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Ute Posenenske (Mitte), Initiatorin des Chamissogartens, mit den Kursteilnehmerinnen Cornelia (li.) und Claudia Scharmschula.

Gärtnern und Imkerei

Der Chamissogarten: Eine grüne Oase mitten in der Stadt

Der Chamissogarten ist eine grüne Oase mitten in der Stadt. Dahinter verbirgt sich eine gemeinnützige Initiative, die Menschen über das gemeinsame Gärtnern, Honigbienen und die Imkerei zusammenbringen und informieren möchte.

Frankfurt - Das Summen der Bienen, die in ihren Stock hineinfliegen, ist kaum zu hören. Die fleißigen Insekten scheren sie nicht um die steigenden Temperaturen auf dem Thermometer und auch nicht um die Menschen, die an diesem Vormittag im Chamissogarten die Pflanzen gießen. Er herrscht ein geschäftiges Treiben vor und im Bienenstock, dessen Inneres Ute Posenenske für Besucher mit ihrer Schaubeute sichtbar machen kann. So wird eine Behausung für Bienen genannt, in die Menschen von außen hineinblicken können.

Die Diplom-Heil- und Bienenpädagogin öffnet den Kasten und verdeutlicht, dass die Bienen ihren Stock so gestalten dürfen, wie sie es selbst möchten. Diese Freiheit ist ein Bestandteil der wesensgemäßen Bienenhaltung und Imkerei, der Posenenske nachgeht. Im Stock selbst zeigt sich ein imposantes Bauwerk aus Waben. Eine Scheibe Acrylglas trennt den Betrachter von den vielen tausend Bienen. So kann jeder, auch derjenige, der vielleicht Angst davor hat gestochen zu werden, den Tieren entspannt bei ihrer Arbeit zuschauen und mehr über die für den Menschen wichtigen Insekten erfahren.

Schmiedeeisernes Tor

Der Chamissogarten ist ein Kleinod mitten im Wohngebiet an der Chamissostraße 38. Auf den ersten Blick ist das rund 2 500 Quadratmeter große Grundstück, das im städtischen Eigentum steht, nicht auszumachen. Wer hinein möchte, der muss durch ein schmiedeeisernes Tor gehen. Ute Posenenske hat es von der Stadt mitgepachtet. Über lange Zeit war früher auf dem Gelände eine Gärtnerei ansässig, von denen auch die alten, fast nostalgisch wirkenden Gewächshäuser auf dem Grundstück zeugen.

Voller Pflanzen, grün und blühend ist es immer noch. Ute Posenenske möchte den Garten nach und nach zu einem inklusiven, interkulturellen und ökologischen Bienengarten gestalten und zwar gemeinsam mit anderen Menschen. Es wird gemeinsam gestaltet, aber auch Angebote gemacht, an Kinder, Jugendliche und Erwachsene etwa zum Thema Honigbienen, bei denen Teilnehmer mehr über die Insekten und die Imkerei erfahren.

Der Garten soll zu einem Ort der Begegnung für alle Generationen werden und vor allem auch Möglichkeiten für Jugendliche und junge Erwachsene mit Beeinträchtigungen schaffen, dort ein Praktikum zu machen oder langfristig auch eine Ausbildung zu absolvieren, beispielsweise in einem kleinen Café, das sie gerne auf dem Grundstück einrichten würde. Angesprochen auf das Thema Inklusion sagt Ute Posenenske: "Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen werden in den Schulen gefördert, als Erwachsene aber haben sie kaum Möglichkeiten, einen Platz in der regulären Arbeitswelt zu finden. Das muss sich ändern."

Das sind Ideen, die die Heil- und Bienenpädagogin gerne realisieren möchte. Sie ist als Lehrerin an der Michael-Schule - Waldorfschule für Förder- und Heilpädagogik in Griesheim tätig, unterrichtet dort in den Fächern Musik und Gartenbau. Für die Realisierung des Chamissogarten-Projekts hat sie sich derzeit freistellen lassen. Wann und wie ihre Ideen umgesetzt werden können, das hängt von mehreren Faktoren ab - besonders auch von finanziellen Förderungsmöglichkeiten. Durch eine Spendenaktion und mit Unterstützung der Frankfurter Stabsstelle Inklusion gibt es seit kurzem auch eine barrierefreie Streu-Toilette auf dem Gelände.

Individuelle Stärken

Zu einem Ort der Begegnung ist der Chamissogarten, der rechtlich eine gemeinnützige Unternehmergesellschaft (UG) ist, seit dem Start der Initiative im Herbst vergangenen Jahres bereits geworden. Beate Rudolph kommt gerne in den Garten, um mitzuhelfen und mehr über Bienen zu erfahren. "Es ist ein tolles Nachbarschaftsprojekt, das für alle Menschen offen ist", findet Rudolph.

"Vielen Menschen unterschiedlichen Alters und Herkunft können miteinander auf dem Gelände arbeiten und sich hierdurch begegnen und kennenlernen", sagt Posenenske. Ansprechen möchte sie insbesondere auch Interessierte, die erst seit kurzem in der Stadt leben. "Die Imkerei ist ein Thema, das in anderen Kulturen einen großen Stellenwert einnimmt. Das Gärtnern auch. Hier können Menschen ihre Stärken mit einbringen und auch anderen neue Perspektiven aufzeigen."

von Alexandra Flieth

INFO:

Neben den Honigbienen, von denen es im Chamissogarten gleich mehrere Völker gibt, die in Stöcken leben, wird auf dem Gelände ein ökologischer, artenreicher Schau- und Lehrgarten nach den Prinzipien der Permakultur gestaltet. Erträge aus dem Gemüse- und Obstanbau werden solidarisch geteilt. Jeder, der Spaß am gemeinsamen Gärtnern hat, kann mitmachen. Der Ort soll auch ein Kulturraum sein, an dem unter anderem kleinere Konzerte, Lesungen und Seminare organisiert werden. Wie zum Beispiel ein Seminar zum Thema "Bierbrauen" von A bis Z, das am 17. August und am 21. September im Garten angeboten wird. Die Teilnahme am fünfstündige Kurs kostet 50 Euro pro Person.

Wer den Garten in der Chamissostraße 38 kennenlernen möchte, der hat hierzu beim Tag der offenen Tür am Samstag, 14. September, ab 13 Uhr die Gelegenheit. Weitere Infos zum Projekt gibt es im Internet unter www.chamissogarten.de alf

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