Auf der Brücke gibt es nur den Bach - und Thomas Metzmacher. Seit mehr als 25 Jahren ist der 50-Jährige schon Wirt des "Lahmen Esels" in Niederursel. Die Brücke ist Teil des Mühlenwanderwegs und der Lieblingsort des gebürtigen Sauerländers.
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Auf der Brücke gibt es nur den Bach - und Thomas Metzmacher. Seit mehr als 25 Jahren ist der 50-Jährige schon Wirt des "Lahmen Esels" in Niederursel. Die Brücke ist Teil des Mühlenwanderwegs und der Lieblingsort des gebürtigen Sauerländers.

Lieblingsort

Eine Brücke zum Verweilen

Sechs Wochen Sommerferien, das sind 42 Tage, die viele Frankfurter - wegen Corona - zu Hause verbringen werden. Als Inspiration für Daheimgebliebene stellt die Redaktion täglich ihre Lieblingsorte vor. Heute geht's auf den Mühlenwanderweg am Urselbach.

Niederursel -Es gibt sie immer mal wieder diese Momente, in denen Thomas Metzmacher, Apfelweinwirt aus Leidenschaft, raus muss. Raus aus seinem "Lahmen Esel" im Krautgartenweg und rein in die Natur. Fast schon heimlich schleicht er sich dann aus dem Lokal. Das kriegt keiner mit, sagt er und lacht verschmitzt. Wohlwissend, dass der Betrieb dank seiner langjährigen Mitarbeiter auch einige Minuten ohne ihn läuft. Denn viel länger braucht Metzmacher nicht, um den Ort zu erreichen, an dem er "binnen Sekunden" herunterkommt, wie er es beschreibt. An einem Ort, an dem keine Hektik herrscht, sondern himmlische Ruhe. Dort, wo es nur den Menschen und nicht den Wirt Metzmacher gibt, zusammen mit Vogelgezwitscher und dem Plätschern des Urselbachs.

Es ist die kleine Brücke über den Bach, vielleicht 200 Meter von seiner Apfelweinwirtschaft entfernt, an der man Thomas Metzmacher trifft, wenn er Ruhe sucht. Das ist sein Lieblingsort in Frankfurt. "Es gibt hier nur mich und den Bach. Und der will nichts von mir, das tut gut", sagt der 50-Jährige, seit mehr als 25 Jahren schon Wirt des Esels in Niederursel.

Die Brücke auf der Thomas Metzmacher steht ist Teil des Mühlenwanderwegs - 13,6 Kilometer lang, von Oberursel bis zur Mündung in die Nidda am Freibad Eschersheim führt er. Vorbei an insgesamt 42 Mühlen, die dort einst standen. 22 von ihnen gibt es nicht mehr, 20 werden mittlerweile anderweitig genutzt. In Niederursel sind das die Krebs-, die Papier-, die Schilas- sowie die Ober- und Untermühle. Verlaufen kann man sich nur schwer, ein Symbol weist den Wanderern den Weg. Dieses zeigt, wie könnte es auch anders sein, ein Mühlenrad. Natürlich.

"Das hier ist ein wenig verwittert", sagt Metzmacher und kratzt das Symbol am Brückengeländer frei. Nur erahnen kann man darauf das sich drehende Rad. So gut, wie er sich mit dem Mühlenwanderweg auskennt, mag man vermuten, dass Metzmacher diesen schon mehrfach gelaufen ist. Ist er aber nicht. "Ich habe einfach keine Zeit", sagt der gebürtige Sauerländer, dem das Wandern quasi mit in die Wiege gelegt wurde. Denn plattes Land sucht man in seiner Heimat vergeblich, ständig geht es dort auf und ab.

Umso trauriger findet Metzmacher, dass er den Weg bislang noch nicht gehen konnte. Auch, weil er fast direkt vor seiner Haustür liegt. Denn der Apfelweinwirt wohnt auf dem Riedberg, nur einen Steinwurf vom idyllischen Niederursel entfernt. Doch atmosphärisch liegen zwischen den beiden Stadtteilen Welten, sagt Metzmacher. Der Riedberg sei eine Schlafstadt, abends würden dort die sprichwörtlichen Bürgersteige hochgeklappt. Der berühmte Bär steppe dort sicher nicht.

Umso mehr genießt er das Leben in seinem zweiten Zuhause - dem "Lahmen Esel". Auch wenn die vergangenen Wochen, seit Beginn der Corona-Krise "echt hart" waren für Thomas Metzmacher und sein Team. Schnell war ihm klar, welche Einbußen die Einschränkungen für ihn bedeuten, ebenso fix reagierte er. Er eröffnete einen Drive-in-Schalter, die grüne Soße und das Schnitzel rutschten über ein Brett zu den Abholern ins Auto. "Das hat alles viel Kraft gekostet und es läuft immer noch nicht ganz rund", sagt Metzmacher, während er sich auf das Brückengeländer lehnt und tief durchatmet. Ohne solche Momente, sagt er, wäre es ihm vielleicht noch schwerer gefallen.

Im Gastraum hängen Plastikplanen zwischen den Plätzen. Mit der urigen Gemütlichkeit einer Apfelweinwirtschaft, habe das nicht mehr viel zu tun, sagt Metzmacher, der aber während der Corona-Krise aber stets auf seine Stammkunden zählen konnte. Und die können zumindest wieder in den Biergarten ausweichen. Ein bisschen Normalität, sagt Metzmacher, wenn auch eine andere.

Ans Aufgeben habe er trotz der anstrengenden Wochen allerdings nie gedacht, viel zu sehr brennt er für seinen Beruf. Damit er aber nicht ausbrennt, nimmt er sich diese paar Minuten Zeit am Tag. Diese paar Minuten, in denen er nur für sich sein kann. Auf einem kleinen Stück des Mühlenwanderweges am Urselbach. judith dietermann

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