Verborgene Schönheit: Lange wartet Bergen-Enkheim darauf, dass die Arbeiten am Alten Rathaus beginnen.
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Verborgene Schönheit: Lange wartet Bergen-Enkheim darauf, dass die Arbeiten am Alten Rathaus beginnen.

Bergen-Enkheim: Das Jahr im OBR 16

Eine Palette unendlicher Geschichten

  • vonFriedrich Reinhardt
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In einer Serie blicken wir zurück auf das Jahr in den 16 Ortsbeiräten - aus Sicht unserer Redakteure. Was war das Thema, das den Ortsbezirk in den vergangenen Monaten bewegt und beschäftigt hat? Heute: Ortsbeirat 16 (Bergen-Enkheim).

Schelmenburgplatz, das Alte Rathaus oder das Baugebiet Leuchte; der Bergen-Enkheimer Ortsbeirat hat eine ganze Palette an Projekten auf seinen Tagesordnungen, die scheinbar kein Ende nehmen.

"Im Herbst 2020 beginnt endlich die Sanierung des Alten Rathauses." Mit dieser Aussicht startete der Ortsbeirat, starteten die Bergen-Enkheimer vor zwölf Monaten in das neue, nun alte Jahr. Und was ist geworden? Der gotische Bau, das Wahrzeichen Bergen-Enkheims, steht noch immer so eingerüstet wie vor Jahren schon. Nicht etwa, weil daran so fleißig gearbeitet wird. Die Stangen, Netze und Planen sollen lediglich verhindern, dass Teile des Alten Rathauses auf Fußgänger und Autos auf der Marktstraße stürzen. Das von der Stadt beauftragte Architekturbüro war "aus wirtschaftlichen Gründen" abgesprungen. Ein Rechtsstreit mit dem Architekten verhinderte die Neuausschreibung, weil das Büro für einen Teil seiner unfertigen Arbeit bezahlt werden wollte. Dann musste das neue Architekturbüro eingearbeitet werden. Ein Jahr wurde die Planung so zurückgeworfen. "2022 könnte die Sanierung beginnen." Mit dieser Aussicht starten die Bergen-Enkheimer nun ins neue Jahr.

Bei der Leuchte geht es voran

Vorangegangen ist es dagegen bei einer der anderen unendlichen Geschichten. Das Baugebiet Leuchte soll ab dem Frühjahr gänzlich erschlossen werden, heißt es aus dem Amt für Straßenbau und Erschließung. Der erste Baucontainer und die ersten Bauzäune stehen schon, auch wenn sie nur abgestellt wurden und noch nicht in Betrieb sind. Aber Anfang Juni 2020 hatte die Stadtverordnetenversammlung die rund zehn Millionen Euro für die Erschließungsarbeiten freigegeben. Es war ein Startschuss für jene, die an der Leuchte Grundstücke kaufen wollen.

Immobilienmakler haben begonnen, die ersten Grundstücke zu verkaufen. Auch das St. Katharinen- und Weißfrauenstift hat ein großes Grundstück erworben. Eine Seniorenwohnanlage möchte es bauen. Denkbar seien auch Wohnungen für Altenpfleger. Groß genug sei die erworbene Fläche, und Menschen in dieser Berufsgruppe hätten es schwer, in Frankfurt bezahlbaren Wohnraum zu finden, sagt die stellvertretende Geschäftsführerin Birgit Speicher-Kiefer. So klingen also Nachrichten, wenn Projekte vorankommen.

Auf solche Meldungen musste Bergen-Enkheim im Jahr 2020 mit Blick auf den Schelmenburgplatz vergeblich warten. Dass die geplante Neugestaltung doch nicht 2020 beginnen konnte, teilte die Stadt schon im Dezember 2019 mit. Als neue Leitungen verlegt worden waren, ergaben sich "neue Erkenntnisse zum Untergrund", die nun in die Planung eingearbeitet werden mussten.

Lieber Feste feiern als Bäume pflanzen

Von Verzögerungsmeldungen geprägte Bergen-Enkheimer zuckten im Oktober womöglich zusammen und dachten Schlimmes ahnend: "Oh, nein!" Ortsvorsteherin Renate Müller-Friese hatte aus einem Gespräch mit dem Planungsamt berichtet, es gebe einen neuen Plan mit Bäumen in der Mitte des Platzes. Normalerweise eine gute Idee in einer sich aufheizenden Stadt, in diesem speziellen Fall aber das Gegenteil dessen, was der Ortsbeirat und viele Bergen-Enkheimer wollen. Der Schelmenburgplatz braucht Platz für das Altstadtfest, das Schelmenspiel und einen Wochenmarkt, den der Ortsbeirat gern etablieren möchte.

Doch Grund für Befürchtung, dass Neuplanungen nötig würden oder ein Streit zwischen Ortsbeirat und Stadtplanung die Sanierung verzögern könnte, gibt es nicht. Bei einem Gespräch konnte das Missverständnis ausgeräumt werden. Den darauffolgenden gemeinsamen Antrag aller Ortsbeirat-Fraktionen, "auf jedwede Grünbepflanzung auf dem Platz zu verzichten, die zulasten von Parkplätzen oder Veranstaltungen gehen würde", habe man nur gestellt, um das Abgesprochene schriftlich festzuhalten, erklärt Günther Kraus, Fraktionsvorsitzender von "Wir Bergen-Enkheimer" (WBE). Laut Antrag beginnt die etwa 16-monatige Bauphase im Herbst 2021, wahrscheinlicher im Frühjahr 2022. Die Bauarbeiten an der Schule am Ried und an der Schule am Hang, die im neuen Jahr beginnen sollen, will der Ortsbeirat genau im Auge behalten. Sie sollen sich nicht einreihen in die Sammlung unendlicher Geschichten. Als im Mai das Revisionsamt der Stadt die Pläne für die Schule am Ried mit Kosten von rund 26 Millionen Euro als zu teuer deklarierte, hätten schnell Verzögerungen entstehen können. Die Stadtverordnetenversammlung stimmte der Vorlage des Magistrats dann aber dennoch zu. Im ersten Quartal 2021 sollen die Arbeiten beginnen, ebenso die Erweiterung und Sanierung der Schule am Hang. Sie wird auf den Parkplatz der Schule am Ried ausgelagert.

Zu hoffen bleibt, dass die Schulbauten zu einem schnellen Ende kommen und nicht zu weiteren unendlichen Geschichten verkommen.

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