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Das Übergangsgebäude der IGS Kalbach-Riedberg wurde zum Schuljahr 2017/18 eröffnet. 2021 soll der Umzug in den Neubau erfolgen. Foto: Archiv/Hamerski

Porträt

Eine junge Schule im Aufbau: Das ist das Konzept der IGS Kalbach-Riedberg

In diesen Tage grübeln viele Familien: Welche Schule ist für den Nachwuchs die richtige? Bis zum 5. März müssen die Antragsformulare ausgefüllt sein. Auf Seite 13 finden sie einen Überblick über Haupt-, Real- und Gesamtschulen, sowie ihre Tage der offenen Tür. Und hier ein Porträt der IGS Kalbach-Riedberg.

Frankfurt - Zwei Schülerinnen liegen bäuchlings auf dem lilafarbenen Flurboden. Vor ihnen: Heft und CD-Player. „Sie machen Englisch. Hörverstehen“, erklärt Marlene, elf Jahre alt, Schulsprecherin der IGS Kalbach-Riedberg. „Wir haben gerade Fachbüro, da kann man auch im Flur arbeiten.“ Ein paar Schritte weiter ist ein Junge mit einem Buch in einem Sitzsack versunken. Auf dem Flur steht ein Regal mit Büchern. Deutschbücher, aber auch etwa „Die drei Fragezeichen“ liegen aus. „Wenn man mit einem Arbeitsauftrag fertig ist, dann kann man auch einfach lesen“, sagt Marlene.

Fachbüro, Arbeitsaufträge – schon nach wenigen Sätzen von Schülern der 2017 gegründeten IGS Kalbach-Riedberg ist klar: An dieser Schule läuft einiges anders. „Es ist nicht einfach nur Schule, es macht Spaß“, sagt Arda (11), Marlenes Stellvertreter. „Man kann hier viel mehr mitbestimmen und merkt, man wird ernst genommen.“ Und fast tröstend meint er: „Ich habe auch eine Weile gebraucht, bis ich das Konzept verstanden habe. “

Vernetztes Lernen

Dauert eben ein bisschen, bis man so einen Stundenplan kapiert hat, auf dem Fachbüro, Projekt, Fachintensiv, Verantwortung, Versammlung und Lernberatung stehen. Eine „andere Idee des Lernens“ nennt das Schulleiterin Susanne Gölitzer. Und Stellvertreterin Mareike Klauenflügel spricht von „verknüpftem, vernetztem und zusammenhängendem Lernen“. Denn in Projekt wird zusammen geforscht, in Verantwortung gibt es gemeinsame Vorhaben etwa im sozialen Engagement. Im Fachbüro arbeitet dagegen jeder selbstständig.

Fachintensiv ähnele da noch am ehesten dem Unterricht, den man so kenne, sagt Gölitzer. Eben auch mal mit Tafel. Es gibt Mathe, Deutsch und Englisch, jeweils zwei Stunden in der Woche. Für die Einführung eines Themas wie Bruchrechnen oder Fabeln brauche es auch Lehrervorträge, sagt Gölitzer. Ansonsten spricht sie vor allem von Lerngelegenheiten. Für das Lernen von Vokabeln brauche man Ruhe, für eine Fabelinterpretation wiederum eine Gruppe. Ruhe gibt es etwa im Fachbüro. Im Morgenkreis wählen sich die Kinder dort ein. In Englisch, Mathe oder Deutsch. Dort lernen die Schülerinnen und Schüler alleine in ihrem Tempo, etwa in Deutsch Zeichensetzung und Grammatik.

Die IGS Kalbach-Riedberg ist eine Schule im Aufbau. Nicht ungewöhnlich in Frankfurt. Eröffnen doch jedes Jahr neue Schulen in der Stadt. Bisher ist nur der fünfte und sechste Jahrgang an der IGS Kalbach-Riedberg da. „Es war cool, der erste Jahrgang zu sein, wir hatten die Schule ganz für uns alleine“, sagt Marlene. Aber gerade das Konzept der IGS Kalbach-Riedberg braucht auch die anderen Jahrgänge: Es wird im Fachbüro und auch in Projekt jahrgangsgemischt gearbeitet. Fünfte, sechste und künftig siebte Klasse arbeiten zusammen, später dann achte bis zehnte. 20 Stunden in der Woche lernen die Schüler jahrgangsgemischt, 16 Stunden jahrgangsbezogen.

Pädagogische Konzepte wie das der IGS Kalbach-Riedberg benötigen auch andere Raumaufteilungen als üblich. Derzeit ist die Schule in Holzmodulen an der Carl-Hermann-Rudloff-Allee untergebracht. „Es ist schön hier, aber nicht nach den Bedürfnissen einer IGS geplant“, so Schulleiterin Gölitzer. Das wird 2021 anders sein. Dann soll der Neubau an der Gräfin-Dönhoff-Straße auf dem Riedberg stehen. Die Pläne hängen in der Mensa. Gölitzer zeigt auf den eingezeichneten Flur: Er hat 108 Quadratmeter. Nischen sind eingebaut, in die sich die Kinder zurückziehen können.

Übergangsquartier

Aber noch ist die Schule in ihrem Übergangsquartier . Und da wird es inzwischen ganz schön eng. Der Erweiterungsbau wird gerade direkt nebendran errichtet, fürs nächste Schuljahr. Auf dem Pausenhof. Ein Briefkasten hängt auf dem Schulflur. „Füttere mich“ steht darauf. Dort werden Themen für die Versammlung eingeworfen. „Wenn jemand einen Dienst vergessen hat und ihn ein anderer übernimmt, dann wird der dafür bei der Versammlung gelobt“, erzählt Marlene. Und klar, es leiten die Schüler die Versammlung. „Vor so einer großen Menge zu sprechen, ist nicht einfach“, sagt Susanne Gölitzer. „Es fördert die soziale Kompetenz.“ Die jungen Menschen sollen durch Versammlungen und auch das Fach Verantwortung stark gemacht werden. „Und wenn sich jemand einbringt, dann kann er dafür auch mal Applaus bekommen.“

16 Prozent der Schüler werden an der IGS inklusiv beschult. „Das ist viel für Frankfurter Maßstäbe“, sagt Gölitzer. Ursprünglich waren mal 25 Prozent angedacht, aber es fehlen Lehrer. Die Schule hat das Profil „Sprache und Kommunikation“. Einmal die Woche führen die Lehrer Lerngespräche mit Schülern. Französisch gibt es im sechsten Schuljahr. „In allen Lerngelegenheiten wird aufgeschrieben, welche Begriffe neu gelernt wurden“, so Mareike Klauenflügel. „Der Wortschatz wird bewusst erweitert.“

Kommuniziert wird auch im Morgenkreis. Da werden nicht nur Neuigkeiten ausgetauscht, es wird auch über Nachrichten gesprochen. „Schule hat den Auftrag, Gesellschaft mitzugestalten“, erklärt Klauenflügel. Der Morgenkreis sei eine „Lerngelegenheit für politische und soziale Bildung“. Es wird darüber gesprochen, wer sich etwa gerade in Washington getroffen hat. Oder über Umwelt und Nachhaltigkeit. „Es geht auch oft um Kinderrechte“, sagt Marlene. „Aber es geht auch mal um Mord.“

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