Peter Schmidt und Bernhard Ochs (von links sitzend) haben an einem Stand Unterschriften für ein Klo in der Rose-Schlösinger-Anlage gesammelt. Das wird jetzt errichtet, aber das Duo hätte hier auch gerne noch ein Kiosk. Foto: privat
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Peter Schmidt und Bernhard Ochs (von links sitzend) haben an einem Stand Unterschriften für ein Klo in der Rose-Schlösinger-Anlage gesammelt. Das wird jetzt errichtet, aber das Duo hätte hier auch gerne noch ein Kiosk.

Bornheim: Frankfurter Toilettenkonzept

Ein Klo ohne Kiosk ist Kokolores

  • Matthias Bittner
    vonMatthias Bittner
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Ehemaliger Frankfurter Stadtverordneter will ein Büdchen in der Rose-Schlösinger-Anlage

Eine gute und eine schlechte Nachricht gibt es für Bernhard Ochs und Peter Schmidt (Die Frankfurter): Im Toilettenkonzept der Stadt ist ein WC in der Rose-Schlösinger-Anlage vorgesehen. Von einem Kiosk, wie ihn vor allem Ochs fordert, ist allerdings nicht die Rede. "Es ist doch bekloppt, nur eine Toilette hier hinzustellen. Das grenzt an Verweigerung, Geld zu verdienen", ist Ochs fassungslos.

Seiner Ansicht nach würde ein Büdchen in der Rose-Schlösinger-Anlage nämlich sehr gut laufen. Dort gibt es zwei Spielplätze und einen Fitness-Parcours für Senioren. In der Grünanlage entlang der Kettelerallee seien auch viele Spaziergänger unterwegs, die die Gelegenheit, beim Einkehren ein wenig verschnaufen zu können, sicher nutzen würden. Der Kioskbetreiber würde, da ist Ochs sich sicher, auch von Laufkundschaft profitieren, weil viele FSV- oder Löwen-Fans auf dem Weg zu den Heimspielen vorbeikämen. "Wäre ich noch etwas jünger, würde ich sofort zugreifen", sagt der 72 Jahre alte Ochs.

Der scheidende Stadtverordnete hatte sich mit seinem Parteifreund Peter Schmidt im 4er (Bornheim, Ostend) seit Jahren für ein WC in der Rose-Schlösinger-Anlage eingesetzt. Das haben die beiden jetzt zwar erreicht, hundertprozentig zufrieden ist das Duo aber nicht. Ochs will trotz der veränderten politischen Konstellation am Ball bleiben. Er hat jüngst bei der Kommunalwahl den erneuten Einzug in den Römer verpasst und löst Schmidt, der zu wenig Stimmen erhielt, im Ortsbeirat 4 ab. "Ich werde weiter für ein Kiosk kämpfen", kündigt er an und hofft auf Unterstützung im Stadtteilparlament.

Unterschriften gesammelt

Gemeinsam mit Schmidt plant Ochs dazu weitere Aktionen. Im Juli 2019 hatten die beiden beispielsweise schon einen Stand in der Grünanlage aufgebaut und Unterschriften für den Bau eines WC-Standortes gesammelt. Den Vorschlag, die Binding-Brauerei könnte anlässlich ihres 150-jährigen Bestehens einen Jubiläumskiosk in der Grünanlage errichten, schlug das Unternehmen damals aber aus. Dabei ist die Idee von Ochs gar nicht so abwegig. An der Stelle hatte es schon einmal ein Café gegeben, das jedoch abgerissen wurde, weil es baufällig war.

In die Schlagzeilen war die Rose-Schlösinger-Anlage vor ein paar Jahren geraten, nachdem Hundebesitzer einen offenen Brief veröffentlicht hatten. Darin hatten sie kritisiert, dass Eltern ihre Kinder auch ihr großes Geschäft in den Büschen erledigen ließen und die Hinterlassenschaften nicht entsorgten. Daraufhin war die Forderung nach einem öffentlichen WC neu entbrannt.

Oliver Lang, Vorsitzender des Kleingärtnervereins Buchhang, jedenfalls ist froh, dass das endlich errichtet wird. Dann, so hoffen er und die Vereinsmitglieder, müsse niemand mehr sein Geschäft in den angrenzenden Gärten erledigen. Dass die Stadt wie von Günter Murr, einem Sprecher des zuständigen Amtes für Bau und Immobilien, statt der Kiosk-Lösung mit angegliederten Toiletten eine Systemtoilette präferiert, bedauert Lang aber. Denn die Kleingärtner wären immer noch bereit, das Kiosk in der Grünanlage zu betreiben und würden sich sogar um die öffentlichen Toiletten kümmern. "Es müsste nur jemand den Kiosk bauen, uns bei der Pacht entgegenkommen und uns eine Probezeit gewähren", sagt er. Ein finanzielles Risiko für den Verein will Lang nämlich nicht eingehen. Dass sich ein Kiosk an dieser Stelle trägt, davon ist Lang aber überzeugt. Zusätzliches Publikum könnte eine Boule-Bahn anziehen, meint Lang. Auch Lesungen oder Musikbeiträge könnte er sich vorstellen. Zum Markenzeichen für das Kiosk könnten selbst zubereitete Speisen werden, deren Zutaten die Kleingärtner auch selbst anbauen.

Lage hat sich zuletzt etwas entspannt

Die Situation in der Anlage, das sagt Lang, habe sich zuletzt allerdings etwas entspannt, weil die Dippemess' abgesagt worden sei und auch Frankfurt Galaxy nicht mehr gespielt habe. Deshalb sei die Zahl der Passanten deutlich zurückgegangen. Der Winter habe sein Übriges dazu beigetragen, dass menschliche Ausscheidungen in den Büschen weniger geworden seien. Im sich allmählich ankündigenden Frühling und Sommer sehe das aber schon wieder anders aus, prophezeit Lang. Er hofft, dass das WC schnell gebaut wird.

Kern des Toiletten-Konzepts des zuständigen Stadtrates Jan Schneider (CDU) sind 18 neue Toilettenanlagen. Dazu zählen neue Anlagen in der Bendergasse in der neuen Altstadt, am Fernbusbahnhof neben dem Hauptbahnhof und im Bethmannpark. Bürger wünschten sich mehr öffentliche Toiletten, sagt Schneider, der auch wegen der steigenden Zahl von Einwohnern und Touristen Handlungsbedarf sieht. Für die 18 Standorte rechnet der Stadtrat mit Investitionskosten in Höhe von rund 6,5 Millionen Euro. Das Stadtparlament muss noch zustimmen. Matthias Bittner

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