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Ein Therapeut auf vier Pfoten: Hund Ari hilft im Krankenhaus

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Von: Judith Dietermann

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Das Leckerchen fest im Blick: Gabriele Ermentraut zeigt Ari, in welcher Schachtel sich seine Belohnung versteckt. Er wartet brav, bis er sie endlich öffnen darf. FOTO: leonhard hamerski
Das Leckerchen fest im Blick: Gabriele Ermentraut zeigt Ari, in welcher Schachtel sich seine Belohnung versteckt. Er wartet brav, bis er sie endlich öffnen darf. © Hamerski

Mischling Ari motiviert Patienten im Markus-Krankenhaus. Dabei hilft er bei Therapien und schenkt Erkrankten Hoffnung.

Frankfurt – Ruhig sitzt Ari auf einem kleinen grauen Teppich im Gruppenraum des Markus-Krankenhauses. Konzentriert blickt der achtjährige Mischling auf vier gelb-rote Boxen. Bis Gabriele Ermentraut ihm zeigt, dass er loslegen darf. Gekonnt öffnet Ari mit seiner Schnauze die kleine gelbe Klappe, geschickt fischt er mit der Zunge das Leckerli heraus. Binnen weniger Minuten hat er auch die anderen drei Boxen geöffnet.

Obwohl Ari diese Aufgabe schon unzählige Male mit Bravour gemeistert hat, so ist es für ihn doch jedes Mal eine neue Herausforderung. Ebenso für die Patienten im Markus-Krankenhaus, mit denen der schwarze Mischling arbeitet. Seit mittlerweile sechs Jahren ist Ari dort als Therapiebegleithund "angestellt". In der Geriatrie, auf der Palliativstation und in der Psychiatrie wird er eingesetzt.

Therapiebegleithung in Frankfurt: Erst die Arbeit, dann die Entspannung

Eine Stunde pro Tag an fünf Tagen in der Woche ist Ari im Einsatz. Wenn Physiotherapeutin Ermentraut weiterarbeitet, wartet der einzige vierbeinige Angestellte der Klinik im Büro. Dort hat er Ruhe und kann entspannen. Denn die Arbeit ist anstrengend. Sowohl das Gehorchen als auch die vielen Gerüche, die der Hund wahrnimmt.

Es sind feinmotorische Fähigkeiten, die ältere Patienten mit Aris Hilfe verbessern können. So ist es gar nicht so leicht, ein Leckerli in eine der kleinen Boxen zu legen, sagt Ermentraut. Ebenso wie in die kleine runde Öffnung des Kabelkanals, der zu einem Leckerchenrohr umfunktioniert wurde. Auf einer Seite kommt eine Belohnung für Ari hinein, dann muss das Rohr gedreht werden, bis das Leckerchen am anderen Ende wieder herausfällt, erklärt die Physiotherapeutin. "Ari kann sicher keine Wunder bewirken, aber er hilft mir dabei, die Patienten zu motivieren und aktivieren. Wenn ich mit ihm auf eine Station komme, sind die Augen groß. Viele wollen ihn streicheln, die Stimmung ist eine andere, motivierter", erklärt sie.

Ari kommt aus Griechenland, dort wurde Gabriele Ermentraut fündig, nachdem die Suche nach einem geeigneten Hund in den Frankfurter Tierheimen erfolglos blieb. Über Kontakte fand sie den jungen Mischling und holte ihn nach Deutschland. Wo das Team zunächst eine Prüfung ablegen musste. Nachdem die Geschäftsführung des Markus-Krankenhauses ihren Plan unterstützte. Wofür Ermentraut bis heute "unglaublich dankbar" ist.

„Krankenhausangestellter“ Ari unterstützt bei Einzel- und Gruppentherapie

"Seine Patienten" suche Ari sich oft selber aus. Zwar gebe es auch Vorschläge von den Ärzten, oft zeige aber der Besuch auf Station, wer Lust hat, mit ihm zu arbeiten. Einzeln oder in Gruppen, rund 30 Minuten dauere solch eine Sitzung. In denen Ari stets sein Geschirr trage, weil er dann wisse, dass gearbeitet und nicht gespielt werde. Dazu habe er in den Pausen und nach Feierabend ausreichend Zeit, meist geht es dann auf das Buga-Gelände. "Dort kann Ari sich ordentlich austoben, er rennt allem nach, was hoppelt und läuft, denn ein wenig Jagdhund steckt auch in ihm", sagt Ermentraut.

Seine ruhige Seite zeige er dann bei Besuchen auf der Palliativstation, wo Ari sogar auf den Betten liegen darf. Bei einem 30-jährigen Mann, der sich kaum noch bewegen konnte, habe er sehr viel Zeit verbracht. "Er hat die Nähe des Patienten Tag für Tag gesucht, ich konnte ihn dort lassen. Das war unglaublich schön zu sehen und eines der Erlebnisse, die mir besonders im Gedächtnis geblieben sind", sagt die Physiotherapeutin.

Frankfurt: Aris „Mitarbeiterin“ hat bereits Pläne für die Zukunft

Momente, die sie nicht missen möchte. Wie lange Ari noch im Krankenhaus eingesetzt werden kann, könne man schwer sagen. Für die Zeit, wenn er in Rente ist, hat Ermentraut aber bereits einen anderen tierischen Plan. "Ich träume von zwei Alpakas, die auch für therapeutische Zwecke eingesetzt werden können. Da muss ich bei der Geschäftsführung wohl mehr Überzeugungsarbeit leisten als bei Ari", sagt sie. (Judith Dietermann)

Ebenfalls ein „Hund mit Beruf“ ist der Drogenspürhund Harro. Am Flughafen Frankfurt macht der Vierbeine große Entdeckungen, vor kurzem erschnüffelte er Drogen im Wert von einer halben Millionen Euro.

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