höhe soll nicht der neue Referenzwert werden."

Zum anderen solle die Stadt bei Baugenehmigungen für zukünftige Rechenzentren genauer hinsehen. Equinix hatte Mitte Juni angekündigt, fünf neue Zentren in Seckbach bauen zu wollen.

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