Irmgard Williamson, geborene Hardtfuß, starb im Alter von 92 Jahren.
+
Irmgard Williamson, geborene Hardtfuß, starb im Alter von 92 Jahren.

Trauer in Niederrad

Ein Grabstein für Irmgard Williamson

  • Stefanie Wehr
    VonStefanie Wehr
    schließen

Niederrad trauert um die langjährige Kassierin des Stadionbads. Nachbarn rufen zu einer Sammel-Aktion auf, damit sie würdig bestattet werden kann.

Die Nachbarinnen von Irmgard Williamson sind traurig und geschockt. Sibel Yarar und ihre Schwester Lale wohnten Tür am Tür mit Williamson im selben Haus in der Haardtwaldstraße und kümmerten sich um die alte Dame. "Sie war wie eine Oma für uns. Irmgard war liebevoll und eine starke, bewundernswerte Frau", sagen sie. "Wir sind traurig, dass wir sie verloren haben."

Vor wenigen Wochen ist Irmgard Williamson, geborene Hardtfuß, die im Stadtteil viele kannten, weil sie mehr als 40 Jahre an der Kasse im Stadionbad gearbeitet hatte, mit 92 Jahren gestorben. Im Krankenhaus, allein.

In ihren letzten Jahren lebte sie zurückgezogen, litt an Demenz. Kein Verwandter ließ sich blicken, weder Stiefsohn noch Schwägerin. Das Begräbnis wurde nahezu anonym von Nachlassbetreuern eines Pflegedienstes anberaumt - Williamson soll ein Wiesengrab ohne Grabstein bekommen. "Noch dazu soll sie dort ohne jede Zeremonie begraben werden", fand Lale Yarar nach zig Telefonaten heraus. "Das hat sie nicht verdient." Die Schwestern haben einen Aufruf gestartet, damit möglichst viele, die Williamson "als Mensch, als Kollegin kannten und liebten, zur Beerdigung kommen", sagt Yarar. Über das Spendenportal www.gofundme.com sammeln sie Geld für einen Grabstein. Zum Begräbnis heute um 11.15 Uhr auf dem Niederräder Friedhof kommt ein ehrenamtlicher Pfarrer, den die evangelische Paul-Gerhardt-Gemeinde entsendet. "Wir sind so dankbar dafür, dass jemand ein Gebet spricht, damit Irmgard würdevoll bestattet werden kann", sagt Lale Yarar erleichtert.

Denn Irmgard Williamson "war eine tolle Frau, ein richtiges Vorbild. Sie hat zwei Kinder alleine großgezogen. Später musste sie so viele Schicksalsschläge erleiden, verlor ihren Ehemann, ihre Tochter und ihren Sohn. Sie hatte mehrere Jobs als Haushaltshilfe und arbeitete an der Schwimmbadkasse." Die Niederräderin, so erinnern sich viele, war nicht irgendeine Kassiererin. Sie kannte die Gäste, die immer wiederkamen, plauderte und interessierte sich für sie. In den Ruhestand wollte sie nicht gehen. Erst mit 84 Jahren hörte sie auf.

"Sie war eine gute, zuverlässige Mitarbeiterin, deshalb dachten wir uns, warum nicht?", sagt Michael Müller, der bis April Leiter des Stadionbades war. "Als ich 1990 herkam, war Frau Williamson schon da. Sie war eine von drei fest anstellten Kassen-Damen. Im Winter arbeiteten sie am Einlass der Eisbahn", erinnert sich Müller. Die Kollegen, die mit Williamson zusammenarbeiteten, wollen ihr ebenfalls das letzte Geleit geben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare