Julia Sieler (30) ist die einzige weibliche Concierge in Hessen. Mit Stolz trägt sie die goldenen Schlüssel am Revers, an denen der Hotelgast im Steigenberger Frankfurter Hof erkennt, dass sie die Frau für besondere Fragestellungen ist. FOTO: Michelle Spillner
+
Julia Sieler (30) ist die einzige weibliche Concierge in Hessen. Mit Stolz trägt sie die goldenen Schlüssel am Revers, an denen der Hotelgast im Steigenberger Frankfurter Hof erkennt, dass sie die Frau für besondere Fragestellungen ist.

Porträt

Ein Tag im Leben der einzigen weiblichen Concierge Hessens

  • VonMichelle Spillner
    schließen

Julia Sieler ist die einzige weibliche Concierge in Hessen. Was auch immer die Gäste im Steigenberger Frankfurter Hof wünschen - solange es legal ist, macht die 30-Jährige es möglich.

Frankfurt -Sich zu kümmern liegt dem Klischee nach eher in der Natur der Frauen. Und so ist es eigentlich recht verwunderlich, dass es so wenige weibliche Concierges gibt. Julia Sieler (30) im Fünf-Sterne-Hotel Steigenberger Frankfurter Hof ist die einzige weibliche Concierge in Hessen. Am 1. Dezember hat sie ihren Dienst in der Luxus-Herberge angetreten und trägt seither mit Stolz links und rechts am Revers ihres eleganten, dunklen Kostüms die Anstecknadel der beiden gekreuzten goldenen Schlüssel: Les Clefs d'Or, gesprochen etwa "lee clee door". Der Begriff aus dem französischen Sprachbereich heißt wörtlich übersetzt "Die Schlüssel aus Gold". Sie sind die Insignien des Berufsverbandes der Hotelportiers. Das Symbol ist mit edlen Werten verbunden: Respekt, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Vertrauen, Engagement - alles zum Zwecke der Gästebindung unter dem Leitsatz "Es gibt kein Nein", wie es die Vereinigung der Hotelportiers Deutschland formuliert. Die goldenen Schlüssel sind "the key of everything", der Türen öffnet, die sich sonst nicht öffnen würden. Sie zu tragen, ist der Position des Concierge vorbehalten.

Julia Sieler macht in Frankfurt Unmögliches möglich

Für Julia Sieler ist jeder Arbeitstag als Concierge eine schöne Herausforderung. Sie ist die Ansprechpartnerin der Gäste, ihre Aufgabe ist es, Wünsche zu erfüllen, Herausforderungen zu meistern, Probleme zu lösen, auf den ersten Blick Unmögliches möglich zu machen und insgesamt dafür zu sorgen, dass der Aufenthalt der Gäste so angenehm und unbeschwert wie möglich ist.

Ein Gast hat seine Brille verloren - die Concierge besorgt eine neue. Die Reisepläne ändern sich - die Concierge plant und bucht die neue Reise und die Limousine. Es fehlen noch Weihnachtsgeschenke für die Familie - die Concierge besorgt sie. Für einen Heiratsantrag wird nicht nur ein lauschiges Restaurant gesucht, sondern auch der Verlobungsring. Julia Sieler kennt die besten Adressen der Stadt, den perfekten Ort für das Ja-Wort und geht vorher noch zum Juwelier, um den Ring auszuwählen und zu kaufen. Karten für ein ausverkauftes Fußballspiel? Kein Problem. "Wissen Sie, wo es die am besten ausgebildeten Schäferhunde gibt?" Klar, auch das kann Julia Sieler beantworten. Um solche Fragestellungen zu meistern, greift sie auf ihren eigenen Erfahrungsschatz und ihr Netzwerk zurück.

Nach Feierabend erkundet sie Frankfurt auf der Suche nach dem Besten

"Es ist eine Berufung, die nach Dienstschluss nicht aufhört. Man muss sich ja weiterbilden. Gerade in so einer dynamischen Stadt wie Frankfurt, wo sich ständig etwas entwickelt, es ständig neue Restaurants gibt - und es gibt sehr gute Restaurants hier -, wo sich ständig etwas tut in Galerien und Museen. Da muss man immer wissen, was es wo gibt und wie es ist", verdeutlicht Hotelmanager Friedrich von Schoenfeldt.

Wenn Julia Sieler das Kostüm abgelegt hat, macht sie sich in Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet auf den Weg, um Orte und Angebote zu finden, die sie ihren Gästen empfehlen möchte. Dafür muss sie auch Spaß am Ausgehen haben, auch mal selbst eine Seifenkistentour mitmachen, ins Museum gehen, in Clubs, Palmengarten, Natur und Taunus. Empfohlen wird nur, was sie selbst ausprobiert und für exzellent befunden hat. Ihre Recherchen lassen sie Dinge entdecken, die in keinem Reiseführer stehen: das kleine italienische Restaurant in einer Gasse oder besondere, handgemachte Produkte abseits des Mainstreams, die man nicht googeln kann.

Weltweit kann sie für ihre Arbeit außerdem auf ihre Kollegen im Berufsverband der Hotelportiers zurückgreifen, in dem rund 4500 Concierges vernetzt sind. Wer also in Frankfurt vor der Abreise nach Australien steht, kann sich am Zielort schon über Julia Sieler das Candlelight-Dinner am nächsten Abend organisieren und buchen lassen. Eine gute Concierge habe auch immer ein Ass im Ärmel, so der Hotelmanager. Kein Arbeitstag ist wie der andere. "Es macht mir Freude, die Gäste glücklich zu machen und ihnen ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern", sagt Sieler. Der Beruf der Concierge vereint viele unterschiedliche Berufe und Fähigkeiten in sich: Reiseveranstalter, Eventmanager, Wedding Planer, Personal Shopper, Chauffeur, Paketbote, Urlaubsplaner, Ideenbringer, guter Zuhörer sein...

Die wichtigste Tugend: Diskretion

Um Concierge zu werden, muss man mindestens fünf Jahre in der Hotellerie und zwei Jahre in der Concierge-Loge gearbeitet haben und für diese Position auch noch vorgeschlagen werden. Vorteilhaft dafür: Empathie und Menschenkenntnis. "Das Gegenüber lesen zu können, sich hineinzuspüren, was der Gast braucht", so Sieler, und ihm bestenfalls vielleicht sogar einen Vorschlag machen können, noch bevor er gefragt hat, so dass der Gast sich verstanden und abgeholt fühlt. "Man macht alles möglich, solange es legal ist", fasst sie zusammen. Und es gibt noch eine Qualität, die eine Concierge unbedingt zu erfüllen hat: Diskretion! Deshalb gibt es hier auch keine weiteren Details.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare