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Auf der Friedberger Landstraße kommt es immer wieder zu Unfällen, weil Radfahrer keine eigene Fahrspur haben. Der Magistrat nahm den Vorschlag des Ortsbeirats 3 auf, eine Autospur wegzunehmen.

Serie

Nordend: Eine ganze Fahrspur für Fahrräder  beschäftigt den Ortsbeirat 3

In unserer Serie blicken wir zurück auf das Jahr in den Ortsbeiräten – aus Sicht unserer Redakteure. Was war das Thema, das den Ortsbezirk in den vergangenen Monaten bewegt und beschäftigt hat? Eine Einschätzung – heute aus dem Ortsbeirat 3 (Nordend).

Das Nordend soll lebenswert für alle bleiben – auch wenn es immer schwieriger wird, in dem dicht besiedelten Stadtteil alle Interessen zu berücksichtigen. Allem voran in Sachen Wohnen: Während der Wohnraum knapp wird, wird gegen Neubauten protestiert, die noch das letzte bisschen Grün beseitigen, siehe Günthersburghöfe, das Bauprojekt am Wasserpark, dessen Planungen dieses Jahr weitgehend ruhten. Behutsame Nachverdichtung und bezahlbarer Wohnraum sind aber Dauerbrennerthemen im Ortsbeirat 3. Gentrifizierung, also die Verdrängung der eingesessenen Bevölkerung durch wohlhabendere Schichten, ist das Stichwort, das immer häufiger im Nordend und im Ortsbeirat fällt. Immer wieder kaufen private Investoren Häuser, planen Modernisierungen und erhöhen die Mieten. Wohnungen werden zusammengelegt, Dächer ausgebaut und Mieter und Institutionen verdrängt, wie jüngst die Kita „Sieben Zwerge“ in der Neuhofstraße. Zuletzt protestierten Anwohner in der Schwarzburgstraße gegen eine Luxussanierung ihres Mietshauses. Solches verurteilt auch der Ortsbeirat – bis auf FDP und ÖkoLinx begrüßten alle Fraktionen deshalb die neuen Milieuschutzsatzungen, die von der Stadt beschlossen wurden und die das Gremium Ende Oktober absegnete. Das Nordend erhält also Milieuschutz für die Gründerzeitbauten zwischen Oeder Weg, Glauburgstraße und Martin-Luther-Platz sowie für den südlichen Teil bis zum Anlagenring. Mittels der Satzungen kann die Bauaufsicht Luxusmodernisierungen wie den Bau von Dachterrassen untersagen.

Milieuschutz fürs Nordend

Außerdem kann sie die Zweckentfremdung von Wohnungen als Büros und die Zusammenlegung von Wohnungen verhindern. Zudem hat die Stadt beim Verkauf von Mietshäusern ein Vorkaufsrecht. „Das ist schon mal ein guter Anfang“, sagt die Ortsvorsteherin Karin Guder (Die Grünen), „aber noch ist es zu wenig. Wir hoffen auf eine Erweiterung des Gebiets und auf eine Aufstockung der Mittel im städtischen Haushalt, die die Ausübung des Vorkaufsrechts der Stadt ermöglichen.“ Ein Antrag der Grünen wurde Ende November verabschiedet: 200 Millionen Euro sollen für Hauskäufe und für zusätzliche Stellen zur Durchsetzung der Satzungen bereitgestellt werden. „Das wäre ein klares Signal an Investoren“, sagt Karin Guder. Außerdem soll der Nordwesten des Stadtteils in die Satzung mit aufgenommen werden, forderten Anträge von Grünen und CDU.

Das zweite große Thema, das alle Fraktionen im Dreier beschäftigt, ist der Autoverkehr, der dem Stadtteil Lärm und Luftverschmutzung beschert. Am schlimmsten ist es auf der Friedberger Landstraße: 44 200 Fahrzeuge fahren laut einer Zählung täglich durch die Friedberger, die bekanntlich den unrühmlichen Titel der am meisten mit Stickstoffdioxid und Feinstaub belasteten Straße Frankfurts trägt. Nachdem ein Radfahrer an der Kurt-Schumacher-Straße tödlich verunglückte, hat Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) angekündigt, die Friedberger Landstraße für Fahrzeuge zu verengen: Je ein Fahrstreifen soll den Fahrradfahrern zu Verfügung gestellt werden. Die Idee ging auf einen Antrag der Linken aus dem Ortsbeirat 3 zurück.

Kinder gestalten mit

Schon seit Jahren fordert der Ortsbeirat 3 eine Lösung für die Friedberger, ohne Erfolg. Umso mehr freut sich Ortsvorsteherin Karin Guder: Sie setzt darauf, dass der Vorschlag umgesetzt wird. Die Meinungen gehen freilich stark auseinander: Von Radfreunden wird der Vorschlag freudig begrüßt, andere – wie die CDU im Römer – befürchten enorme Staus. Derweil hat der Ortsbeirat weitere Vorschläge parat, etwa einen Park-and-ride-Parkplatz an der Friedberger Warte.

Erfreuliches gab es aber auch in diesem Jahr: Zum Beispiel die Umgestaltung des Holzhausenparks, ein Gemeinschaftsprojekt des Kinderbüros zusammen mit dem Ortsbeirat, dem Grünflächenamt und der Bürgerstiftung. 520 Kinder aus den umliegenden Kitas und Schulen wurden befragt, was sie sich im Park wünschen. Die Antwort: mehr Bewegungsangebote, eine Kletterwand, eine neue Eissorte. Die Kinder gestalteten einen Holzzaun. Im Februar wollen die Kinder ihre Forderungen im Ortsbeirat bekräftigen. „Das war ein erfolgreiches Projekt, das auch ein Stück Demokratieerziehung war: Die Kinder haben gelernt, dass ihre Meinung zählt und sie ihren Lebensraum mitgestalten können“, freut sich Karin Guder. Positiv findet sie auch, dass Nordend-Bürger in einer Bürgerinitiative aktiv geworden sind, die eine neue Nutzung des Glauburgbunkers mitgestalten will: Das Gemäuer an der Glauburgstraße, das einst das „Explora“-Museum beherbergte, wurde 2017 verkauft und wird vermutlich abgerissen. Der Stadt liegt eine Bauvoranfrage für 43 Wohnungen, eine Gaststätte sowie eine kulturelle Nutzung vor. Die BI fordert zudem mindestens 40 Prozent geförderte Wohnungen. „Das bürgerliche Engagement im Nordend ist groß, das ist ein gutes Zeichen,“ findet die Ortsvorsteherin. Mehr dazu im neuen Jahr. So geht es weiter Am Mittwoch werfen wir einen Blick auf den Ortsbeirat 16.

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