or sechs Jahren hat der Armenische Frauenverein in der methodistischen Christuskirche am Merianplatz ein neues Zuhause gefunden. FOTO: Leonhard hamerski
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or sechs Jahren hat der Armenische Frauenverein in der methodistischen Christuskirche am Merianplatz ein neues Zuhause gefunden.

Religiöse Vielfalt

Eine musikalische und kulinarische Reise nach Armenien

  • VonGernot Gottwals
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Frauenverein lädt zum Kulturwochenende in die Christuskirche ein

Eigentlich stand Sayat Nova im Dienste georgischer und persischer Herrscher. Doch aufgrund seines außerordentlichen lyrischen Lebenswerks von mehreren tausend Liedern wird der fahrende armenische Sänger selbst gerne als "König des Gesangs" bezeichnet. Heute, Samstag, um zwölf Uhr erklingen seine Lieder in der methodistischen Christuskirche am Merianplatz, wo der Armenische Frauenverein zum Kulturwochenende "Zu Gast in Armenien" einlädt.

Ökumenische Gottesdienste

"Besuchen Sie Armenien mal anders, bewundern Sie die in Felsen gebauten Kirchen und Klöster und seien Sie dabei, wenn wir Ihnen im ökumenischen Gottesdienst und Kochworkshop die Kultur und Geschichte unseres Landes vorstellen", wirbt die erste Vorsitzende des Frauenvereins Ankin Akyüz für das Programm. Ihr Nachname ist türkisch, denn sie repräsentiert ihren Frankfurter Verein von Frauen, die zur in der Diaspora lebenden türkisch- armenischen Minderheit zählen und sich seit sieben Jahren regelmäßig in den Räumen der methodistischen Gemeinde zum Erzählcafé und anderen Veranstaltungen treffen. Heute steht Sayat Nova auf dem Programm, und zwar aus der Sicht des sowjetisch-armenischen Regisseurs Sergej Paradschanow, der auf Armenisch Sarkis Howsepi Paradschanian heißt. Sayat Nova lebte und wirkte von 1712 bis 1795 an verschiedenen kaukasischen Höfen. Paradschanows surrealer Spielfilm über den armenischen Troubadour erhielt den Titel "Die Farben des Granatapfels". In dem 1969 gedrehten Film wird wenig gesprochen, es überwiegen die visuellen Eindrücke. Allerdings gab es Probleme mit der sowjetischen Zensur, so dass der Film erst 1984 in den sowjetischen Kinos gezeigt werden durfte.

Die Geschichte des armenischen Volkes

Um 15 Uhr spielt der Musiker Artak Voskanyan auf der Duduk, einer armenischen Flöte, einige Stücke des Komponisten Gomidas Vartabed, der als Begründer der modernen klassischen armenischen Musik gilt und 1915 zusammen mit anderen Künstlern und Intellektuellen in Konstantinopel verhaftet und in den Osten der Türkei deportiert wurde.

Der Theologe Hayk Martirosyan wird über die Geschichte des armenischen Volkes und des Genozids 1915 in der Türkei referieren und am Beispiel von Gomidas über das Leben in der Diaspora in einer Gesprächsrunde diskutieren. Der deutsch-armenische Schauspieler Saro Emirze wird die Diskussion moderieren und Werke seines berühmten armenisch-französischen Kollegen und Chansonniers Charles Aznavour rezitieren, darunter das Gedicht "Zartes Armenien".

Das Wochenende in den Räumen der methodistischen Gemeinde schließt am Sonntag um 10 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst, den Pfarrer Uwe Saßnowski und sein Kollege der Armenisch-Apostolischen Kirche, Gnel Gabrielyan, gemeinsam gestalten. Der Überlieferung nach ist das Christentum in Armenien seit dem Jahr 301 Staatsreligion, die meisten Armenier gehören der autokephalen (eigenständigen) Apostolischen Kirche an.

"Der theologische und liturgische Unterschied zwischen unseren beiden Kirchen ist sehr groß, doch wir suchen nicht das Trennende, sondern folgen nach methodistischer Tradition den Fußstapfen Jesu", betont Saßnowski.

Er freue sich, dass sich der Armenische Frauenverein in seiner Gemeinde seit sechs Jahren zu Hause fühle, zumal es in dieser Zeit auch einige gemeinsame Veranstaltungen und persönliche Begegnungen gegeben habe. "In unserer Tradition verstehen wir uns auch als Gastgeber und Brückenbauer für das Gemeinwohl, das wir gerne mit unserer Synergie und unseren Räumen für einen symbolischen Preis unterstützen", so der Pfarrer. got

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