36 Seiten hat das Kinderbuch "Die Nase ist los" von Gerd Müller-Droste, der seit vielen Jahren in Sachsenhausen lebt. Illustriert hat es Yuko Kagawa.
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36 Seiten hat das Kinderbuch "Die Nase ist los" von Gerd Müller-Droste, der seit vielen Jahren in Sachsenhausen lebt. Illustriert hat es Yuko Kagawa.

Kinderbuchautor aus Frankfurt

Eine Nase geht auf Reisen

  • VonBrigitte Degelmann
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Sachsenhäuser stellt neue Geschichte vor - gerne auch in der Schule

Eine Nase ist ja üblicherweise kein sonderlich beweglicher Körperteil. Klar, sie lässt sich rümpfen oder kraus ziehen. Doch ansonsten bleibt sie brav an ihrem Platz. Nicht so in Gerd Müller-Drostes (70) neuem Kinderbuch mit dem bezeichnenden Titel "Die Nase ist los". Da macht sich ein Riechorgan plötzlich selbstständig - wenn auch eher unfreiwillig. Es landet auf einem Baum, wird von einem Eichhörnchen huckepack genommen und lässt sich schließlich sogar von einer Palme durch die Lüfte schleudern.

"Gib sie wieder her!"

Literaturaffine Zeitgenossen dürfte die Geschichte an Nikolai Gogols Erzählung "Die Nase" erinnern, die 1836 erschienen ist. Auch darin stiehlt sich eine Nase davon, spaziert durch St. Petersburg und sorgt für allerlei Unruhe. Aber, sagt Müller-Droste, Gogols Werk habe er beim Schreiben gar nicht vor Augen gehabt. Sondern vielmehr das alte Kinderspiel vom Nasendieb: Jemand tut so, als würde er einem anderen die Nase wegnehmen - wobei er seinen Daumen so zwischen die gekrümmten Finger steckt, dass nur noch die Daumenkuppe herausschaut. "Mein Vater hat das gern mit mir gemacht", erinnert sich der gebürtige Sauerländer, der seit Jahren in Sachsenhausen lebt. Und auch Müller-Droste neckte auf diese Weise manchmal seine beiden Kinder, als diese noch klein waren. Die Reaktion war meist dieselbe, erzählt er lachend. Nämlich ein lauter Aufschrei: "Gib sie wieder her!"

Ende der 1980er-Jahre war das. Nach seinem Studium - Germanistik, Theaterwissenschaften und Geschichte - in Marburg arbeitete er damals an seiner Doktorarbeit über emanzipatorisches Kinder- und Jugendtheater. Ein mühsamer Prozess, mit dem es nicht recht vorangehen wollte. "Ich brauchte Ablenkung vom wissenschaftlichen Tun", sagt er. So begann er mit Geschichten für Kinder, zu denen ihn der Alltag mit Tochter Maxi und Sohn Julian inspirierte. Eine davon - über Schattenspiele an der Wand - landete damals sogar bei der TV-Serie "Sandmännchen". Die anderen aber verschwanden irgendwann in Schubladen und Kisten. Auch diejenige über die seltsame Reise einer Nase.

Vielleicht wäre sie dort geblieben. Gerd Müller-Droste hatte schließlich genügend andere Projekte, die ihn in den vergangenen Jahrzehnten beschäftigten. Er arbeitete als Schauspieler, trat beim Kabarett "Die Maininger" in Frankfurt auf, absolvierte aber auch ein Referendariat an der Carl-Schurz-Schule in Sachsenhausen. Schließlich begann er, sich in der hessischen Schul- und Jugendtheaterszene zu engagieren und wurde Theaterlehrer im Albert-Einstein-Gymnasium in Schwalbach, wo er bis 2016 tätig war. Seitdem arbeitet er als freischaffender Regisseur und Theaterpädagoge und gab im vergangenen Jahr das Buch "Liebende...auf Mindestabstand" heraus: eine Sammlung von mehr als 80 Texten zur Corona-Pandemie, verfasst von rund 60 Autoren.

Das vergessene Manuskript

Doch dann kam diese Aufräumaktion im vergangenen März, bei der ihm jene Schreibmaschinenseiten über das merkwürdige Riechorgan wieder in die Hände fielen. "Eigentlich ganz spannend", dachte er sich beim Durchlesen. Und: "Wenn man das ein wenig modernisiert, passt die Geschichte auch in die heutige Zeit." Genau das machte er. So sitzen seine beiden kindlichen Protagonisten - Max und seine Schwester Kati - anfangs gelangweilt herum, weil ihre Mutter das Tablet einkassiert hat. Und wie das so ist unter Geschwistern, kommt es zu kleinen Reibereien. Bis Max auf die Idee mit dem Nasendieb-Spiel kommt. Doch, oh Schreck: Katis Nase macht sich tatsächlich davon.

Über eine Bekannte traf Gerd Müller-Droste auf die Künstlerin Yuko Kagawa, die bereits Kinderbücher illustriert hatte. Auch die Nasen-Geschichte setzte sie nun in Bilder um: mit bunten, lustigen Figuren, deren riesige Köpfe auf winzigen Körpern sitzen. "Das größte Problem war die Gestaltung der Nase", sagt Müller-Droste. "Wie kann sie lebendige Züge bekommen, etwas Menschliches, damit sie nicht wie eine Rakete aussieht?" Aber auch das gelang Yuko Kagawa: Sie schuf ein witziges Figürchen mit ängstlichen, hervorquellenden Äuglein, das zu guter Letzt doch wieder dort landet, wo es hingehört - in Katis Gesicht.

Das Buch "Die Nase ist los" von Gerd Müller-Droste ist in der Edition Pauer erschienen, hat 36 Seiten und kostet 16,80 Euro. Geeignet ist es für Kindergartenkinder sowie für Schüler der ersten und zweiten Klasse. Die Veröffentlichung wurde unterstützt von der Taunus Sparkasse und vom Verein Jamali Diversity, gegründet vom afghanischen Fußballnationalspieler Modjieb Jamali, einem früheren Schüler des Autors. Sein neues Buch möchte Gerd Müller-Droste in den nächsten Monaten unter anderem gerne in Kindergärten und Grundschulen vorstellen und die Kinder dabei zum Mitmachen einladen.

Welche Abenteuer könnte die Nase noch erleben? Wer sich dafür interessiert, kann sich per E-Mail bei ihm melden: gerd.mueller-droste@web.de. Brigitte Degelmann

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