Was für ein Service: Eva Fischer trägt für ihren Gast Klaus ein leckeres Mittagessen und Kaffee auf.
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Was für ein Service: Eva Fischer trägt für ihren Gast Klaus ein leckeres Mittagessen und Kaffee auf.

Freiwillige Helfer in Frankfurt

Ein Ort, an dem es warm und friedlich ist

  • vonGernot Gottwals
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Die Winterspeisung für Obdachlose zieht eine positive Zwischenbilanz.

Es ist ruhig, entspannt und vor allem trocken. So lässt sich der erste Eindruck beim Blick auf die Winterspeisung der Sankt-Katharinengemeinde im ehemaligen Kaufhaus der Sportarena beschreiben. Während draußen der nasskalte Schmuddelschnee fällt, sitzen die wenigen obdachlosen und bedürftigen Gäste sich in gebührendem Abstand an Biertischen gegenüber, bis die freiwilligen Helfer ihnen das Mittagessen des kirchlichen Martha's finest Catering bringen.

Doch zunächst wartet am Eingang dank Apollo Optik noch eine andere Überraschung. Matthias (48) lässt sich bereits die Sehstärke mit einer Messbrille prüfen, während Dorothea (75) noch wartet, bis sie an der Reihe ist und etwas launisch "über das Kleingedruckte" sinniert, für das man bekanntlich besonders scharfe Augen oder Sehhilfen haben sollte.

80 Brillen gespendet

"Bis vor zehn Jahren ging es noch ganz ohne Brille, doch die Augen machen nicht mehr mit", sagt Matthias. Doch schon nach wenigen Minuten bekommt er die gute Nachricht von Mitarbeiterin Juana Spiller: Schon bald kann er sich die ausgesuchte Brille in hellen Farben abholen, sobald alles richtig eingestellt und nachgeschliffen ist. Möglich macht es eine Brillenspende von Apollo Optik, die sich nach einer Sendung über die Winterspeisung in der Hessenschau meldete: 80 Exemplare, die normalerweise 300 bis 400 Euro kosten würden, werden hier kostenfrei verteilt.

"Denn viele, die zu unserer Winteraktion kommen, haben zwar Probleme mit den Augen, doch keine Brille, die sie tragen können", hat auch Olaf Lewerenz bemerkt, Stadtkirchenpfarrer an Sankt Katharinen. "Die Spende kommt sehr gut an und gerade in der Corona-Krise bekommen wir auch die Rückmeldung vom Gesundheitsamt, wie wichtig unser Angebot ist, damit die Obdachlosen wenigstens ein paar Stunden am Tag im Warmen sind und eine warme Mahlzeit bekommen", freut er sich.

Dafür seien erwartungsgemäß viele ältere Bedürftige, die eine Wohnung haben, der Speisung bislang ferngeblieben. "Denn wer sich im Fall einer Ansteckung zur Risikogruppe zählt, hat natürlich Angst und geht nach Möglichkeit gar nicht mehr raus", so Lewerenz. Dabei haben schon die täglich sechs Sicherheitsleute am Eingang einen Blick darauf, dass nur Gäste Zutritt bekommen, die sich nicht krank fühlen und sich an die Regeln und Sicherheitsbestimmungen halten. Doch nur in ganz wenigen Ausnahmefällen hätte bislang jemand abgewiesen werden müssen.

Im Speiseraum sitzen die Gäste im Abstand von 2,20 Meter an den Tischen, mehr als 50 dürfen sich trotz angepasstem Belüftungssystem zusammen dort nicht aufhalten. "Es gibt wenigstens genügend Platz und keine Betrunkenen", freut sich auch Paul (63), der sich seinen Fisch schmecken lässt.

Jeder Tisch wird desinfiziert

"Wir tun alles, damit es den Leuten gut geht und sie gesund bleiben", betont auch Christine Schwake, zuständig bei der Deutschen Bank für den Einsatz ehrenamtlicher Mitarbeiter beim Social Day. Dazu gehört auch, dass jeder Tisch sofort gereinigt werden muss, bevor sich dort ein neuer Gast hinsetzen darf.

"Zum achten Mal helfe ich hier mit. Dieses Jahr hatte ich wegen Corona zunächst Bedenken, sehe jetzt aber, wie wichtig und sicher es hier ist", sagt auch Florian Dirks von der Deutschen Bank.

Die Abläufe funktionierten in der Sportarena besser als in der Kirche, wo es weniger Platz für alle Beteiligten gäbe. Dirks könnte sich deshalb auch für zukünftige Winteraktionen größere Räumlichkeiten außerhalb der Katharinenkirche vorstellen. "Wir werden jedoch kaum bezahlbare innenstadtnahe Räumlichkeiten finden", gibt Lewerenz zu bedenken. So rechnet er auch in der Sportarena, wo die Miete entfällt, wegen entstehender Nebenkosten mit einer Belastung von insgesamt 50 000 Euro und hofft deshalb noch auf weitere Spenden.

Die Winteraktion in der Sportarena dauert noch bis 31. Januar täglich von 11.30 Uhr bis 17 Uhr, bevor sie vom 1. bis 14. Februar in der Kaffeestube Gutleut von der Hoffnungsgemeinde fortgesetzt wird.

Dort aber wird für 50 Cent Essen zum Mitnehmen angeboten, da die Räumlichkeiten nicht geeignet sind, um die Abstands- und Sicherheitsregeln zum Infektionsschutz zu gewährleisten.

"Dafür bieten wir die Speisen von Martha's Finest in biologisch abbaubaren Behältern an, die Bäckerei Eifler sorgt für eine süße Abrundung der Menüs", sagt Pfarrer Andreas Klein. Und dank der Initiative privater Spender ist auch hier eine Überraschung in Form eines Begrüßungsgeschenks vorgesehen. Gernot Gottwals

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