Günter Hehl, Wirt des Apfelweinlokals Ebbelwoi Hehl, und Becky Suck vom SPD-Ortsverein wollen helfen: Sie eröffnen eine Tafel für Bedürftige. foto: Leonhard hamerski
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Günter Hehl, Wirt des Apfelweinlokals Ebbelwoi Hehl, und Becky Suck vom SPD-Ortsverein wollen helfen: Sie eröffnen eine Tafel für Bedürftige.

Niederrad: Hilfe aus Frankfurt

Eine Tafel für Bedürftige wird dringend gebraucht

  • VonStefanie Wehr
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Wirt Günter Hehl und die SPD wollen Menschen helfen, die sich keine Lebensmittel leisten können

Günter Hehl wollte nicht mehr länger tatenlos herumsitzen. Sein Apfelweinlokal Ebbelwoi Hehl in der Schwanheimer Straße ist seit November dicht, als Vorsitzender des Gewerbevereins Frankfurt und Mitglied der Initiative Gastronomie Frankfurt (IGF) kämpft er um die Belange seiner Zunft.

Doch der Wirt weiß: "Uns Gastronomen geht es wegen der Coronakrise ziemlich schlecht. Aber vielen Leuten geht es noch viel schlechter." Vor kurzem habe er die Restauranttür offen gehabt, weil er drinnen etwas zu erledigen hatte. "Da kam ein Ehepaar aus der Nachbarschaft und fragte, ob ich etwas zu essen hätte für sie. Aus Gesprächen hier in Niederrad weiß ich, dass es Familien gibt, die nicht wissen, ob und was sie am nächsten Tag etwas zu essen haben werden. Das hat mich so berührt", erzählt Hehl.

Bäckereien und Großmärkte spenden

Und so nahm er den Telefonhörer in die Hand und ließ seine Kontakte spielen. Zu Selgross etwa, dem Lebensmittelgroßmarkt in Neu-Isenburg und zur Großmarkthalle Eschborn. "Sie haben sich bereit erklärt, frische Lebensmittel zur Verfügung zu stellen, die übrig geblieben sind, Obst und Gemüse. Aber auch andere Ware, die kurz vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum steht." Damit soll die Tafel bestückt werden, die der Gastwirt zusammen mit anderen Helfern aus Niederrad am Samstag, 8. Mai, im Hof des Restaurants auf die Beine stellen will. Mit dabei im Organisationsteam ist Becky Suck von der SPD Niederrad. Bei den Sozialdemokraten und bei den Mitgliedern des Niederräder Karnevalsvereins will sie Helfer zusammentrommeln. "Wir brauchen Fahrer, die die Ware abholen", überlegt Hehl. "Wir wollen auch örtliche Bäckereien anfragen, ob sie übriggebliebenes Brot an dem Tag an uns abgeben können", sagt Becky Suck. Das Datum wurde so gelegt, dass sich der Ausgabetag nicht mit dem der Frankfurter Tafel im Mainfeld überschneidet. Die Tafel betreibt üblicherweise alle zwei Wochen im Jugendtreff eine Ausgabestelle, die bis zu 300 Bedürftige mit Lebensmitteln versorgt. Ein Samstag fällt dort jedoch wegen des Maifeiertags aus, so dass drei Wochen keine reguläre Tafelausgabe in Niederrad stattfindet. "Da wollen wir dann am 8. Mai unser Angebot starten".

Die Tafel bei Ebbelwoi Hehl ist zunächst nur für den einen Termin angesetzt. "Wir schauen mal, wie groß der Bedarf ist und wie es läuft", sagt Becky Suck, "dann überlegen wir, ob wir weitermachen." In Sachen Organisation haben sich die beiden bei der Frankfurter Tafel erkundigt. "Auch bei uns müssen Abnehmer einen Frankfurt-Pass besitzen", erklärt Hehl.

Dass sich wegen Corona mehr Menschen bei den zwölf Tafeln der Stadt anstellen und die Zahl der Bedürftigen gestiegen ist, kann die Leiterin der Frankfurter Tafel, Edith Kleber, indes nicht bestätigen. "Bis jetzt ist alles noch im Normalbereich", sagt Kleber. "Aber wir erwarten zum Ende der Coronakrise hin, dass sich dann zeigt, wie viele dauerhaft arbeitslos geworden sind."

Bedürftigkeit abklären

Private Tafeln aus dem Boden zu stampfen, findet sie begrüßenswert, denn "je mehr Helfer, desto besser". Doch die Anbieter müssten sich untereinander dringend abstimmen. Denn wenn Essen verteilt wird, tauchten allzu oft entweder Nutznießer auf, die gar nicht wirklich darauf angewiesen seien. Manch ein Lebensmittel lande dann doch im Müll, wenn gar zu viel verteilt würde. "Deshalb fordern wir auch die Vorlage des Frankfurt-Passes, damit die Bedürftigkeit belegt ist", erklärt Kleber. Niemand müsse indes im Notfall hungern, gibt die Tafel-Leiterin zu bedenken. Die kirchlichen Sozialträger der Stadt böten täglich Frühstück und Essen an, in Sachsenhausen etwa in der Avetorstubb der Caritas. Dort am Affentorplatz ist auch die Sachsenhäuser Ausgabestelle der Frankfurter Tafel untergebracht.

Die Tafel bei Ebbelwoi Hehl eröffnet am Samstag, 8. Mai, um 16 Uhr im Hof der Schwanheimer Straße 70a. Stefanie Wehr

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