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Ein neues Leben für das SPD-Lädchen in der Albanusstraße

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Von: Manfred Becht

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Der Staffelstab ist schon übergeben: Abdulaziz Zähter vom Solidariätsverein (li.) und Lino Leudesdorff vor dem Laden.
Der Staffelstab ist schon übergeben: Abdulaziz Zähter vom Solidariätsverein (li.) und Lino Leudesdorff vor dem Laden. © Maik Reuß

Solidaritätsverein syrischer Kurden berät jetzt Flüchtlinge in der Albanusstraße

Höchst Ganz komplett abgewickelt ist der Tausch noch nicht. Ganz oben im Regal steht noch eine Reihe mit Ordnern mit Unterlagen der SPD, ein Schild "SPD-Laden" hängt noch an der Wand. Ansonsten aber hat der Solidaritätsverein syrischer Kurden die Räume schon voll und ganz in Beschlag genommen - die Regale sind voller Bücher, Spiele, Unterlagen und anderen Dingen, die Schreibtische sehen nach Arbeit aus.

Brötchen und Parolen

Die Rede ist vom SPD-Laden in der Albanusstraße 2, besser gesagt vom früheren SPD-Laden. Seit vielen Jahren habe die Partei in das Fachwerkhäuschen zum politischen Frühstück geladen, so Lino Leudesdorff, stellvertretender Vorsitzender der Höchster SPD. Außerdem wurde die eine oder andere Sitzung der Parteigremien dort abgehalten. "Wir haben auch schon mal Wahlplakate gebaut", sagt er.

Aber dafür braucht man einen solchen Laden nicht. Schon seit Jahren seien immer weniger Besucher gekommen, sowohl zum politischen Frühstück, als auch zu anderen Gelegenheiten. "Früher kamen die Leute selbst, heute schreiben sie eine E-Mail", so lautet die Erfahrung. Zuletzt habe natürlich auch die Corona-Pandemie zu dem Besucherschwund beigetragen.

Es sei schließlich wichtig, zu den Leuten zu gehen, statt auf die Leute zu warten, so Leudesdorff. Die SPD sei ohnehin präsent in der Stadt, wolle dies auch noch intensivieren. Die Tatsache, dass die Zahl der Mitglieder steigt und momentan bei über 70 liegt, hilft dabei ebenfalls. Also wurde entschieden, den Laden aufzugeben. Leudesdorff ist froh, dass der Hausbesitzer, die städtische ABG, den Solidaritätsverein syrischer Kurden als Nachmieter akzeptiert hat. Auf diese Weise bleibe eine Anlaufstelle erhalten, ein Wettbüro brauche man an dieser Stelle nicht. Naheliegend sei der Wechsel auch gewesen, weil der Vorsitzende des Solidaritätsvereins, Abdulaziz Zähter, auch dem Vorstand der SPD im Stadtteil angehört. Die Albanusstraße 2 wird nun Anlaufstelle für viele, die Unterstützung brauchen. Zähter kümmert sich vor allem um Flüchtlinge. Die müssen zum Einwohnermeldeamt, zum Sozialamt und zum Jobcenter, sie brauchen Betreuungsplätze für ihre Kinder oder müssen diese einschulen, es werden Wohnungen und vieles mehr gebraucht. Denn wer aus einem anderen Land nach Deutschland kommt, für den sind all diese Dinge oft große Herausforderungen. Ohne kompetente Hilfe geht das kaum.

Hilfskonvoi nach Kurdistan

Zähter ist seit 42 Jahren in Frankfurt und engagiert sich bei diesen Themen schon lange. Vor vielen Jahren hat er einen Hilfskonvoi nach Kurdistan organisiert, vor mehr als zehn Jahren den Verein gegründet. Der Mann geht voll und ganz in seiner Aufgabe auf, ist fast immer in dem Laden.

"Offen für Vielfalt" heißt es auf einem Schild an der Ladentüre, wo sonst die Öffnungszeiten stehen. "Geschlossen gegen Ausgrenzung" kann man lesen, wenn das Schild umgedreht wird - was aber nicht oft passiert. "Manchmal bin ich auch bis Mitternacht da", erzählt Zähter.

Schnell zu erreichen

Ihm sei für den Verein auch ein großer Raum auf der Mainzer Landstraße angeboten. Aber da hätte er solche ausgedehnten Öffnungszeiten nicht anbieten können - und so gut erreichbar wäre der Raum auch nicht. Also hat er sich für die Albanusstraße mitten in der Höchster Innenstadt entschieden. Der reicht auch aus, Angebote zu machen wie die Unterstützung beim Lernen der deutschen Sprache und anderes mehr.

Dass sich Zähter und seine Mitstreiter, sieben bis neun an der Zahl, noch einen Lagerraum wünschen, ist beim Blick in die Büros in der Albanusstraße verständlich. Zwar wird der Solidaritätsverein syrischer Kurden von der Stadt Frankfurt finanziell unterstützt und kann so auch die Miete bezahlen, freut sich aber über Hilfe der einen oder anderen Art. Wer dazu mehr wissen will, findet alle Informationen auf der Internetseite des Vereins www.kurdensoli.de. Manfred Becht

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