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Im Katzengehege sieht es dank vieler Spenden und Arbeitsstunden wieder alles schön und aufgeräumt aus. Auch Kater Luigie, der damals noch nicht im Tierheim war, fühlt sich wohl inmitten der spannenden Spielgeräte - hier kuschelt er mit Petra Decken.

Interview mit Tierschutzvereinsvorsitzenden

Petra Decken erinnert sich an die Brandnacht – und berichtet von den Aufbauarbeiten

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Die letzten Reparaturarbeiten am Dach des Hauptgebäudes des Tierheims Nied werden dieser Tage gemacht. Endlich ist nach dem schlimmen Brand Ostern vor gut einem Jahr wieder Normalität eingezogen beim Tierschutzverein Schwalbach und Frankfurt-West. Im Gespräch mit Redakteur Michael Forst beschreibt die Vorsitzende Petra Decken den Schrecken jener Nacht, berichtet aber auch von der Solidarität, Hilfe und Spendenbereitschaft in der Zeit danach.

Wie haben Sie den Brand damals erlebt?

Es war irgendwann nach Mitternacht vom Ostersonntag auf Ostermontag. Der Gartennachbar rief mich an, dass es bei uns brennt. Er hat auch gleich die Feuerwehr alarmiert. Ich bin von meinem Wohnort Nidderau so schnell, wie ich konnte, hergekommen, bin auch zweimal geblitzt worden. Es war wie im Albtraum. Als ich ankam, war die Feuerwehr schon mit etlichen Fahrzeugen am Löschen. Auch die anderen Vorstandsmitglieder und Vereinsmitglieder waren vor Ort und halfen der Feuerwehr, die Katzen aus dem Raum zu retten.

In welchem Zustand waren sie?

Die saßen alle verängstigt in den Ecken, eine hockte sogar im brennenden Kratzbaum. Ich nahm sie erstmal mit nach Hause. Sie waren total verrußt und traumatisiert - aber sie lebten! Das war ein kleines Wunder, zumal die Wände und Gitter aus Plexiglas, ebenso die Kratzbäume in Flammen standen oder wegschmorten. Es tropfte heiß von der Decke. Nach und nach haben sich aber alle Katzen erholt.

Also galt hier: Glück im Unglück?

Unbedingt, da kamen so vieles zusammen: Der Nachbar, der so spät noch im Garten war und das Feuer bemerkte; die Feuerwehr, die ja hier am Nieder Kirchweg ganz in der Nähe ihren Sitz hat und innerhalb von fünf Minuten zur Stelle war. Die Freiwillige Feuerwehr Nied kam rasch dazu - und half uns in den nächsten Tagen außerdem, den ganzen Schutt und Schlamm wegzuräumen.

Wie stark haben Sie die Folgen des Brandes beschäftigt?

Das war schon eine Belastung und fast ein Vollzeitjob. Ich habe wochenlang nichts anderes machen können, als mich um Bilder, Versicherungsgutachten und Kostenvoranschläge zu kümmern. Dazu kam natürlich auch die Aufgabe, die Menschen über alles auf dem Laufenden zu halten. Die anderen Mitarbeiter haben für mich in dieser Zeit das Tagesgeschäft übernommen.

Sie haben dann auf Facebook und ihrer Webseite einen Spendenaufruf gestartet.

Genau. Die Resonanz und Anteilnahme der Menschen war unheimlich stark. Sie ließen uns großzügige Spenden zukommen, Tierschutzvereine der Umgebung boten an, Tiere zu übernehmen, Firmen besorgten uns neue Kratzbäume und Futter. Auch die Stadt Schwalbach, für die wir ja auch zuständig sind bei den Fundtieren und eingewiesenen Tieren, hat uns sofort unterstützt. Mit den Zuwendungen konnten wir auch das teils geschädigte Hauptdach komplett erneuern.

Trümmerfeld: Petra Decken am Tag nach der Unglücksnacht im völlig ausgebrannten Außengehege der Katzen.

Wie stark waren sie in Ihrer Arbeit eingeschränkt?

Wir konnten fast ein Jahr lang das Außengehege nicht mehr nutzen und entsprechend weniger Katzen aufnehmen. Das bedeutete auch, dass wir manchmal auch Menschen, die uns Tiere brachten, an andere Vereine verweisen mussten. Im vergangenen Jahr hatten wir etwa 60 Katzen weniger als die Jahre davor.

Inwiefern hat das Unglück den Verein noch näher zusammenrücken lassen?

