Da gibt's noch viel zu tun: Filiz Kürbis, die das Projekt für den Verein Kinderfarm Frankfurt leiten wird, vor dem alten Rennbahn-Stallgebäude, das umgebaut werden muss. Dazu gehört auch die Entsorgung solch alter Metallteile. foto sauda
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Da gibt's noch viel zu tun: Filiz Kürbis, die das Projekt für den Verein Kinderfarm Frankfurt leiten wird, vor dem alten Rennbahn-Stallgebäude, das umgebaut werden muss. Dazu gehört auch die Entsorgung solch alter Metallteile. foto sauda

Niederrad: Naturerlebnis

Ein Heim für Hase, Huhn und Schafe

  • vonStefanie Wehr
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Kinderfarm soll am Rand des Rennbahnparks entstehen - Stadt verspricht Geld für Anschub

Noch sieht es auf dem Gelände der künftigen Kinderfarm wüst aus: Kürzlich wurden die Baracken abgerissen, der Boden ist planiert. Eine Mistgrube ist noch übrig aus alten Rennbahnzeiten. Filiz Kürbis, die das Projekt für den Verein Kinderfarm Frankfurt leiten wird, freut sich dennoch. Beschwingt zeigt sie, wo künftig Tiergehege, Hochbeete und eine Hecke rund um das Gelände entstehen sollen.

"2500 Quadratmeter dürfen wir umbauen", erklärt sie. Die Fläche befindet sich auf dem Karree zwischen den beiden früheren Stallgebäuden. Direkt angrenzend soll der Spielplatz entstehen, den Kinder der Frauenhofschule mitgestaltet haben.

Das langgezogene alte Stallgebäude bleibt stehen, das u-förmige soll abgerissen werden. Die Kinderfarm soll einen Teil des langgezogenen Hauses beziehen. "Drinnen sind noch die Boxen und die schönen Stalltüren aus Holz erhalten. Die würde ich gern behalten, neu streichen und verschiedene Werkstätten und Räume für die Kinder darin integrieren. So können sie noch den alten Pferdestall erahnen", erklärt die Niederräderin. Die alte Rennbahn mit den Ställen sei prädestiniert für einen Lernort mit Tieren. Die Ställe sollen vor allem den Tieren nachts Schutz bieten.

Seit fast zehn Jahren kämpft Filiz Kürbis für das Projekt, das Kindern naturnahes Lernen und Erleben ermöglichen soll. Viele Mitstreiter aus der Anfangszeit sind längst abgesprungen, darunter viele Eltern, deren Kinder längst älter geworden sind. Seit die Pläne für den Rennbahnpark konkreter wurden, ist die Umsetzung der Kinderfarm immer wahrscheinlicher geworden. Die Stadtpolitik unterstützte das Projekt. Ein Gelände am Sachsenhäuser Berg am Mittleren Schafhofweg, das sie Stadt vor Jahren als Standort vorschlug, war aber wegen Verunreinigung des Bodens nicht geeignet.

Frei fühlen und sich dreckig machen

Kinder ab Grundschulalter sollen auf der Kinderfarm die Natur entdecken, sich frei fühlen und dreckig machen können. Sie können lernen, wie man Karotten, Sellerie, Fenchel und Salat anbaut. "Das Gemüse wird verarbeitet und eingekocht, vielleicht können wir auch Produkte verkaufen. Außerdem bauen wir Futterpflanzen an für die Tiere, die hier leben werden und deren Lebensweise die Kinder kennen und erforschen können."

Die Farm soll eine Art Arche Noah für alte Nutztierrassen werden, etwa Schafe, Kaninchen und Hühner, die dort auch gezüchtet werden sollen. Ein Streichelzoo soll es nicht sein, wo die Tiere überfordert werden. Die Befürchtung mancher im Stadtteil habe sie zum Glück ausräumen können, so die Pädagogin.

Filiz Kürbis ist Fachkraft für tiergestützte Intervention. Derzeit arbeitet sie bei den Sindlinger "Ponyzwergen", einem Reit- und Lernbauernhof. Auch dort lernen Kinder, wie man einen Stall ausmistet, wie man mit Schafen spazieren geht oder wie intelligent Hühner tatsächlich sind. Es gehe darum, Natur nahe zu kommen, die Kinder oft nur aus dem Bilderbuch kennen, so Filiz Kürbis: "Auch Haustiere wie Katzen oder Hunde können ja die wenigsten halten".

Eine Beziehung zu einem Tier aufbauen und Verantwortung für ein Lebewesen zu übernehmen, helfe der eigenen Entwicklung und präge die Jungen und Mädchen fürs Leben.

Wie die Kinderfarm auf der ehemaligen Rennbahn heißen wird, ist noch nicht klar. "Das sollen die Kinder entscheiden", sagt die Erzieherin. Die Kids sollen sich ihre "Farm" selbst aneignen und mitentscheiden, was sie lernen wollen. Auch Kinder mit Handicap sollen teilhaben können - wenn es nach Filiz Kürbis geht, wird es etwa taktile Leitsysteme und Hochbeete geben, die auch mit dem Rollstuhl erreichbar sind. Kooperationen mit Schulen sind geplant, die Farm soll aber ein offenes und kostenloses Angebot am Nachmittag und an Wochenenden sein, so Filiz Kürbis.

Eine Anschubfinanzierung durch die Stadt ist sichergestellt, freut sich Filiz Kürbis. Die Leberecht-Stiftung dieser Zeitung hat Unterstützung zugesagt und auch die Nachbarn, der DFB, wollen der Kinderfarm unter die Arme greifen. Sie wird aber auch künftig von Spenden abhängig sein, Geld will der Verein zudem mit Festen oder Ferienspielen einnehmen. Stefanie Wehr

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