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Gemälde von Vincent Van Gogh von schier unschätzbarem Wert werden sicher nicht ausgestellt auf dem Campus. Etwas Kunst könnte der Fläche allerdings durchaus guttun. FNP-Montage/ Foto: Salome Roessler

Bockenheim: Kunst und Kultur

Ein Museum unter freiem Himmel

  • Matthias Bittner
    vonMatthias Bittner
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Liberale wollen das Campus-Areal für Ausstellungen freigeben

Bockenheim -Kunst- und Kulturschaffende haben unter der Corona-Krise besonders zu leiden. Sie können nicht auftreten. Und auch die Museen sind derzeit zu. Die FDP-Fraktion im Ortsbeirat 2 (Bockenheim, Westend, Kuhwald) fordert deshalb, am Campus Bockenheim Freiluft-Ausstellungen für Frankfurter Museen zu ermöglichen. "Auch wenn die Museen geschlossen sind, soll man Zugang dazu haben", erklärt die FDP-Fraktionsvorsitzende Maria-Christina Nimmerfroh und legt für die nächste Sitzung des Gremiums einen entsprechenden Antrag vor. Auf der Innenfläche des Campus Bockenheim sei viel Platz. Dort könnten große Wände mit Abbildungen ausgewählter Exponate und Erläuterungen aufgebaut werden.

Im Moment könne Kultur nur virtuell erlebt werden. Das will die FDP ändern. "Viele sitzen den ganzen Tag im Homeoffice vor dem Bildschirm, da ist vielleicht das Interesse an einem virtuellen Museumsbesuch auch nicht mehr groß", sagt FDP-Ortsbeirat Günter Pelke. "Eine Freiluftausstellung kann immer besucht werden, mit Abstand und unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln."

Neue Konzepte entwickeln

Für Museen ergäben sich eventuell neue Konzepte, etwa in der Zusammenarbeit mit Schülern. Auch Ausstellungen unter einem größeren Thema, bei dem verschiedene Museen gemeinsam auftreten, seien denkbar. "Wir sind sicher, dass es da gute Ideen gibt, wie man Exponate in den öffentlichen Raum bringen kann, wenn niemand ins Museum darf", erklärt Pelke.

Die Freiflächen des Campus sollen als Ausstellungsfläche dienen, beispielsweise könnten die Wände mit den Exponaten auf dem Platz zwischen Neuer Mensa und Juridicum aufgestellt werden. Der Platz auf dem Campus sei auch so alles andere als schön. Sicherheits- und Beleuchtungsfragen ließen sich sicher klären. Die Einschränkungen durch die Pandemie sind der FDP-Fraktion Grund genug, um das öffentliche Handeln insgesamt auf den Prüfstand zu stellen. "Einfach nur Zumachen ist kein Konzept", sagt Nimmerfroh. Es brauche neue Ideen, die Freiluftausstellung könne ein Anfang sein. Diese passe auch gut zum geplanten Kulturcampus, der den Bockenheimern ja schon vor Jahren versprochen worden sei.

Sören Dürr, Leiter Stab Kommunikation im Senckenberg, spricht von einem hochinteressanten Vorschlag. "Man müsste miteinander ins Gespräch kommen und das vertiefen", sagt er. Zum jetzigen Zeitpunkt könne Senckenberg aber keine Zusage geben. Im Moment konzentriere sich die volle Aufmerksamkeit auf Fertigstellung und Bezug des Senckenberg-Neubaus. Intern werde an neuen Ausstellungen gearbeitet, das binde sämtliche Kräfte, so Dürr.

Ein Schutz vor Wind und Wetter

Ob das Museum Angewandte Kunst über die nötigen Kapazitäten verfüge, um an einem solchen Projekt teilzunehmen, müsste nach Angaben von Museumssprecherin Natali-Lina Pitzer geprüft werden. Für 2021 seien neue Ausstellungen geplant, weshalb Kuratoren und alle beteiligten Mitarbeiter stark ausgelastet seien. Zudem seien die Sammelobjekte des Hauses sehr empfindlich und kostbar. Die Ausstellungsflächen müssten deshalb bestimmten Anforderungen entsprechen, wendet sie ein.

Jann S. Wienekamp, als Vorsitzender des Bürger- und Förderkreises Historisches Bornheim zugleich Direktor von Frankfurts kleinstem Museum in der Turmstraße, findet die Idee, Museen die Gelegenheit zu geben, verschiedenste Exponate für verschiedenste Kulturinteressierte zusammenzutragen und zu präsentieren, gut. "Ich könnte mir auch vorstellen, dass ich ein paar Dinge beisteuern würde - vielleicht zum Thema U 4, die ja in diesem Jahr bekanntlich 40 Jahre alt geworden ist und an der Bockenheimer Warte endet. Wenn die Bürger nicht zum Stadtteilmuseum des Bürgervereins und Förderkreises Historisches Bornheim kommen können, kann das Stadtteilmuseum vielleicht zu den Bürgern kommen." Wienekamp äußert allerdings auch Bedenken. Fragen wie Wind- und Wetterschutz für die Ausstellungsstücke, der Schutz vor Diebstahl und natürlich nicht zuletzt auch die Finanzierung müssten geklärt werden. Matthias Bittner

Der Ortsbeirat 2 tagt

Montag, 30. November, 19 Uhr, Universitätscampus Bockenheim, Gräfstraße 50 - 54, Hörsaaltrakt, Hörsaal HV 3 (3. Stock).

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