Wir haben den Vorteil, dass wir ein kleiner Verein und eine gute Gemeinschaft sind. Einmal im Monat trifft sich unser elfköpfiger Vorstand, wir sind alle dicht dran an den Dingen. Auch wenn die meisten von uns ja noch Vollzeit arbeiten: Der Einsatz für den Wiederaufbau war bei allen groß.

Sie rühren ja übers Jahr mit vielen Aktionen die Werbetrommel für den Verein . . .

Das tun wir in der Tat. Am Samstag veranstalten wir beispielsweise unseren Flohmarkt, einen weiteren dann im Herbst. Am 22. und 23. Juni feiern wir unser Sommerfest. Außerdem sind wir immer auf den Weihnachtsmärkten in Schwalbach und in Nied mit einem Stand vertreten.

Zu ihrem Alltag hier im Tierschutzverein: Wie schwierig ist es, besonders ältere Katzen zu vermitteln?

Am schwierigsten ist die Kombination: Alt, krank und scheu. Und rein schwarze Katzen, da spielt immer noch ein tief verwurzelter Aberglaube mit rein. Bei schwarzen Hunden ist es übrigens ähnlich. Solche Tiere bleiben oft lange bei uns. Wobei auch manche Menschen durchaus bereit sind, alten Tiere in deren letzten Lebensjahren ein Zuhause zu schenken. Das machen wir dann oft in Pflege, das heißt, wir übernehmen die Kosten für den Tierarzt. Was andererseits erfreulich ist hier in unserer städtischen Umgebung: Die Leute sind offener gegenüber Katzen mit nur einem Auge, Stummelschwanz oder anderen Behinderungen und Eigenheiten. Tierschutzkollegen aus dem ländlichen Raum berichten, dass das bei ihnen oft anders ist.

Wie schwer fällt es Ihnen eigentlich, sich von Katzen wieder trennen zu müssen?

Das ist vollkommen in Ordnung für uns. Sie sollen ja nicht ihr ganzes Leben hier bleiben. Ich führe zwar nicht alle Vermittlungsgespräche, mache aber die Vorkontrollen und bringe die Tiere in ihr neues Zuhause. Ich weiß also, wo sie hinkommen. Und der Kontakt zu den neuen Besitzern bleibt auch zumindest die erste Zeit noch bestehen.

Aus welchen Gründen müssen Sie manchen Interessenten absagen?

Es gibt einige Ausschlusskriterien: Die Wohnung ist zu klein, die Besitzer sind nicht oft genug zu Hause oder der Balkon wird nicht abgenetzt. Auch einzelne Katzen vermitteln wir in der Regel nicht, es sei denn, sie wurden von kleinauf zu Einzelgänger erzogen. Manchmal fragen mich die Leute, ob ich die Katzen denn nicht loswerden möchte. Dann sage ich ganz klar: "Nein, ich möchte, dass sie ein gutes Zuhause bekommen für die nächsten 15 bis 20 Jahre."

Der Tierschutzverein lädt für den morgigen Samstag von 10 bis 16 Uhr zum Frühlingsflohmarkt auf dem Tierheimgelände in Nied unter der Schwanheimer Brücke ein. Wer selbst einen Stand aufbauen und seine Schätze feilbieten möchte, ist herzlich willkommen. Die Standgebühr beträgt 5 Euro und einen selbstgebackenen Kuchen. Tische, Stühle und evtl. ein Pavillon müssen selbst mitgebracht werden, Aufbau ab 9 Uhr. Anmeldungen für den Verkauf beim Tierheim Nied, Nieder Kirchweg, 65934 Frankfurt, Telefon: (0 69) 39 91 11 täglich von 12-14 Uhr oder per Mail an: info@tierheim-nied.de red

INFO:

Morgen: Flohmarkt

Der Tierschutzverein lädt für den morgigen Samstag von 10 bis 16 Uhr zum Frühlingsflohmarkt auf dem Tierheimgelände in Nied unter der Schwanheimer Brücke ein. Wer selbst einen Stand aufbauen und seine Schätze feilbieten möchte, ist herzlich willkommen. Die Standgebühr beträgt 5 Euro und einen selbstgebackenen Kuchen. Tische, Stühle und evtl. ein Pavillon müssen selbst mitgebracht werden, Aufbau ab 9 Uhr. Anmeldungen für den Verkauf beim Tierheim Nied, Nieder Kirchweg, 65934 Frankfurt, Telefon: (0 69) 39 91 11 täglich von 12-14 Uhr oder per Mail an: info@tierheim-nied.de

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