Ein letztes Foto aus glücklichen Tagen: Goldina Hirschberg (2. v. re.) mit ihrem Mann Seligmann, ihrer Mutter Julie Amram (re.) und ihrer Schwester Frida Amram (li.) auf der Veranda des Kinderhauses in der Hans-Thoma-Straße.
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Ein letztes Foto aus glücklichen Tagen: Goldina Hirschberg (2. v. re.) mit ihrem Mann Seligmann, ihrer Mutter Julie Amram (re.) und ihrer Schwester Frida Amram (li.) auf der Veranda des Kinderhauses in der Hans-Thoma-Straße.

Frankfurter Neubaugebiet

Eine Straße für Goldina Hirschberg

  • Judith Dietermann
    vonJudith Dietermann
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Wege im Schönhof-Viertel erinnern an in der Nazi-Zeit verfolgte Frauen.

Es ist ein Nachmittag 1941, wahrscheinlich im Frühling oder im Sommer. Der Tisch auf der Veranda des jüdischen Kinderhauses in der Hans-Thoma-Straße ist gedeckt, es gibt Kaffee und Kuchen. Gelöst lacht Goldina Hirschberg in die Kamera, auch ihr Mann Seligmann Hirschmann, ihre Schwester Frida Amram und ihre Mutter Julie Amram sind bester Laune. Denn zu diesem Zeitpunkt wissen sie nicht, dass schon in einem Jahr alles anders sein wird.

Frida, Leiterin des Kinderhauses, wird im Juli 1942 der "Hamsterei" beschuldigt und verhaftet. Am 15. September 1942 werden Goldina, die die kommissarische Leitung des Heims übernommen hat, Seligmann, Julie, 43 Kinder und weitere Mitarbeiter nach Theresienstadt und dann nach Auschwitz gebracht. Am 28. Oktober 1944 wird Goldina Hirschberg dort ermordet.

Bislang erinnert ein Stolperstein in der Hans-Thomas-Straße 24 an ihr Schicksal, künftig wird auch eine Straße ihr Andenken wachhalten, und zwar im künftigen Schönhof-Viertel südlich der Rödelheimer Landstraße. Das hat der Ortsbeirat 7 (Hausen, Industriehof, Praunheim, Rödelheim, Westhausen) beschlossen. In seiner nächsten Sitzung soll der interfraktionelle Antrag verabschiedet werden. Die von der Rödelheimer Landstraße abzweigende, noch zu bauende Straße, die auf die Kasernenstraße mündet, soll nach Goldina Hirschberg benannt werden.

Zudem haben die Stadtteilpolitiker entschieden, den Birkenweg in Valentina-Archipowa-Straße umzubenennen. Die russische Fremdarbeiterin wurde 1943 für die Entwendung von zwei Metern angesengten Stoffes in Frankfurt zum Tode verurteilt. Die noch zu bauende Verbindungsstraße zwischen den beiden Straßen soll nach ihr benannt werden. Die Zeugin Jehovas wurde 1942 in der "Euthanasie"-Anstalt in Berneburg ermordet.

Bereits 2019 habe man begonnen, sich Gedanken über die Straßennamen im Schönhof-Viertel zu machen, sagt Hans-Jürgen Sasse, SPD-Fraktionschef. Konkret wurde es Anfang 2020. Schnell einigte man sich, dass die Straßen an Frauen, die im Nationalsozialismus verfolgt wurden, erinnern sollen. "Die CDU hatte zudem den Wunsch, dass eine Straße nach einer Frau benannt wird, die Opfer der DDR-Diktatur war. Das soll bei der Umbenennung der Kasernenstraße passieren", sagt Sasse. Denn diese müsse auch einen neuen Namen erhalten, denn es gebe "weit und breit keine Kaserne mehr".

Der künftige Quartiersplatz, die Grüne Mitte, soll erst später einen Namen erhalten. "Uns war wichtig, dass wir zumindest den ersten Schritt noch in dieser Legislaturperiode abschließen können. Es ist das letzte große Projekt des Ortsbeirates in seiner jetzigen Konstellation", erklärt Hans-Jürgen Sasse, dass es allen Mitgliedern wichtig war, den Antrag auf die Tagesordnung zu bringen. judith Dietermann

Der Ortsbeirat 7 tagt

Die Sitzung beginnt am Dienstag, am 23. Februar, um 19.30 Uhr im Bürgerhaus Nordweststadt, Walter-Möller-Platz. Das Tragen einer medizinischen Gesichtsmaske ist Pflicht.

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