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Felcitas von Lutzau

Stadtgeflüster

Eine Königin der Nacht

In all meinen Arbeiten will ich nachts etwas darstellen, was sonst nicht sichtbar ist – ohne Nachbearbeitung oder Manipulation, sondern nur mit Langzeitbelichtung“, beschreibt Felicitas von Lutzau ihre Fotografien, „und die Lichtphänomene sind immer eine Art Selbstporträt: wie ich mich abbilde in etwas Leuchtendem.“

In all meinen Arbeiten will ich nachts etwas darstellen, was sonst nicht sichtbar ist – ohne Nachbearbeitung oder Manipulation, sondern nur mit Langzeitbelichtung“, beschreibt Felicitas von Lutzau ihre Fotografien, „und die Lichtphänomene sind immer eine Art Selbstporträt: wie ich mich abbilde in etwas Leuchtendem.“

Es könnten Botschaften darin versteckt sein, aber sie will jedem Betrachter viel Interpretationsspielraum lassen. „Die Grenze zwischen einer Kitsch-Landschaft und Science-Fiction gefällt mir, und so greife ich dieses Thema immer wieder auf, fremde Welten in unserer Welt zu erschaffen.“

Zwei dieser mystisch anmutenden Werke, die im Rahmen ihrer Serie „Amerika“ 2015 im kalifornischen Yukka-Valley entstanden sind und die Landschaft wie eine Filmkulisse inszenieren, hängen noch bis zum 27. April in der Ausstellung „The Biography of Things“ in der Deutschen Börse in Eschborn. „Dank einer engen Verbindung zwischen Anne-Marie Beckmann , der Kuratorin der Deutsche Börse Photography Foundation, und der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Offenbach, bekamen wir aus der Fotografieklasse von Martin Liebscher die Chance, mit auszustellen“, so von Lutzau.

Seit Anfang Februar haben bereits über 800 externe Besucher neben den Werken aus der „Art Collection“ – der ständigen Sammlung der Deutschen Börse – die rund 80 Arbeiten von 15 HfG-Studierenden gesehen. „Das Besondere dabei ist der Gedanke des Fließbandes, der sich schon in der Hängung zeigt. Diese lässt die verschiedenen Arbeiten, ob traditionelle oder experimentelle Fotografie, ineinander übergehen; darin ist eine unheimliche Harmonie.“

Ein passendes Stichwort auch für die Beschreibung ihres familiären Zusammenhalts: „Meine Mutter und mein Vater sind meine besten Kameraassistenten, weil sie genau verstehen, wie mein fotografischer Prozess funktioniert, ohne dass ich etwas erklären muss, und da werden sie auch selber kreativ.“

Ohnehin sieht sich von Lutzau als „absolut privilegiertes Kind“, denn dank der fliegerischen Vergangenheit ihrer Eltern – Vater Rüdeger von Lutzau als Flugkapitän, Mutter Gabriele von Lutzau als Flugbegleiterin – ist sie von klein auf viel herumgekommen und konnte überall die Zeit zum Fotografieren nutzen. „Beide haben mich immer rückhaltlos unterstützt und ermutigt, Kunst zu studieren.“ Kein Wunder, dass ihre Mutter, die inzwischen als Bildhauerin Erfolge feiert, voller Stolz nur über „meine talentierte Tochter“ spricht. Was diese nicht als Druck empfindet: „Ganz im Gegenteil, ich schätze ja ihre Meinung als Künstlerin sehr und finde sie inspirierend allein schon durch ihre Persönlichkeit. Außerdem passen ihre Skulpturen und meine Bilder phantastisch zusammen.“

Gemeinsam waren sie im vergangenen Jahr auch in Brasilien, um die ehemalige Lufthansa-Maschine „Landshut“ vor ihrer Rückführung nach Deutschland zu besuchen – jene Maschine, die 1977 von einer palästinensischen Terrorgruppe entführt worden war, mit Gabriele von Lutzau an Bord. „Dort hatte ich genau zehn Minuten, und da habe ich in meinem Stil fotografiert“, erinnert sich Felicitas von Lutzau, „aber nicht unter einem künstlerischen Ansatz oder um das damalige Geschehen aufzuarbeiten, sondern um es für meine Mutter, mich und die Zukunft zu dokumentieren. Denn das alles ist ein Teil von ihr und unserer Familiengeschichte.“

Ein neues Kapitel schlägt sie bei einer Reise mit ihrem Vater ins japanische „Hell Valley“. „Er passt dann auf mich auf, wenn ich in der Dämmerung und nachts in den heißen Geysiren herumspringe“, lacht sie. Mitbringen wird sie Fotografien für die Ausstellung des Fotofestivals „Ray“, das im Mai in Frankfurt beginnt.

Wer am 20. April an der Sonderführung durch die Ausstellung „The Biography of Things“ mit Felicitas von Lutzau teilnehmen möchte, schreibt ihr eine Mail an fraufee@gmx.net.

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