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In Koblenz gibt es bereits eine Seilbahn zur Festung Ehrenbreitstein. dpa

Kollaps

Kann die Seilbahn in hessischen Städten die Verkehrsprobleme lösen?

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Seilbahnen kommen in Mode – auch außerhalb der Berge. In hessischen Städten ist das luftige Verkehrsmittel in der Diskussion, um Stauprobleme zu lösen.

Sind Seilbahnen der Problemlöser für verkehrsbelastete Innenstädte? Die Metropolen Ankara, La Paz und Portland nutzen schon lange dieses Verkehrsmittel. Jetzt will es auch die bayerische Hauptstadt München prüfen und hat eine Machbarkeitsstudie für eine Seilbahn in Auftrag gegeben.

Der RMV steht dem Verkehrsmittel Seilbahn in Städten positiv gegenüber

Auch beim Rhein-Main-Verkehrsverband (RMV) steht man dem Verkehrsmittel Seilbahn positiv gegenüber. „Im Zuge der Verkehrsentwicklung sind innovative Ideen wie Seilbahnen durchaus denkbar“, sagt RMV-Sprecherin Vanessa Rehermann. Sinnvoll seien sie auf kurzen Strecken von wenigen Kilometern, so dass sie vor allem als Zu- und Abbringer zu Bahnhöfen und anderen Verkehrsknotenpunkten dienen könnten. Derzeit gebe es mehrere Ideen für Seilbahnen im RMV-Gebiet, beispielsweise über den Main oder zwischen Schmitten und Hohemark. „Wir unterstützen dabei gerne etwaige Machbarkeitsstudien“, so Rehermann weiter.

In Frankfurt ist ein Seilbahnprojekt dagegen bislang kein Thema. Im Gespräch waren bislang eine Seilbahn, die den Waldparkplatz mit der Endhaltestelle der Stadionstraßenbahn verbinden sollte. Angedacht war ebenfalls eine Seilbahn über die A5 vom Rasthof „Taunusblick“ bis zur U-Bahn-Haltestelle Heerstraße. Aus beiden Überlegungen wurde nichts.

Debatte in Marburg: Eine Seilbahn gegen den Verkehrskollaps?

Und wie sieht es im übrigen Hessen beim Thema Seilbahnen aus? Die Universitätsstadt Marburg wäre eine Option. Das ist jedenfalls die Meinung von Heiko Nickel, Geschäftsführer des hessischen Landesverbandes des Verkehrsclub Deutschlands (VCD). Die geografische „Kessellage“ der mittelhessischen Stadt könnte für das Verkehrsmittel Seilbahn durchaus geeignet sein. Doch davon will Marburgs Oberbürgermeister Thomas Spies (SPD) nichts wissen: „Eine Seilbahn wird es in Marburg nicht geben“, sagt das Stadtoberhaupt.

Als Alternativen zu einer Seilbahn werden in Marburg derzeit beispielsweise eine Straßenbahn oder Regio-Tram und auch ein elektrifiziertes Bussystem mit einer Oberleitung und einer Batterie-Hybrid-Lösung diskutiert.

Straßenbahn in Frankfurt sinnvoller

„Anders als in den Bergen, wo die Seilbahn-Fahrt schon eine Attraktion an sich darstellt, gilt im ÖPNV nur: Möglichst viele Personen möglichst schnell von A nach B zu bringen. Und das am besten, ohne umzusteigen“, sagt der VCD-Experte. Deshalb sieht Nickel den aus „Teilen der Frankfurter CDU“ stammenden Vorschlag, besagten Parkplatz des Waldstadions mit einer Seilbahn mit der Straßenbahn vor dem Stadion zu verbinden, als grenzwertig an. „Der Waldparkplatz sollte dann P+R-Anlage sein und die Leute mit der Seilbahn zur Straßenbahn befördern“, so Nickel. Aus Sicht des VCD keine gute Idee. „Speziell hier können die Leute mit ihren Pkw auch gleich direkt zur S-Bahn-Station Stadion fahren und ihr Auto am dortigen P+R-Platz abstellen“, so der VCD-Geschäftsführer. Das erspare ihnen die Seilbahnfahrt und das weitere Umsteigen. Letztlich bewerte der VCD die Straßenbahn als das Verkehrsmittel mit deutlich höherem Potenzial für Frankfurt. Auch in Runkel im Kreis Limburg-Weilburg scheiterte ein Seilbahn-Projekt, das Radfahrer über die Lahn bringen sollte.

Trotz alledem: Für den Verkehrsexperten des ADAC Hessen-Thüringen, Wolfgang Herda, eigneten sich Seilbahnen, um „die Trennwirkung“ von Flüssen und (Stadt-)Autobahnen oder Hanglagen zu überwinden: Städte mit solchen „Kessellagen“ sind für ihn zum Beispiel Wiesbaden, Marburg und Stuttgart. Denkbar sei der Einsatz solcher Verkehrsmittel auch, wo größere Fußgängerströme auftreten können, so Herda. In Frage kämen Seilbahnen insbesondere in neuen Bebauungsgebieten und Stadtvierteln wie in Frankfurt an der A5-Tank&Rast-Anlage „Taunusblick“ und in Wiesbaden („Ostfeld“), die erschlossen und bebaut werden sollen. Seilbahnen könnten dort als Zubringer zu den Bus-, U- und S-Bahnhöfen dienen. „In den gewachsenen Stadtstrukturen können Seilbahnen aber nur ein ergänzendes Mittel sein, die Stauprobleme abzumildern“, sagt Herda.

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