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Ein Stück wilde Natur für die Schneidhainer Straße

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Von: Gernot Gottwals

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Monika Berger (rechts) und Stadtrat Mike Josef eröffnen den neu gestalteten Naturerfahrungsraum in der Schneidhainer Straße. Dort gedeihen viele Pflanzen. Die Grünfläche bietet auch Insekten einen Lebensraum.
Monika Berger (rechts) und Stadtrat Mike Josef eröffnen den neu gestalteten Naturerfahrungsraum in der Schneidhainer Straße. Dort gedeihen viele Pflanzen. Die Grünfläche bietet auch Insekten einen Lebensraum. © N.N.

Neu angelegter Naturerfahrungsraum eingeweiht

Ein Stück Natur hat im südlichen Abschnitt der Schneidhainer Straße vor dem Mehrgenerationenhaus Einzug gehalten. Daher wird am Eingangstor darüber informiert, dass man in diesem neuen Erfahrungsraum auch mit Stock und Stein zu rechnen hat:„Er erfüllt keine DIN-Normen, sondern ist der Natur nachempfunden und birgt somit auch die Gefahren der Natur“, ist auf der Erläuterung zu lesen.

Zum gestrigen 7. Hessischen Tag der Nachhaltigkeit unter dem Motto „Nachhaltig. Bunt. Lebenswert. Aktiv Hessen gestalten.“ wurde der natürliche Erfahrungsraum mit Steinbruch, Wildblumensaum und Picknickwiese von Planungsdezernent Mike Josef (SPD) und der Referatsleiterin für Nachhaltigkeitsstrategie Monika Berger in Vertretung für die erkrankte hessische Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) eingeweiht. Wozu auch die Kinder der Musik-Kita im Mehrgenerationenhaus ein Liedchen von den besonderen Gewächsen im Blumengarten anstimmten.

„Hier wurde nicht nur ein wichtiger Baustein für die Nachhaltigkeit geschaffen, sondern auch Begegnungs- und Lernort, der für die Menschen ein Stück Heimat schafft“, betonte Berger. „Dieser Grünstreifen in der Schneidhainer Straße ist besonders wichtig für die Bildungsarbeit für bildungsferne Familien“, ergänzte Josef und lobte die Arbeit im Mehrgenerationenhaus: „Wir werden uns dafür einsetzen, dass diese Einrichtung nicht durch lukrative Bodenwerte der hiesigen Grundstücke verdrängt wird.“

Denn passend zum Anlass gab es im Umfeld des Mehrgenerationenhauses die Gelegenheit, sich an weiteren Nachhaltigkeitsprojekten zu beteiligen: So befreiten Kinder der Musik-Kita mit Mitarbeitern der Deutschen Bank und Linklaters die umliegenden Straßen und Grünflächen von Müll. Auch im Gallus Garten wurde Abfall gesammelt, Insektennisthilfen wurden kontrolliert und ausgebessert, Blumenbeete an den Eingängen bepflanzt.

Zargoona Ghaussy, Schneiderin und Kursleiterin im Mehrgenerationenhaus, zeigte fünf interessierten Teilnehmerinnen, wie man aus alten Jeans, Lederjacken und T-Shirts mit Schnittmustern und Nähmaschine Umhängetaschen für Flaschen zaubert. Weitere Freiwillige verpackten Fläschchen mit selbstgemischtem Kräutersalz, Deutschlehrer Thomas Kurze sammelte mit dem Mikrofon in einer „Nachhal(l)tigkeitsbox“ langfristige Anregungen für eine umweltbewusste Zukunft.

Burghügel mit Ausblick

Einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leistet auch der zur Frankenallee gelegene Naturerfahrungsraum, da er die Biodiversität fördert und Kinder, die dort ohne vorgefertigte Konzepte spielen, dazu anregt, sich mit dieser „wilden“ naturnah gestalteten Grünfläche auseinanderzusetzen und ein entsprechendes Bewusstsein zu entwickeln. „Entstanden ist ein Relief mit ebener Fläche, Kuhle und Hügel“, erläuterte die Naturgartengestalterin Sabine Kohlstadt. Ein Aushub verwandelte sich in einen „Burghügel“ mit Ausguck, der die Fantasie anregen soll.

Bei der Bepflanzung wurde auf heimische Gewächse wie Rainfarn, Goldrute, Brenn- und Taubnessel gesetzt. „Denn diese Pflanzen liefern die für die heimischen Insekten wichtigen Pollen“, betonte Kohlstadt. Und Kinder lernen spielerisch, dass die Taubnessel aromatische Blüten hat und die Brennnessel schmerzlichen Juckreiz verursachen kann.

„Der Naturerfahrungsraum bietet für alle Altersgruppen interessante Erfahrungen, besonders aber für Kindergartenkinder, da hier die Entdeckungsfreude besonders ausgeprägt ist“, meinte Jessica Wiegand, Nachhaltigkeitsbeauftragte im Mehrgenerationenhaus. Daher war es auch wichtig, auf Sicherheit zu achten: Die Kuhle etwa wurde so ausgehoben, dass sie sich nicht mit reichlich Regenwasser füllen und sehr kleine Kinder in Gefahr bringen kann.

Trotzdem, so Wiegand und Kohlstadt, sollten kleine Kinder durch ihre pädagogischen Gruppen oder sonstige verantwortungsvolle Erwachsene betreut werden, um Verletzungen mit Stock und Stein zu vermeiden. „Auch das gehört zur wilden Natur, aber hier gibt es natürlich keine giftigen Pflanzen“, betonte Kohlstadt.

Gernot Gottwals

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