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28.06.2018, Thüringen, Rauenstein: Rettungskräfte stehen vor dem Ferienzentrum Rauenstein. 40 Kinder und Betreuer haben über Übelkeit, Bauchschmerzen und Brechdurchfall geklagt. Der Auslöser der Erkrankungen sei noch ungeklärt. (zu dpa "40 Kinder und Betreuer mit Übelkeit und Brechdurchfall" vom 28.06.2018) Foto: News5 / Ittig/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Epidemie

In einer Freizeitanlage ist bei Frankfurter Jugendlichen der Norovirus ausgebrochen

Die Ferienwoche hatte gerade begonnen, da wurde sie für die Kinder und Jugendlichen der Herderschule zur Tortur: In einer Ferienanlage in Rauenstein in Thüringen sind mehr als 50 Kinder heftig am Norovirus erkrankt, sie klagten über Bauchschmerzen und Brechdurchfall.

Ausnahmezustand im „Ferienzentrum“ im thüringischen Rauenstein (Kreis Sonneberg): Rund 50 Kinder aus Frankfurt und Berlin mussten gestern von Rettungskräften medizinisch behandelt werden, etwa 25 von ihnen wurden mit Kreislaufproblemen in Krankenhäuser in der Umgebung gebracht. Ein Großaufgebot des Rettungsdienstes sowie der Katastrophenschutz waren gestern vor Ort, nachdem morgens ein Notruf bei der Rettungsleitstelle eingegangen war. Die Ferienanlage wurde zum Quarantänebereich: Keiner durfte das Lager verlassen, und keiner durfte ’rein.

Ob in dem Ferienlager ein Virus umging oder einfach das Essen schlecht war, war zunächst unklar. Gesundheitsamt, Veterinär- und Lebensmittelamt machten sich vor Ort ein Bild der Lage. Am Nachmittag bestätigte das Klinikum in Coburg (Bayern) den Verdacht auf Norovirus. Nach der Diagnose wurde die Quarantäne aufgehoben. Die Kinder sollten nach Hause gebracht werden. Gestern wurden noch Busse gesucht. Die gesunden Kinder konnten gleich abgeholt werden, hieß es gestern.

Insgesamt waren seit dem Wochenende rund 100 Schüler und Betreuer zu Gast, sagte Michael Volk, Sprecher des Landratsamts Sonneberg. Sie waren aufgeteilt auf zwei Gruppen – aus Berlin und aus Frankfurt. Die Frankfurter Gruppe besteht aus elf- bis 18-jährigen Schülern der Integrierten Gesamtschule (IGS) Herder und ihren Betreuern von der Jugendhilfe, mit denen sie auf Sommerferienfahrt sind.

Schon am Sonntagnachmittag habe sich ein Jugendlicher über starke Magenschmerzen beklagt, sagte Katharina Hellwig von der Jugendhilfe, die als Betreuerin mit den Frankfurter Kindern vor Ort ist, einem thüringischen Fernsehteam. „Wir haben ihn versorgt und ins Bett gebracht. Am Montagmorgen hat er mir dann erzählt, dass er sich die ganze Nacht übergeben hat. Am Montag kam dann der nächste und hat gesagt, ihm sei schlecht“, berichtete sie weiter. „Wir haben dann mit den Betreuern der anderen Gruppen gesprochen, diese hatten ebenfalls Fälle. Das hat sich seit Montag epidemieartig verbreitet.“ Die Betreuerinnen informierten gleich die Eltern. In der Nacht zum Donnerstag wurden dann 16 Jugendliche auf einmal krank. Auch tagsüber kamen fast stündlich neue Fälle hinzu.

Träger der Jugendhilfe ist der Frankfurter Verein Junularo, der in Frankfurt an mehreren Schulen Projekte wie Schülercafés leitet sowie das Mädchenkulturzentrum Mafalda im Nordend und das Jugend-Café Müller in Sachsenhausen betreibt. Wie es nun für die Kinder im Ferienlager weitergehen soll, ist noch unklar: Der Verein wollte gestern keine Aussage zu den Geschehnissen machen.

Der Norovirus ist ein hochansteckender Virus, an dem vor allem kleine Kinder und ältere Menschen erkranken. Die Symptome treten typischerweise sehr plötzlich auf: Die ersten Anzeichen sind starker Durchfall und schwallartiges Erbrechen. Fieber und Kreislaufschwäche können hinzukommen. Solange akute Krankheitssymptome auftreten, sind die Betroffenen mit Norovirus-Infektion hochansteckend. In den 48 Stunden nachdem die Symptome abgeklungen sind, besteht die Gefahr, andere anzustecken. Erreger werden durch eine Schmierinfektion, etwa ungewaschene Hände, übertragen. Sie geraten so an Türklinken und Wasserhähne und leicht in den Mund. Auch rohe Lebensmittel wie Salate, Obst, Krabben oder Muscheln sowie das Trinkwasser können mit Noroviren belastet sein.

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