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Das Wasserhäuschen in der Holbeinstraße strahlt pure Weihnachtlichkeit aus.

Wasserhäuschen

Ein bisschen Normalität: Frankfurter Kiosk wird zum Weihnachtsmarkt

  • vonSabine Schramek
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Das Wasserhäuschen an der Holbeinstraße in Frankfurt-Sachsenhausen hebt die Stimmung. Trotz der aktuellen Corona-Pandemie.

Sachsenhausen – Amaryllis in Samt mit Glitzer, Hyazinthen in Wachs, Kätzchenzweige, die schon etwas Pelz tragen, Weihnachtsmänner und Holzschnitzereien sind nicht gerade das, was man an Wasserhäuschen erwartet. Bei Rebecca Fohl (29) und ihrem Freund Michael Oechsler (33) ist das anders. Seit Mitte 2019 betreiben sie den idyllischen Kiosk an der Holbeinstraße, verkaufen eine eigens für sie hergestellte Kaffeeröstung und verteilen gratis gute Laune.

Mit dabei sind Töchterchen Matilda (1), Weimaraner-Rüde Lennox (9), nach dem der Kiosk benannt ist, und Fohls Schwiegermutter. „Bitte gehen Sie weiter bis mindestens hinter den dritten Baum im Park“, ermahnt sie Kunden, die sich Kaffee, heißen Äppler, Kinderpunsch und Glühwein To-Go holen. Jung und Alt hält sich daran. „Die Leute wollen Normalität. Wir geben sie – aber mit Abstand“, sagt Fohl.

Mit Kerzen und Holzsternen für Gemütlichkeit zu Weihnachten

Es riecht nach Tannennadeln. Putzige handgemachte Weihnachtsmänner, Adventskränze mit eckigen Kerzen und Holzsterne stehen auf Tischen neben dem Kiosk, dahinter gibt es frische Nordmanntannen-Weihnachtsbäume für zu Hause. Geschnitzte Holzkunstwerke als Eingangsdekoration mit eingebrannten Worten wie „Family“, „Gude“, „X-Mas“ und „Willkommen“ machen neben Engeln das Adventsgefühl perfekt. „Die Hölzer hat ein Künstler aus Sachsenhausen gemacht“, erzählt Fohl. Frische Blumen und Pflanzen kommen von ihrem Mann. „Ich habe zwei Blumengeschäfte, da bietet es sich an, es hier auch schön zu machen“, sagt Oechsler mit Matilda auf dem Arm.

Am Tresen locken kunterbunte Blumensträuße mit Rosen, Gerbera, Dahlien und Tannenzapfen. Darüber stehen in Regalen große Gläser voller Süßigkeiten für Kinder. „Wenn es schon keinen Weihnachtsmarkt gibt, wollen wir wenigstens unsere Fläche nutzen und Spaziergängern und Kunden ein angenehmes Gefühl bieten.“ Fohl liebt es, zu dekorieren, und sie liebt schöne Dinge und Behaglichkeit. Sie trägt einen großen Hut und einen langen Mantel über einem Pullover, die Ton in Ton zu ihrem Hund passen.

Als sie das Wasserhäuschen aus dem Jahr 1952 im Sommer des vergangenen Jahres übernommen hatte, wollte sie bereits alles „schön und gemütlich haben“. Das Licht im Kiosk ist warm, sanft und einladend. Die Fassade mit dem großen Schild „Trinkhalle“ blitzt.

Heißgetränk wärmt die Seele trotz Corona-Pandemie

„Ohne Corona können Kunden dort sitzen und stehen, wo es jetzt Kunsthandwerk und Weihnachtsbäume gibt. Das geht wegen Corona nicht mehr, aber es wäre ja schade, wenn die Kunden gar nichts zu sehen hätten.“ Leute aus der Nachbarschaft stehen mit Maske und Abstand Schlange, um sich mit einem Heißgetränk Finger und Bauch zu wärmen.

„Eine gemischte Tüte für zwei Euro“ kauft eine Mutter für ihre achtjährige Tochter. Dazu ein Mini-Engelchen „für die Krippe daheim“. Arbeitskollegen kommen aus dem Büro und holen sich Glühwein. „Bitte nicht zusammenstehen“, werden sie ermahnt. „Haltet Abstand zueinander und zu allen anderen.“ Erstaunlicherweise funktioniert es. Der Ton der Familie ist weder streng noch belehrend, weder derb noch hart. Er ist freundlich. Immer wieder erklären sie das, was alle eigentlich wissen. Bei einigen genügt ein lachender Hinweis, bei anderen ein Augenzwinkern. Die Leute reagieren sofort.

„Wir wollen das Beste aus der Situation machen. Auch, wenn keine Zusammenkünfte möglich sind, keine Weihnachtsfeiern und kein gemütliches Zusammensitzen, geht es mit Vernunft und Rücksicht aufeinander, dass sich das Leben doch ein bisschen normal anfühlt“, ist Fohl überzeugt. Die junge Familie wohnt gegenüber. „Wenn das ‚Nox‘ geschlossen ist, stehen wir oft am Fenster, schauen rüber und überlegen, was wir noch verbessern können. Ideen haben die kreativen Betreiber reichlich. Auch für die Zeit nach Corona. „Das verraten wir aber noch nicht. Wir hoffen darauf, dass es bald wieder möglich ist, ohne Sorge vor Ansteckung unsere Träume umsetzen zu können.“ (Sabine Schramek)

Im Nordwestzentrum gehen die Betreiber des Apfelweinlokal „Zum Lahmen Esel“ kreativ mit der Situation um. Dort gibt es Ebbelwoi to go.

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