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Wie aus einer Mercedes-Niederlassung der Oststern wurde

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Von: Enrico Sauda

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Die Macher: Awi Wiesel und Hannibal Tarkan Daldaban.
Die Macher: Awi Wiesel und Hannibal Tarkan Daldaban. © BERNDKAMMERER@GMX.NET (Presse- und Wirtschaftsdienst)

Galerie, Gründerzentrum, Partyfläche: Der Oststern, die ehemalige Mercedes-Niederlassung an der Hanauer, hat viele Gesichter. Doch nicht mehr lange.

Wo einst Nobelkarossen ausgestellt, beworben, verkauft und repariert wurden, prangen jetzt grelle Graffiti. Und seit geraumer Zeit hängen in den großen Räumen und Hallen der ehemaligen Mercedes-Benz-Niederlassung an der Hanauer Landstraße auch Kunstwerke – kleine, große, manche im XXL-Format. Dazwischen stehen Skulpturen.

„Denn ich habe schon alles gesehen... – eine kuratierte Kunstreise“ nennt sie die aktuelle Ausstellung. Zu sehen ist sie noch bis zum kommenden Samstag, 26. Mai.

Aus dem einstiegen Autohaus, das auf seinen Abriss wartet, ist der Oststern, eine sogenannte Pop-Up-Event-Location geworden. Das ist Neudeutsch und bedeutet soviel wie ein Ort, an dem je nach Angebot und Nachfrage Veranstaltungen stattfinden – zeitlich begrenzt.

Pop-Up, damit können Monate, aber auch nur Tage und Stunden gemeint sein. In diesem Fall heißt das wohn nur noch bis zum Herbst diesen Jahres.

18 000 Quadratmeter umfasst das Areal, auf dem aber nicht nur Kunstschaffende Platz gefunden haben. „Wir haben hier verschiedene Firmengründer aus den unterschiedlichsten Sparten. Das reicht von der Biobranche bis zu Finanzdienstleistern“, sagt Awi Wiesel, einer der beiden Macher des Oststerns. Im Zivilberuf ist er Kinderarzt, arbeitet in Mainz an einer Klinik. Sein Kompagnon in Sachen Kunst ist Hannibal Tarkan Daldaban, ein Frankfurter Tausendsassa, der alles und jeden kennt und den jeder kennt.

Ohne Geld geht’s nicht

„Wir machen das hier, weil es uns Spaß macht und weil wir einen Kontrapunkt zur Konsumgesellschaft setzen wollen“, schildert Awi Wiesel die Motivation hinter der Aktion. Allerdings gehe es nicht ganz ohne Geld. Aber: „Wir nehmen nur geringe Mieten.“ Die seien gerade mal so hoch, „dass alles im Gebäude funktionieren kann“, sagt Wiesel.

Die Idee kam ihm bei einem Abendessen mit seinem alten Schulkameraden Thomas Wurm, heute im Vorstand der Projektentwickler von Lang & Cie.. „Ich suchte damals einen Pop-Up-Store mit ungefähr 50 Quadratmetern. Aber die Kollegin, die meinen Freund begleitete, verstand 15 000 Quadratmeter.“

So kam eins zum anderen und Wiesel erhielt die Chance, das ehemalige Mercedes-Gelände unter die Lupe zu nehmen. Und war begeistert. Ganz zu schweige von den Konditionen. „Bevor das Gelände brach liegt, haben wir es ihm kostenlos zur Verfügung gestellt“, erzählt Wurm. Das geschehe natürlich nicht mit jedem potenziellen Baugebiet. „Es kommt auf das Konzept an, das uns präsentiert wird“, erklärt Wurm.

„Und es ist auch ein bisschen Lokalpatriotismus dabei, schließlich bin ich im Ostend groß geworden“, so Wurm weiter.

Hilfe bekam das Duo Daldaban und Wiesel aber auch von der Stadt. „Das Kulturamt und der Dezernent für Grundsatzfragen mischten mit, weil solche Projekte gerade ziemlich angesagt sind“, sagt Awi Wiesel.

Es gehe Daldaban und ihm primär um Zwischenmenschliches und nicht ums Geschäft, betonen sie. „Wenn man sich vertraut, dann entstehen die schönsten Dinge“, sagt Wiesel. „Das Gelände haben wir noch bis Ende September geblockt“, so Wiesel, der auch eine Vergangenheit als DJ hat. Außerdem hatte er eine Galerie und deshalb stets mit Kunst zu tun.

Bagger rücken an

Noch stehe nicht endgültig fest, wann die Abriss-Bagger anrückten. Aber in diesem Abschnitt der Hanauer Landstraße sollen dann Wohnungen, Büros und/oder Hotels entstehen. Das bestätigt auch Thomas Wurm.

Gemeinsam mit der ABG und „Die Wohncompany“ will das Unternehmen das Areal ausbauen, 55 000 Quadratmeter Fläche vermarkten. „Es sollen Wohnung und Büros und eventuell ein Hotel entstehen“, sagt Thomas Wurm.

Wie es für die derzeitigen Mieter weitergeht, wenn die Abrissbirnen ihre Arbeit aufnehmen, dass wisse noch niemand so genau.

Eine der Künstlergruppen, die zurzeit dort werkelt, löse sich sowieso auf und „die anderen freuen sich über diese Räume und nutzen sie als zusätzliche Option, solange das eben geht“.

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