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Foto: Inhaber Antonio Grande in seinem Restaurant Azzurro am Westendplatz 42.

Gastro-Tipps

Einer von 1000 Köchen verwöhnt das Westend

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Der Familie Grande scheint die Gastronomie im Blut zu liegen. Antonio Grande hat kürzlich das „Azzurro“ am Westendplatz eröffnet. Vater Sabatino Grande arbeitet als Küchenchef seines Bruders Franco

Der Familie Grande scheint die Gastronomie im Blut zu liegen. Antonio Grande hat kürzlich das „Azzurro“ am Westendplatz eröffnet. Vater Sabatino Grande arbeitet als Küchenchef seines Bruders Franco Grande, der seit Jahren das „Vini da Sabatini“ im Grüneburgweg betreibt. Aber vielleicht geht ihre gemeinsame Leidenschaft auch auf den gemeinsamen Geburtsort zurück: „Wir stammen aus Mandatoriccio, einer kleinen Stadt in Kalabrien, die als Heimat der 1000 Köche gilt“, erzählt Antonio Grande. „Überall in der Welt finden sich Köche, die in Mandatoriccio geboren wurden, aufgewachsen sind und dort die ersten Schritte in ihrem Beruf gemacht haben.“

Der Küchenchef der „Scuderia“ gehört ebenfalls dazu. Das Restaurant im Westend hat für Antonio Grande eine besondere Bedeutung. Inhaber Mario Desortes ist der Vater seiner Freundin Speranza. Sie wollte er besuchen, als er vor vier Jahren nach Frankfurt kam – er fand sie und eine zweite Heimat. Und einen Job: In der „Scuderia“ war der gelernte Koch allerdings als Kellner tätig. Im vergangenen November hat er mit dem „Dal Pescatore“ ein bekanntes Lokal übernommen, das er im Januar auf den Namen „Azzurro“ taufte. „Das Lied von Adriano Celentano hat mich dazu inspiriert“, sagt er.

Ein großes Foto des italienischen Sängers zählt deshalb zur neuen Ausstattung des Restaurants. Während die braunen Tische und Stühle noch vom Vorgänger stammen, hat Grande den Gastraum in Cappuccino und Burgunder gestrichen. Damit bringt er etwas mehr Ruhe in das früher sehr farbenfrohe Ambiente. Dass die Wände weniger Bilder schmücken, trägt außerdem zu einer klareren Linie bei. Mit steigenden Temperaturen sitzen die Gäste natürlich lieber unter freiem Himmel. Schönheitskorrekturen entdeckt man auch auf der Terrasse, und zwar in Form eines Holzbodens und der neuen Markise.

Draußen wie drinnen gibt es viele der Fischgerichte, die schon dem „Dal Pescatore“ ein treues Publikum bescherten. Das Küchenteam untersteht weiterhin dem Kommando von Saverio De Filippis. Der gebürtige Kalabrese fungierte zuvor auch als Padrone, hat das Lokal aber an Grande verkauft. „Ich habe ihm das Angebot gemacht, als Chefkoch zu bleiben, und bin sehr froh, dass er Ja gesagt hat.“

Beim neuen Betreiber kommen neben Fischfans auch Liebhaber von kalabrischen Fleischgerichten auf ihre Kosten. Und diese bewegen sich meistens auf Westend-Niveau: Eine klassische Vorspeisenvariation für 16,50 Euro muss man sich leisten können und wollen. Qualität und Zubereitung der vier Kostproben (gebratene frische Pilze, Tomaten und Mozzarella, Vitello Tonnato sowie Rucola und Parmaschinken) sind dafür einwandfrei. Die kurz gebratenen Thunfischfilets in Pfefferkruste samt fein abgeschmecktem Avocadosalat präsentieren sich auf demselben Niveau und schlagen mit 18,50 Euro zu Buche. Den Fisch, so Grande, lasse er sich von Venos liefern, denn mit dem Rödelheimer Feinkostladen habe er nur gute Erfahrungen gemacht. Bei den als Hauptgang servierten Paccheri (kurzen und breiten Röhrennudeln) setzt der Küchenchef auf ein Zusammenspiel von kräftigen und milden Aromen, von Salsiccia und Steinpilzen (14,50 Euro). Zum festfleischigen Seeteufel mit Zucchini-Kartoffel-Kruste hingegen können sich die Gäste knackig gegartes Gemüse schmecken lassen (26,50 Euro).

In seinem gut bestückten Weinkeller hält Grande zum Fisch beispielsweise einen Bianco di Custoza bereit (0,2 l für 8,50 Euro). „Er stammt von der Familie Sacchetto, den Inhabern der gleichnamigen Cantina zwischen den Provinzen Treviso, Padua und Venedig.“ Mit seinen mild-würzigen Aromen passe der Weißwein nicht nur zu Fisch, sondern auch zu Geflügel. Welche Erzeugnisse es außerdem auf die Karte schaffen, entscheiden der Betreiber und sein Chefkoch gemeinsam. Ihre Kollektion umfasst viele Produkte von bekannten Weingütern wie Gaja und Ornellaia. „Diese können Stammgäste seit neuestem auch im Keller trinken und dazu eine Zigarre aus unserem Humidor genießen“, sagt Grande – dem die Gastronomie ganz offensichtlich im Blut liegt.

Azzurro

Westend, Westendplatz 42, Tel. (0 69) 17 20 28, , Mo–Fr 12–15 + 18–24, Sa 18–24 Uhr, Sonntag Ruhetag, Sitzplätze: 45 drinnen/70 draußen, Küche: italienisch

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