Da muss sie selbst mal lachen: Elisabeth Lücke mit ihrem Buch "Frankfurt am Main für Besserwisser". Keine Frage: Nach der Lektüre kann man auf mancher Party verblüffen und bestens unterhalten.
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Da muss sie selbst mal lachen: Elisabeth Lücke mit ihrem Buch "Frankfurt am Main für Besserwisser". Keine Frage: Nach der Lektüre kann man auf mancher Party verblüffen und bestens unterhalten.

Merkwürdiges aus Frankfurt

Ein Porno im Kloster und andere skurrile Stadtgeschichten

  • VonBrigitte Degelmann
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Elisabeth Lücke überrascht in ihrem Buch "Frankfurt am Main für Besserwisser" auch Einheimische.

Frankfurt -Pornografie im Kloster? Gibt's nicht, könnte mancher ungläubig ausrufen. Gibt's aber doch - und zwar mitten in Frankfurt, in der Nähe des Römers. Im Kreuzgang des Karmeliterklosters ist nämlich ein Stein zu entdecken, den ein geflügelter Phallus ziert, gestützt von einer knienden Frau. Ein Werk, das laut Experten aus dem dritten Jahrhundert stammen dürfte. Darstellungen wie diese waren im Römischen Reich häufiger an Fassaden zu finden - als Symbol für Glück und Fruchtbarkeit.

"Die Idee finde ich irre"

Solche ungewöhnlichen und skurrilen Details aus Frankfurts Geschichte und Gegenwart liefert das kürzlich erschienene Buch "Frankfurt am Main für Besserwisser", das Elisabeth Lücke (64) verfasst hat, jahrelang Vorsitzende des Vereins der Frankfurter Stadt- und Gästeführer. Zum Beispiel über die astronomische Uhr im zweiten Stock des Goethe-Hauses, die unter anderem zwei kleine Figuren zeigt: einen Bärenführer samt Bären an einer Kette.

Um zu verhindern, dass der komplizierte Zeitmesser zum Stillstand kommt, sorgte sein Schöpfer für ein besonderes Alarmsignal. Einige Stunden vor Ablauf neigt sich der Bär immer weiter auf den Rücken - als Zeichen dafür, dass die Uhr wieder aufgezogen werden muss. Ein anderer Abschnitt des Buches dreht sich um das Hochhaus "OneFortyWest" in Bockenheim, dem 2014 der einstige AfE-Turm weichen musste. Der Neubau, der etliche luxuriöse Wohnung beherbergt, verfügt nicht nur über einen wohltemperierten Weinkeller, sondern sogar über eine Hundewaschanlage - damit Fifi nach der Morgenrunde nicht mit schmutzigen Pfötchen ins schicke Apartment trippelt. Eine Tatsache, die Elisabeth Lücke immer noch zum Lachen bringt: "Die Idee finde ich irre."

Gästeführerin mit Startschwierigkeiten

Dass sie Frankfurts Facetten sehr viel besser als die meisten Einwohner kennt, hängt mit ihrer Arbeit als Stadtführerin zusammen. Eine Arbeit, zu der die diplomierte Übersetzerin, die aus Osnabrück stammt, eher zufällig kam. Nach dem Studium in Heidelberg sowie mehreren Jahren in Hamburg und Kiel war sie 1987 nach Eschborn gezogen - mit ihrem damaligen Mann, der eine Stelle in Frankfurt gefunden hatte. Nach der Familienpause - das Paar hat zwei Söhne - wollte sie Mitte der 1990er Jahre wieder in ihren Beruf einsteigen, fand allerdings keine Stelle, die ihr gefiel. Irgendwann unterhielt sie sich mit einem Freund, der in der Nähe des Frankfurter Römers wohnte und dort täglich die Touristengruppen vorbeispazieren sah. "Gästeführerin - das wäre doch was für dich", schlug er ihr vor.

Erst ist Elisabeth Lücke skeptisch. Sie als Lotsin durch die Mainmetropole für Touristen aus aller Welt? Doch dann versucht sie es, absolviert die Ausbildung und entdeckt schnell, dass ihr die Tätigkeit liegt. Obwohl ihre erste Tour eher ernüchternd endet. Mit indischen Touristen, die gerade angekommen sind, fährt sie da per Bus durch Frankfurt. Aufgeregt wie sie ist, redet sie fast pausenlos. Bis sie sich irgendwann umdreht und erschrocken feststellt, dass sämtliche Passagiere selig in ihren Sitzen schlummern. "Sie hatten schließlich einen Langstreckenflug hinter sich", erinnert sie sich lachend.

Schnell bekommt sie jedoch Routine und merkt, dass wenig bringt, die Touristen mit historischen Daten und Fakten zu überschütten: "Die Jahreszahlen behält kein Mensch." Viel wichtiger seien Anekdoten, lustige, traurige oder auch skurrile Details aus der Stadtgeschichte. "Mit solchen kleinen Geschichten hält man die Leute bei der Stange", sagt sie. Zum Beispiel mit der Tatsache, dass im alten Frankfurt einst am 1. Mai Mädchen "versteigert" wurden - an junge Männer. Hatte ein Bursche den Zuschlag erhalten, durfte seine Auserwählte das ganze nächste Jahr nur mit ihm tanzen.

Irgendwann kam ein Verlag auf sie zu

2007 kam schließlich der Erfurter Sutton-Verlag auf sie zu. Ob sie sich vorstellen könne, ein Buch unter dem Titel "Frankfurter Stadtrundgänge" zu schreiben? Sie konnte, und schon ein Jahr später erschien ihr Werk. Zwei weitere Bücher mit Stadtrundgängen aus ihrer Feder haben sich mittlerweile dazu gesellt, ebenso "Frankfurter Genussgeschichten", "Frankfurts dunkle Seite - spektakuläre Kriminalfälle" und nun eben das Besserwisser-Buch. Zu letzterem wird es in absehbarer Zeit wohl die passende Stadtführung geben - natürlich unter der Leitung von Elisabeth Lücke. Gut möglich, dass die Touristen dann auch jenen pornografischen Stein im Karmeliterkloster zu sehen bekommen.

Das Buch

"Frankfurt am Main für Besserwisser" von Elisabeth Lücke hat 144 Seiten, ist im Sutton-Verlag erschienen und kostet 13,99 Euro. Mehr über die Gästeführerin im Internet unter www.elisabeth-luecke.de.

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