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Ein ganz besonderer Wäldchestag

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Von: Sabine Schramek

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Sind zum Aufforsten in den Stadtwald gekommen: die Rotarier Gerhard Bereswill (rechts) und Stefan Schulte zusammen mit Klimadezernentin Rosmarie Heilig.
Sind zum Aufforsten in den Stadtwald gekommen: die Rotarier Gerhard Bereswill (rechts) und Stefan Schulte zusammen mit Klimadezernentin Rosmarie Heilig. © rüffer

Der ehemalige Frankfurter Polizeipräsident pflanzt Bäume ist Stadtwald Wenn der Stadtwald wegen des Klimawandels stirbt, hilft nur Aufforsten. Das dachte sich auch der frühere Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Bereswill. Am Samstag hat er gemeinsam mit 210 Rotariern die Fläche eines Fußballfeldes mit gesunden jungen Bäumen bepflanzt.

Leichter Nebel liegt in der Luft, es duftet nach Wald. Rotgefärbte Blätter auf dem Boden knirschen, wenn man darauf tritt. Der Schein trügt, denn mehr als 97 Prozent der Bäume im 5800 Hektar großen Frankfurter Stadtwald sind krank. Zwischen den wenigen hohen Bäume sind Furchen im abgezäunten Areal. Nicht weit entfernt beschneiden Mitarbeiter vom Grünflächenamt einzeln die feinen Wurzeln von 5400 einjährigen Traubeneichen, Rotbuchen, Esskastanien, Schwarzkiefern, Hainbuchen und Vogelkirschen. „Wenn man die lange Wurzeln pflanzt, rollen sie sich, statt in die Tiefe zu gehen. Man sieht noch nach 20 Jahren, wie sie gepflanzt wurden“, wird erklärt. Auch auf die Feinwurzeln kommt es an. Sie dürfen nicht austrocknen und das geht sehr schnell. Darum werden die jungen Bäume vorsichtig in Jutesäcke gepackt.

Mit Spaten, Schaufeln und festem Schuhwerk ausgerüstet lauschen 210 Rotarier und 20 Kinder gespannt. den Tipps und Anweisungen von Förstern. Einige haben schon einmal Bäume gepflanzt. Heute wollen sie 9000 Quadratmeter Fläche aufforsten. Gerhard Bereswill (65), der für ein Jahr Präsident des Rotary Clubs Paulskirche ist, hat Mitglieder aller zwölf Clubs in Frankfurt, aus Eschborn, Kronberg und dem ersten virtuellen Rotary Club aus Osnabrück dazu bewegt, tiefe Löcher in Waldboden zu buddeln und die kräftigen Pflanzen zu setzen.

Mit Kindern und Hunden, guter Laune und ein bisschen Muffensausen, ob sie es auch richtig machen, bilden sie Zweierteams. Einer gräbt, einer steckt und beide füllen die Löcher wieder mit Erde voll und treten die Bäumchen mit den Fersen fest. „Über Aktionen zum Klimawandel zu reden ist das Eine. Man muss es machen“, so Bereswill. Dass so viele Leute zusammenkommen, hätte er nicht gedacht. Robert Mangold, Geschäftsführer der Tiger-Palmen Gruppe gräbt ebenso alle 50 Zentimeter Löcher in den teils sandigen, teils verwurzelten oder verkalkten Boden wie der Fraport-Vorsitzende Stefan Schulte. Er hat einen Spaten dabei, der seinem Vater gehörte. Als Kind hat er mit ihm zusammen nach einem Sturm Bäume gepflanzt. Obwohl es acht Grad Celsius kalt ist, friert niemand. Jeder spornt den anderen an.

Umwelt- und Klimadezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) ist ebenfalls dabei. Nicht nur bei den Vorbereitungen, sondern auch beim Pflanzen. „Dass die Rotarier so zupacken und unserem Stadtwald helfen, ist großartig“, sagt sie. Tina Baumann, Abteilungsleiterin Stadtforst im Grünflächenamt und die Revierförster sind ebenfalls voller Lob und freuen sich über die glücklichen Gesichter der Männer, Frauen und Kinder, die schon nach kurzer Zeit den Dreh raus haben, wie die Bäumchen perfekt aufgereiht eingesetzt werden. „Dass so viele Menschen gleichzeitig pflanzen, haben wir zuletzt bei der Aktion Agendawald vor 25 Jahren gesehen“, staunt Revierförster Holger Scheel.

Die jüngste Baumpflanzerin ist Leonore (2), die mit einem winzigen Plastikspaten fröhlich buddelt, die ältesten sind Teilnehmer sind über 80. Jeder macht mit. Ein Baumexperte unter den Rotariern ist ebenfalls dabei. Christian Raupach vom Verband Hessischer Waldbesitzer bringt es auf den Punkt. „Wir pflanzen den Wald für sie Zukunft. Für unsere Kinder, Enkel und Urenkel“, sagt er. Bereswill hat schnell die Löcher für 30 Bäume gegraben. „Die Organisation war schwieriger“, sagt er lachend. Auf seiner Weste steht „Uffbasse!“. Als ehemaliger Polizeipräsident hat er an alles gedacht. Die Kosten in Höhe von 10 000 Euro für die Bäume und andere Kosten haben Rotarier übernommen. Heiße Getränke, Brezeln, Croissants und Kartoffelsuppe, die der Küchenchef der FES Roger Andres vorbeireitet hat, stehen bereit. „Würstchen gibt es separat, damit auch Vegetarier sich stärken können“. Für den „Fall der Fälle“ ist das DRK da. „Es gab keine Zwischenfälle“, so der Vorstandsvorsitzende Armin Bender zufrieden. „Solche Aktionen wie heute sollte es jede Woche für den Stadtwald geben“, schlägt er vor. Die Baumpflanzer sind glücklich und wollen „ihre“ Bäumchen in Zukunft besuchen. „Es ist ein Wäldchestag der anderen Art“, sagen sie. Die vorher kahle und fast tote Fläche ist wieder voller Leben aus jungem Mischwald. „Die Größe eines Fußballfeldes klingt riesig. Aber hier mitten im riesigen Stadtwald sieht man, dass es nur ein kleines Stückchen Wald ist, das wir heute aufgeforstet haben“, so Bereswill, der weitere Pflanzaktionen zum Klimaschutz „nicht ausschließt. Es gibt noch viel zu tun, um dem Klimawandel zu stoppen“.

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