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Doris Mollath-Zündorf und Stefanie Then haben schon den ersten Schmuck im Weihnachtsbaum aufgehängt. foto: enrico sauda

Niederrad: Adventsschmuck

Ein Weihnachtsbaum, den jeder schmücken kann

  • vonSabine Schramek
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SPD verschönert den Bruchfeldplatz

Schon dicht im Netz verpackt und auf dem Boden liegend ist klar, dass es ein wunderschöner Weihnachtsbaum für den Bruchfeldplatz wird. Dass er nach dem Aufstellen auch noch einen Namen erhält, wussten die Stadtbezirksvorsteherinnen Doris Mollath-Zündorf und Stefanie Then (beide SPD) in diesem Moment noch nicht.

Pünktlich am Samstagmittag liegt das Prachtstück vor dem Eingang zum Spielplatz. Gegenüber ist Markt, an einer Bank im Park stehen vier Erwachsene mit Gläsern und einer Weinflasche und prosten sich zu, während sie neugierig zusehen, was sich am Eingang tut. "Im Oktober hatte Susanne Friedrich von der Nachbarschaftsgruppe die Idee, den Advent zu Corona-Zeiten für die Nachbarn ein bisschen schöner zu machen und ihnen eine Freude zu machen", erzählt Then. "Wir fanden die Idee, einen Weihnachtsbaum für alle auf dem Bruchfeldplatz aufzustellen, so wunderschön, dass wir sie sofort aufgegriffen haben."

Then und Mollath-Zündorf vom SPD-Ortsverein haben sich mit der Stadt und dem Grünflächenamt in Verbindung gesetzt. "Zuerst waren wir nicht sicher, ob das klappt, weil es ja einen städtischen Weihnachtsbaum in der Triftstraße gibt", so Then. "Die Bedenken waren unnötig. Alle fanden die Idee prima, und das Grünflächenamt hat uns sogar völlig unbürokratisch den Ständer besorgt und eingegraben." Vor dem Metallrohr, das tief in die Erde reicht, knien die zwei Frauen auf der kalten Erde, um den Deckel mit Zange und Schraubenschlüssel zu lösen. Es klemmt ein bisschen, aber nach einer Weile ist der Metalldeckel weg, und das tiefe Loch wird sichtbar.

Die Frauenpower hebt den schweren vier Meter hohen Baum an und versucht, den Stamm in das Loch zu bekommen. Er will einfach nicht reinpassen. Then greift sofort zum Telefon und holt Hilfe. "Wir haben den Baum bei Blumen-Tugba an der alten Rennbahn gekauft, weil wir natürlich den lokalen Handel unterstützen wollen", meint sie lachend. "Der hat bei der Anlieferung nicht nur einen guten Preis gemacht, sondern auch gleich gesagt, dass er uns hilft, falls es eng wird."

Warten auf den "Mann mit der Axt"

Während Mollath-Zündorf noch Verlängerungskabel für die Beleuchtung holt und rote Christbaumkugeln auf dem Fahrrad transportiert, wartet Then auf den "Mann mit der Axt". Es dauert nicht lange, bis Timor, der Sohn von Tugba, mit einer nagelneuen Axt auf den Platz kommt und das Problem sieht. "Der Stamm ist etwas zu dick", sagt er und macht sich abwechselnd mit einem Fotografen an die Arbeit, dass die Späne fliegen. Rundum hacken sie Rinde ab und ein Stück vom Holz, bis Timor am Finger blutend um ein Taschentuch bittet. "Das war ein Holzsplitter", sagt er fast entschuldigend, als ihm Then den Finger desinfiziert und Mollath-Zündorf ein Pflaster aufklebt.

Endlich passt der Baum und steht kerzengerade in seinem Ständer. Allerdings noch im Netz. Vier Meter hoch und ohne Leiter. Mit einem Taschenmesser wird das Netz gelöst, bis es nicht mehr weitergeht. Die Frauen geben nicht auf. Mit Besen und Harke bewaffnet schieben sie das Netz über die Zweige und Nadeln, bis es am Ende runtergezogen werden kann. Kurz davor sieht es aus wie Engelshaar auf der Christbaumspitze. Alle lachen und haben kalte Finger. Aber es klappt, und der Baum entfaltet seine ganze Schönheit mit breiten Ästen bis zum Boden und vollen Zweigen bis kurz unter die Spitze.

"Er ist schöner als Bertl auf dem Römerberg", stellen sie kichernd fest und fangen an, rote Kugeln aufzuhängen. "Als Anreiz für alle", so Then. "Jeder, der mag, kann sich daran beteiligen, damit wir für die Niederräder den schönsten Weihnachtsbaum aller Zeiten haben."

Kinder und Erwachsene dürfen ab sofort ihren "Timor" weiter schmücken und sich somit Träume erfüllen. Dass der Baum "Timor" getauft wurde, sei "Ehrensache". Er hat ihn passend gemacht und sich dabei in den Finger geschnitten. Sabine Schramek

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