1. Startseite
  2. Frankfurt

Masernimpfung in Frankfurt: Eine in Vergessenheit geratene Impfpflicht – Bald wird es ernst

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Julia Lorenz

Kommentare

Ein Piks mit großer Wirkung: Nach wie vor sind zu viele Kinder trotz Pflicht nicht gegen die Masern geimpft.
Nach wie vor sind zu viele Kinder trotz Pflicht nicht gegen die Masern geimpft. © picture alliance / photothek

Ein kleiner Piks mit großer Wirkung: Nach wie vor sind zu viele Kinder in Frankfurt trotz Pflicht nicht gegen die Masern geimpft. Ein Überblick.

Frankfurt – Bis Ende Juli müssen Kita-Kinder, Schüler, Lehrer, Erzieher und medizinisches Personal in Frankfurt ihre Masernimmunität nachweisen. "Ich habe ein großes Grundvertrauen in das Gesundheitssystem und die Ärzteschaft. Wenn sie sagen, eine Impfung macht Sinn, dann stelle ich das nicht in Frage", sagt Claudia Wolff, Leiterin der Schillerschule in Sachsenhausen. Deshalb hält sie auch die Impfpflicht gegen Masern für sinnvoll. Diese gilt seit gut zwei Jahren.

Seit Monaten wird nun schon über die nächste Impfpflicht, nämlich gegen das Coronavirus, heftig diskutiert. Soll es eine Impfpflicht für alle Erwachsenen geben? Oder nur für Menschen ab 50 Jahren? Oder lieber doch gar keine? Darüber berät am Donnerstag der Bundestag - Ergebnis offen.

Fakt aber ist: Ab heute gilt schon einmal die einrichtungsbezogene Impfpflicht für Beschäftigte in Pflege und Medizin. Das hat im Vorfeld zu vielen Diskussionen geführt - und führt es noch immer. Die Impfpflicht gegen Masern scheint dabei in Vergessenheit geraten zu sein,

Viele Kinder in Frankfurt nicht gegen Masern geimpft: Nachweis bis zum 31. Juli 2022 erforderlich

Das sogenannte Masernschutzgesetz sieht vor, dass alle Kinder ab dem ersten Lebensjahr, die eine Kindertagesstätte besuchen oder in die Schule gehen, gegen Masern geimpft sein müssen. Gleiches gilt für Flüchtlinge und Asylbewerber sowie alle nach 1970 geborenen Menschen, die in Gemeinschafts- oder medizinischen Einrichtungen arbeiten wie Erzieher, Lehrer oder Ärzte.

Das Gesetz ist zwar längst in Kraft getreten, die Betroffenen haben aber bis zum 31. Juli dieses Jahres Zeit, ihren Masern-Schutz nachzuweisen.

"Die Umsetzung des Gesetzes läuft ziemlich geräuschlos und ohne größere Diskussionen mit Eltern oder Kollegen", sagt Claudia Wolff von der Schillerschule. Das Gymnasium hat bereits im August 2020 damit begonnen, bei den Eltern der 1200 Schülerinnen und Schüler die Nachweise der Masernschutzimpfung einzufordern.

Masernimpfung in Frankfurt: Schulen sammeln Nachweise ein

"Am Anfang dachten wir, wir sind etwas überambitioniert", sagt Wolff. Doch rückblickend sei es richtig gewesen, so früh damit zu beginnen, denn das Mehr an Verwaltungsarbeit sei für die Schulen schon immens gewesen. "Jetzt haben wir aber langsam alle Datensätze zusammen", so Wolff.

Auch von den Lehrern sowie anderen Beschäftigten an der Schule liegen die Nachweise bereits vor. Probleme habe es bisher keine gegeben - höchstens mit nicht auffindbaren Impfausweisen. In solchen Fällen muss mit einer Blutentnahme nachgewiesen werden, dass es ausreichende Menge an Antikörpern gegen die Krankheit gibt.

Ähnliches hört man auch von anderen Frankfurter Schulen und Kindertagesstätten. Entweder überprüfen die Sekretärinnen, die Klassenlehrer oder die Einrichtungsleitungen die Impfausweise. Alle neuen Schüler legen den Nachweis bei der Schulanmeldung vor. Gleiches gilt für neue Kinder in Krabbelstuben und Kindergärten.

Viele Kinder in Frankfurt nicht gegen Masern geimpft: Die Eltern sind sehr gut informiert

"Das geht alles seinen ganz normalen Gang", sagt eine Leiterin einer Krabbelstube. Wer sein Kind nicht impfen lassen wolle, der melde es auch nicht in einer Kita an. Die Eltern seien sehr gut informiert und "einfach nur froh, überhaupt einen Betreuungsplatz für die Jüngsten zu finden".

Auch Benedikt Gehrling, Leiter der Erich-Kästner-Grundschule in Niederursel, hat bisher noch keine Probleme mit dem Masernschutzgesetz gehabt. "Wir mussten nur mit wenigen Eltern bisher diskutieren", sagt er. "Die Abfrage des Impfstatus gehört mittlerweile zum Schulalltag."

So wie in den Schulen und Kindertagesstätten wird die Masern-Impfpflicht ebenfalls bereits in Krankenhäusern umgesetzt. Sowohl in der Uniklinik als auch im Klinikum Höchst erfolgen Neueinstellungen seit Inkrafttretens des Gesetzes nur noch mit einer nachgewiesenen Masernimpfung.

Masernimpfung in Frankfurt: Gesundheitsamt berät Impfverweigerer

Bei allen anderen Mitarbeitern am Klinikum Höchst, die dort schon länger arbeiten, "werden anhand der Aktenlage auf einen Nachweis durch die Betriebsärzte geprüft", teilt eine Sprecherin mit. "Ist kein Impfnachweis erkennbar, wird der Kollege vom Betriebsarzt einbestellt und eine Impfung angeboten."

In der Uniklinik gibt es regelmäßige Impfsprechstunden vom betriebsärztlichen Dienst. "Außerdem finden für das gesamte medizinische Personal regelmäßig vorgeschriebene arbeitsmedizinische Vorsorgetermine statt", sagt Sprecher Christoph Lunkenheimer. Besteht noch keine Masernimmunität, werde den Beschäftigten bei diesen Terminen eine Impfung angeboten. "Dieses Angebot wird sehr gut angenommen", so Lunkenheimer. "Es gibt kaum Ablehnung gegenüber dieser Impfung."

Gibt es doch Impfverweigerer, dann müssen die Einrichtungen spätestens ab Ende Juli das Gesundheitsamt informieren. Die Mitarbeiter dort können dann Beratungsgespräche mit den Eltern oder Beschäftigten führen. Das Frankfurter Gesundheitsamt hat bisher vier Beratungsgespräche geführt, wie Sprecherin Wiebke Reimann auf Anfrage mitteilt.

Viele Kinder in Frankfurt nicht gegen Masern geimpft: Statistische Daten fehlen

Wie viele Kinder gegen Masern geimpft sind, wenn sie in den Kindergarten kommen, darüber gibt es keine statistischen Daten. Auch über den Impfstatus der Schüler gebe es keine hundertprozentige Erfassung, da nicht alle zur Schuleingangsuntersuchung erschienen Kinder auch ihren Impfausweis oder ihr Vorsorgeheft vorlegen könnten. In den Jahren 2019 bis 2021 seien gut 91 Prozent der Kinder, die einen Impfausweis vorgelegt haben, gegen Masern geimpft gewesen.

Wer sich bis zum Sommer gar nicht vom Impfen überzeugen lassen will, muss mit einem Bußgeld von bis zu 2500 Euro rechnen. Krabbelstuben oder Kindergärten können ungeimpften Kindern den Besuch der Einrichtung verweigern. Ungeimpftes Personal darf künftig nicht mehr arbeiten. Ungeimpfte Schüler hingegen dürfen wegen der Schulpflicht nicht vom Unterricht ausgeschlossen werden. (Julia Lorenz)

Das Thema Impfpflicht gegen Masern wurde bundesweit heftig diskutiert - der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts hatte damals eine klare Meinung: Er war dagegen.

Auch interessant

Kommentare