Der Sandsteinsockel ist von 1770, der Kran selbst aus dem 19. Jahrhundert - und die Stadt weiß nicht, wem er gehört. FOTO: Reuß
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Der Sandsteinsockel ist von 1770, der Kran selbst aus dem 19. Jahrhundert - und die Stadt weiß nicht, wem er gehört.

Höchst: Frankfurter Stadtgeschichte

Ein Kran! Wo kommt der bloß her?

  • Holger Vonhof
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Stadt hat keine Ahnung, wem das Industriedenkmal gehört

Die Stadt Frankfurt hat es auch in einer "dezernatsübergreifenden Abfrage" nicht zu klären vermocht, wem der historische Verladekran an der Seilerbahn gehört. Nach fast einem Jahr bekam der Ortsbeirat 6 (Frankfurter Westen), der im August 2020 um Klärung der Besitzverhältnisse gebeten hatte, jetzt mitgeteilt: "Bedauerlicherweise bleibt die Eigentümerschaft weiterhin ungeklärt. Sollte der Ortsbeirat über etwaige Hinweise verfügen, steht das Dezernat für Kultur und Wissenschaft zur gemeinsamen Klärung der weiteren Verfahrensweise gerne zur Verfügung."

Der Ortsbeirat hatte die Stadt darauf hingewiesen, dass der an der Nidda auf einem Sandsteinsockel stehende Kran ein Zeitzeuge aus der Höchster Geschichte sei: "Zusammen mit dem größeren Ladekran in der Nähe der Leunabrücke ist er ein wichtiger Bestandteil der Erinnerung an den Höchster Hafen, daher ist der Erhalt des Krans für die Geschichte von Höchst von großer Bedeutung." Die Anfrage mit der Bitte um Klärung der Besitzverhältnisse hatte sich daraus ergeben, dass der Kran im vorigen Sommer völlig zugewuchert war, so dass sich einige Bürger erbarmten und Wildkräuter und kleine Büsche entfernten, bevor deren Wurzeln den Sandstein des Sockels nachhaltig schädigen konnten. Weil bei der Recherche unter den in Frage kommenden Ämtern keines die Hand gehoben hat, geht die Stadt jetzt davon aus, "dass eine Zuständigkeit des Magistrats nicht gegeben zu sein scheint."

Schauen wir in die Geschichtsbücher: Der handbetriebene Verladekran stammt aus dem 19. Jahrhundert, sein Sockel aus dem Jahr 1770. Mit Gründung der Höchster Neustadt zum Ende des 18. Jahrhunderts wurde der Höchster Hafen in die Niddamündung verlegt, wo er bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts blieb. Im Jahr 1873 kaufte die Stadt Höchst das Mainufer zwischen der Gemarkung Nied und dem Höchster Zolltor an, um dort eine städtische Werft anzulegen. Der kleine Kran dürfte somit der Stadt Höchst gehört haben und wäre damit nach der Eingemeindung 1928 Eigentum der Stadt Frankfurt.

Die Höchster Werftanlagen wurden später zum Kai ausgebaut und von 1892 bis 1912 bis zur heutigen Leunabrücke erweitert. Ab dem Jahr 1908 wurde das Höchster Mainufer dann um zwei Meter aufgeschüttet und die Kaimauer entsprechend erhöht. hv

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