Anna Fiscale wird mit dem Elisabeth-Norgall-Preis des International Women's Club ausgezeichnet.
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Anna Fiscale wird mit dem Elisabeth-Norgall-Preis des International Women's Club ausgezeichnet.

Anna Fiscale wird ausgezeichnet

Eine Frau, die für Frauen kämpft

Elisabeth-Norgall-Preis des International Women's Club geht an Italienerin.

Viele Preise hat Anna Fiscale bereits für ihr Engagement erhalten. Zu ihnen zählen unter anderem der "Prize European Social Innovation Competition" oder der European Civil Society Prize und vergangenes Jahr der Cavaliere al merito, der Verdienstorden der Republik Italiens. Morgen reiht sich eine neue Auszeichnung in diese beachtliche Reihe ein: Die Gründerin und Präsidentin von "Progetto Quid", eines sozialen und ökologischen Modeunternehmens für benachteiligte Frauen, erhält morgen den Elisabeth-Norgall-Preis des International Women's Club (IWC).

Ziel und soziale Mission des Unternehmens ist es, benachteiligten Menschen - zumeist Frauen - dabei zu helfen, durch sinnvolle Arbeit wieder Selbstvertrauen und eine Perspektive für ihr Leben zu gewinnen. Textilreste großer Modeunternehmen werden für ein wirtschaftliches, soziales, ethisches, nachhaltiges und innovatives Projekt genutzt, um sozial ausgegrenzte Randgruppen zu unterstützen. Schon immer war es der 33-Jährigen ein Anliegen, Frauen und generell Personen, die Opfer von Ausgrenzung in der Gesellschaft sind und auf dem Arbeitsmarkt kaum als Zielgruppe wahrgenommen werden, zu unterstützen. Fiscales Interesse an Mode, einem der wichtigsten Wirtschaftssektoren in Italien, ließ sich mit diesem Anliegen gut verbinden. So entwickelte sie vor neun Jahren ein Projekt, das einen sozialen Wert schafft und gleichzeitig der Modebranche eine innovative sowie ethische Note verleiht.

Aus den großen Mengen überschüssiger Stoffe, die jedes Jahr von italienischen Modehäusern und Textilherstellern weggeworfen werden, sobald die Entscheidungen für eine Saison gefallen sind, gewinnt sie das Material für ihr Unternehmen, das sich in den Nähwerkstätten zu einer innovativen ökologischen Modemarke entwickelte. Stoffe und Menschen bekommen so eine zweite Chance für einen Neuanfang. "Unser Firmensymbol ist eine Wäscheklammer, damit halten wir zusammen, was die Gesellschaft, die Umwelt und den Markt ausmacht", erklärt Anna Fiscale.

Die Beschäftigten von "Progetto Quid" haben 16 verschiedene Nationalitäten, die meisten sind Frauen mit einer schwierigen Vergangenheit. Das Projekt bietet ihnen die Möglichkeit, einen Beruf zu erlernen, zu arbeiten und somit ein Auskommen zu haben und ein eigenständiges Leben aufzubauen und zu führen. Die Firma betreibt auch zwei Werkstätten im Gefängnis der norditalienischen Stadt Verona. Die meisten der weiblichen Beschäftigten dort waren Opfer von sexueller Ausbeutung oder kommen aus der Prostitution, andere waren drogen- oder alkoholabhängig. Wieder andere sind ältere Menschen, die von italienischen Modefirmen entlassen wurden und auf dem normalen Arbeitsmarkt schwer vermittelbar sind. Sie bringen wertvolle Erfahrungen mit, die es ihnen ermöglichen, andere auszubilden.

Corona-bedingt musste das Unternehmen im Frühling 2020 seine Werkstätten kurzfristig schließen. "Die Notsituation aufgrund der Pandemie hat allerdings unseren Blick auf die Zukunft nicht aufgehalten. Es ist eine voller Herausforderungen, die wir aber gerne in Chancen verwandeln möchten. Wir werden die Ausbildung neuer Mitarbeiterinnen nicht aufgeben und wir arbeiten hart daran, unsere sozialen, ethischen, ökologischen und nachhaltigen Ziele weiter zu verfolgen", betont die Preisträgerin, die morgen per Zoom-Konferenz gefeiert wird. Die Preisverleihung ist Höhepunkt des Clubjahres des International Women's Club. In Erinnerung an die Clubgründerin wird er jedes Jahr an eine Frau verliehen, die sich in besonderer Weise für die Belange und Probleme von Frauen einsetzt. es

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