Frankfurt am Main, 15.08.2016, Stadtteil Nordend, Eckenheimer Landstrasse, Neubau der U-5 Stationen. Hier: Baustelle zwischen Glauburgstrasse und Eschenheimer Anlage. Hier: Bau der erhöhten neuen U5-Bahnsteigen.
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Frankfurt am Main, 15.08.2016, Stadtteil Nordend, Eckenheimer Landstrasse, Neubau der U-5 Stationen. Hier: Baustelle zwischen Glauburgstrasse und Eschenheimer Anlage. Hier: Bau der erhöhten neuen U5-Bahnsteigen.

Verlängerte Bauzeit in der Eckenheimer Landstraße

Wie eine Frankfurter U-Bahnbaustelle zum Problem für Blinde wird

Hiobsbotschaften gestern in der FNP für die Anwohner und Geschäftsleute im Nordend: Die U-Bahn-Baustelle in der Eckenheimer Landstraße verlängert sich um sechs Wochen. Viele, die während der Bauzeit extra Urlaub machen, werden überrascht sein, wenn sie zurück sind. Und der Rest? Der improvisiert.

Aspirin & Co. gibt’s dank Baustellen-Service der Kepler-Apotheke per Lieferung frei Haus, Rosemary Schlau schmückt den Bauzaun mit Blumen und der Pizzabäcker der Pizzeria Peppe macht gleich vier Wochen Urlaub. Improvisation ist angesagt bei den Geschäftsleuten der Eckenheimer Landstraße. Wenn Peppe am 23. August zurückkehrt, wird er sich jedoch wundern: Verlängerung der Bauarbeiten und damit auch der Straßensperrungen bis zum 9. Oktober.

Als Rosemary Schlau (50), Inhaberin von „Cafuchico“, am Montagabend die WhatsApp-Nachricht von ihrem Nachbarn bekommen hat, dass die Baustelle noch länger bestehen bleiben werde, war es für sie „eigentlich nur eine Bestätigung“, sagt sie. „Man sieht ja täglich vor der Tür, dass der Fortschritt nicht so ist, dass es bald ein Ende haben könnte.“ Die Brasilianerin, die seit 17 Jahren in Frankfurt lebt, ist ein gebranntes Kind: Als sie ihre Café-Bar vor etwas mehr als drei Jahren eröffnete, wurde das komplette Haus saniert. Damals wurden aus angekündigten sechs bis acht Wochen ganze acht Monate. Mietminderung? „Keinen Cent“, so Schlau. Die lebensfrohe Gastronomin versucht stets, das Beste aus der Situation zu machen. „Meine Stammkunden waren so rührend und haben mir zu Beginn der Baustelle im März zu verstehen gegeben, dass sie trotzdem weiter zu mir kommen.“

Dennoch: Der finanzielle Einbruch in diesem Jahr bleibt. Immerhin kommt ihre Kundschaft weder per Bahn, noch mit dem Auto zu ihr. Zeitweise war sogar der Bürgersteig gesperrt. Schlau bemerkt: „Für mich ist das Eiscafé Christina das Barometer: Es ist der erste Sommer ohne Schlange vor dem Eissalon.“

Schlechtester Sommer

Spadotto Corrado (67) geht noch einen Schritt weiter: Der Eis-Guru, der seit 42 Jahren in der Eckenheimer Landstraße Eis verkauft, erlebt nach eigenen Angaben dieses Jahr den „finanziell schlechtesten Sommer“ überhaupt. Auch wenn er es sich in seinen Befürchtungen noch schlimmer ausgemalt hatte. Das liegt nicht nur an der Baustelle, sondern auch mit an der durchwachsenen Witterung, erzählt er. „Immerhin: Laut ist die Baustelle nicht, es ist sogar eher umgekehrt – zum Wohnen ist die Situation derzeit sehr schön.“

Belastung für Blinde

Ein ganz anderer Aspekt: In der Adlerflychtstraße, die quer zur Eckenheimer Landstraße verläuft, hat die Stiftung für Blinde und Sehbehinderte ihren Sitz. Für die Menschen, die dort Beratung suchen, ist die Baustelle eine große Belastung, erzählt Andreas Enzmann vom Stiftungsvorstand. „Auch weil sich die Streckenführung mehrfach ändert, neue Absperrungen plötzlich dastehen, Baustellenfahrzeuge im Weg sind. Alles was mit Veränderungen zu tun hat, ist für Menschen, die nicht sehen können, äußerst schwierig.“ Aber Enzmann hat auch Positives beobachtet: Die Arbeiter auf der Baustelle seien bemüht, den Menschen zu helfen – egal, ob sie sehbehindert sind oder nicht.

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