Bei der Podiumsdiskussion in der Nuur-Moschee ging es auch um islamischen Religionsunterricht. FOTO: Rainer Rüffer
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Bei der Podiumsdiskussion in der Nuur-Moschee ging es auch um islamischen Religionsunterricht.

Tag der offenen Tür

Ein Tag der Verständigung in der Moschee

Frankfurter Moscheen öffnen ihre Türen - durch die Pandemie nur mit abgespecktem Programm.

Frankfurt - Fünfmal am Tag soll der gläubige Muslim beten. Doch auch in der Nuur-Moschee der Frankfurter Ahmadiyya-Gemeinde (Ahmadiyya Muslim Jamaat) geschieht dies pandemiebedingt nur auf Abstand: Rund 20 Gläubige knien sich zum Gebetsruf "Allahu akbar!" (Gott ist groß!) nieder, sonst sind es mindestens doppelt so viele. Die Markierungen am Boden sind gut erkennbar, ebenso die Ausstellungstafeln der Ahmadiyya und der Blick auf den Berliner Dom auf der Videoleinwand: Denn der Tag der Offenen Moschee wird am Tag der Deutschen Einheit gefeiert.

Einige Gäste verfolgen das Ritual mit Interesse, andere sprechen im Zelt vor der Moschee mit Vertretern der Gemeinde oder lassen sich durch das Nachbargebäude mit Gebetsraum für Frauen und integriertem Frauenhaus führen: Insgesamt finden rund 100 Besucher den Weg in die Nuur-Moschee, die 1959 als drittälteste Moschee in Deutschland errichtet wurde und derzeit für rund 2500 Mitglieder saniert wird.

In ihrer 15-teiligen Text- und Bildausstellung "Eine Reise durch die islamische Zeit" informiert die Gemeinde über die Entstehung und die fünf Säulen des Islam - hierzu gehören auch der Fastenmonat Ramadan und die Pilgerfahrt nach Mekka - und über die Gründung der Ahmadiyya-Bewegung 1889 durch Mirza Ghulam Ahmad, der nach dem Glauben seiner Anhänger als Prophet und Messias in der Nachfolge Mohammeds steht.

"25 Jahre Tag der Offenen Moschee-Moscheen gestern und heute" lautet das diesjährige Motto. "Die Moscheegemeinden bekennen sich zu Deutschland und setzen sich dabei auch kritisch mit der Geschichte des Landes auseinander", sagt Noman Nazir von Muslim TV in Deutschland.

Der Tag der Deutschen Einheit wurde für den Tag der Offenen Moschee bewusst gewählt, um das Ziel einer religionsübergreifenden Verständigung im wiedervereinigten deutschen Staat zu fördern. In Frankfurt gibt es rund 40 Moschegemeinden mit 1000 Gläubigen. In Folge der Pandemie ist das Programm ausgedünnt: "Wir wollten mindestens zwei Moscheen aufsuchen. Im Internet konnten wir nicht viele Informationen finden und haben uns bei der Abu Bakr Moschee in Hausen erkundigt, aber dort findet nichts statt", berichten zwei Besucher. Leila nutzt den Tag erstmals zum Moscheebesuch, um sich über den Islam zu informieren: "Ich habe einen muslimischen Vater und eine jüdische Großmutter, aber ich habe mich von den Religionen entfernt", bekennt sie. Fremd seien ihr die einfach und dogmatisch formulierten Lehrsätze auf schwierige Fragen, auf die sie lieber selbst nach Antworten suche. "Ich bin dabei spirituell, mir steht aber eher der Buddhismus als Lebensphilosophie nahe", erklärt sie.

"Die Stadt Frankfurt ist als weltoffene Stadt für viele Religionen privilegiert, doch es entfernen sich auch einige Menschen von ihrer Religion, weil sie enttäuscht sind und nicht die erhofften Antworten finden", stellt Imtiaz Ahmad Shareen, Iman der Ahmadiyya-Gemeinde, in der Podiumsdiskussion fest. Anders als bei evangelischen und katholischen Christen sei es im Islam bislang schwer, zuverlässige Daten über die Zahl der Gläubigen zu erheben. "Man orientiert sich dafür am Herkunftsland der Menschen mit Migrationshintergrund, aber das ist zu ungenau", kritisiert Turgut Yüksel, Integrationspolitischer Sprecher der SPD in Hessen. "Wenn man Moscheen nur in abgelegenen Gewerbegebieten plant, dann ist ein Dialog auf Augenhöhe schwierig", sagt der ehemalige Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler (CDU).

Wichtig sei die Beplanung neuer Wohngebiete nicht nur mit Kirchen, sondern allgemein mit religiösen Gebäuden. Auch wenn dies wegen vieler externer Besucher zu Verkehrsengpässen führen könne, wie der Kämmerer Bastian Bergerhoff (Grüne) anmerkt. Siegler bekennt sich auch klar zum islamischen Religionsunterricht: "Allerdings müssen die zugehörigen Lehrbücher auch mit unseren demokratischen Werten vereinbar sein." got

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