Die Agrarwissenschaftlerin Maren Heinecke erläuterte den CDU-Mitgliedern die Vorzüge des Bodens im Frankfurter Nordwesten. foto: Rainer Rüffer
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Die Agrarwissenschaftlerin Maren Heinecke erläuterte den CDU-Mitgliedern die Vorzüge des Bodens im Frankfurter Nordwesten. foto: Rainer Rüffer

Frankfurt: Geplantes Wohngebiet an der A 5

CDU ist für eine kleine Lösung

  • vonKatja Sturm
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Die Stadtteile Niederursel und Praunheim sollen arrondiert werden. Dort ist Platz für bis zu 4000 Wohneinheiten

Thomas Rätzke und seine Mitstreiter sind hin- und hergerissen. Einerseits erkennen die CDU-Vertreter in den Ortsbeiräten 7 und 8 die Notwendigkeit an, angesichts der Wachstumsprognosen neuen Wohnraum in Frankfurt schaffen zu müssen. Andererseits wäre es ihnen am liebsten, wenn alles so bleiben würde, wie es ist.

Um im Hinblick auf die Pläne einer Bebauung der Freiflächen entlang der Autobahn A 5 einen Kompromiss zu finden, haben sie sich in einer Arbeitsgruppe (AG) selbst ins Zeug gelegt. Was Sprecher Rätzke und Co. dabei herausfanden und was sie auf Basis dessen vorschlagen, das präsentierten sie am Samstag bei der traditionellen "Tour de Praunheim".

"Feld statt Beton" steht auf Holzkreuzen

Auch Baudezernent und Parteikollege Jan Schneider hatte sich dafür aufs Zweirad geschwungen. Gemeinsam rollte man von der Europäischen Schule aus nach Westen durch die Felder, vorbei an zahlreichen bunten Holzkreuzen, die mit der Aufschrift "Feld statt Beton" den Willen einiger Bürger deutlich aufzeigten.

An der ersten Station, vor Ackern mit Weizen und Zuckerrüben, erklärte die extra engagierte Agrarwissenschaftlerin Maren Heincke die Besonderheit des Bodens, der zu verschwinden droht. Die Parabraunerde aus Lößlehm verfüge über "ein optimales Porensystem", das es den Pflanzen dort ermögliche, problemlos an Wasser und Nährstoffe heranzukommen. Zudem hält es Schadstoffe zurück und damit aus dem Grundwasser heraus und bietet bei Starkregen vor Hochwasser Schutz. Der Standort gehöre in Sachen Landwirtschaft zu einem der besten in Europa, betonte die Fachfrau.

Um möglichst viel von dieser Besonderheit zu erhalten, schwebt den Initiatoren der Untersuchung vor, dass kein neuer Stadtteil entsteht, sondern lediglich die bereits vorhandenen Praunheim und Niederursel arrondierend weitergebaut werden.

Dafür spricht laut AG-Mitglied Katja Klenner auch die Wahrung der Winde, die hier von der Wetterau und dem Taunus aus kommend aufeinandertreffen und gemeinsam für kühle Luft bis in die City hinein sorgen. Um den Weg der Luftbewegungen nicht "wie einen Pfropfen zu verschließen", sei statt "großer Klötze" eine "lockere Randbebauung" vorzuziehen.

Die Gruppe spricht sich insgesamt für eine Mischung aus Geschossbau und Eigenheimen aus, durch die Schätzungen nach 2000 bis 3000 Wohneinheiten in Mehrfamilien- und 1000 durch Reihen- oder Doppelhäuser entstehen könnten.

Das Wasserwerk Praunheim II, dessen Erhalt ebenfalls diskutiert wird, ist nicht nur wegen seiner flexiblen Betriebsphasen laut Klenner "unverzichtbar". In trockenen Perioden unterstützt es die Trinkwasserversorgung in der gesamten Stadt.

Weitere Schulen und eine Ortsumfahrung

Die Arbeitsgruppe plädiert auch für einen Ausbau der Infrastruktur, sollte in der Nachbarschaft Platz für mehr Menschen geschaffen werden. Weitere Schulen sind angedacht, eine Ortsumfahrung Praunheims, die den Stadtteil entlasten und nicht weiter erschließen sollte, sowie eine Verlängerung der U 7 nach Steinbach.

Schneider hörte und sah sich die Pläne für die kleine Lösung einer Bebauung freier Flächen östlich der A 5 interessiert an und bedankte sich am Ende der Tour für den "leichten Einstieg" in die Materie. "Ich kann verstehen, wenn man eine Bebauung ablehnt", sagte er. Frühere Erfahrungen hätten gezeigt, dass "selbst wenn Dinge nicht zu 100 Prozent verhindert werden können", durch das Engagement der Bürger doch Einfluss darauf ausgeübt werden könne, wie ein Stadtteil entsteht. Katja Sturm

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