Architekt Michael Landes (zweiter von rechts) erklärt Boris Rhein (l.) seine Pläne für eine "Arche" in der Kirche. FOTO: Hamerski
+
Architekt Michael Landes (zweiter von rechts) erklärt Boris Rhein (l.) seine Pläne für eine "Arche" in der Kirche.

Landtagspräsident in Frankfurt

"Ein herausragendes Bauwerk"

  • Friedrich Reinhardt
    VonFriedrich Reinhardt
    schließen

Boris Rhein besucht St. Christophorus

Mit einem Scheck über 1000 Euro in der Tasche hat der Hessische Landtagspräsident Boris Rhein (CDU) die Kirche St. Christophorus und den Kirchbau- und Förderverein in Preungesheim besucht. Der Verein ist aus der Initiative "St. Christophorus soll leben entstanden", die sich für den Erhalt der Kirche an der Straße An den drei Steinen einsetzt, nach dem die KIS-2-Gruppe (Kirchliche Immobilienstrategie) sich für einen Abriss des Kirchenbaus ausgesprochen hatte.

Als eine Parteinahme für den Erhalt der Kirche möchte der Landtagspräsident seinen Besuch aber nicht verstanden wissen. Rhein nennt den Bau aus dem Jahr 1962 zwar "ein wunderbares und herausragendes Bauwerk". Damit spreche er sich aber nicht dafür aus, dass die Kirche unter Denkmalschutz gestellt werden soll. "Das ist nicht meine Entscheidung." Darüber urteile das Landesamt für Denkmalpflege und dem Amt wolle der Landtagspräsident nicht reinreden.

Auch wolle er mit seinem Besuch kein Signal in Richtung des Bistums Limburg schicken. "Ich bin für eine klare Trennung zwischen Staat und Kirche", sagt Rhein. "Ob eine Kirche profaniert wird, darüber muss die Kirche entscheiden. Da haben der Staat und das Land Hessen sich nicht einzumischen."

Ein weiteres Verfahren soll entscheiden

Gefallen ist die Entscheidung noch nicht. Der Pfarrgemeinderat und der Verwaltungsrat der Gemeinde St. Franziskus haben zwar dem Vorschlag der KIS-2-Gruppe zugestimmt. Das Pfarrhaus, Gemeindezentrum und der Kindergarten sollen also abgerissen werden. Wie das Bistum mit der Kirche umgehen wird, das solle aber genauer geprüft werden. Im Beschluss heißt es: "Hinsichtlich der Kirche St. Christophorus sieht der Pfarrgemeinderat und der Verwaltungsrat die Notwendigkeit, im weiteren Verfahren gemäß der 'Verfahrensordnung zur Umnutzung und Aufgabe von Kirchen im Bistum Limburg' alle Möglichkeiten wie eine Umnutzung, eine Veräußerung oder einen Abriss der Kirche zu prüfen".

Diese Verfahrensordnung schreibt vor, dass sich nun die Arbeitsgruppe "Umnutzung und Aufgabe im Bistum Limburg" mit St. Christophorus befassen wird. Zu der Gruppe gehört unter anderem die Dezernentin für Pastorale Dienste, der Leiter des KIS-Projekts und Vertreter der Stadt- und Bezirksdekane. Sie entscheiden nicht hinter verschlossenen Türen. "Die Einbeziehung der Gläubigen am jeweiligen Kirchort wie auch der dortigen außerkirchlichen Öffentlichkeit ist unerlässlich", heißt es in der Verfahrensordnung. Das letzte Wort hat dennoch der Bischof.

Wie die Beteiligung der Öffentlichkeit aussehen könnte? "Im Blick sind auch Formen wie öffentliche Versammlungen, Workshops oder ähnliches, in die sich alle Interessierten einbringen können", erklärt ein Sprecher des Bistums. Termine für solche Veranstaltungen gibt es noch nicht.

Verein von seinem Konzept überzeugt

Aus Sicht des Fördervereins ist es die richtige Entscheidung des Pfarrgemeinderats, sagt Vorsitzender Peter Hofer. Der Verein arbeitet mit dem Architekten Michael Landes an einer Alternative zum Abriss. In der Kirche soll ein 3,5 Meter hohe "Arche" eingesetzt werden, die "die Form der Kirche aufgreift", sagt Landes. Dieser Multifunktionsraum ließe sich öffnen, damit die ganze Kirche als ein Raum genutzt werden kann, aber auch verschließen, "damit man nicht immer die ganze Kirche heizen muss", sagt Landes. Die Setzrisse, die die Kirche aufweist und die die Kis-Gruppe als ein Zeichen für die schlechte Bausubstanz deutet, hält der Architekt für "vernachlässigbar". Die Kosten mit allem drum und dran schätzt Hofer auf eine halbe Million Euro, Landes auf "maximal eine Million". Wie viel sein Architekturbüro mit dem Projekt verdienen würde, darüber sei noch nicht gesprochen worden.

Vom Landtagspräsidenten kamen nun am Montag 1000 Euro, zur freien Verfügung. Das Geld stamme aus den Lotto-Tronc-Mitteln, sagt Rhein. Abgaben von Spielbanken also.

Friedrich Reinhardt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare