Die Initiative BENG will zunächst in ihrer kleinen Kerngruppe weiterarbeiten.
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Die Initiative BENG will zunächst in ihrer kleinen Kerngruppe weiterarbeiten.

Bergen-Enkheim

Einfach mal machen

  • Friedrich Reinhardt
    VonFriedrich Reinhardt
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Inititive BENG willden Stadtteil verändern

"Wenn man selber nichts macht, verändert sich nichts", sagt Architektin Denise Boxler, die einen kleinen Möbelladen in Bergen-Enkheim führt. Sie liebt ihren Stadtteil, deshalb sei sie mit ihrem Laden auch nicht in die Innenstadt gezogen. Boxler ist eine der zehn Personen, die die Initiative "Bergen-Enkheimer Nachbarschaftsgedöns", kurz BENG, bilden. Die Gruppe existiert seit dem Sommer und besteht aus einer bunten Mischung von berufstätigen Menschen zwischen 25 und 50 Jahren. Ihr Ziel ist es, ohne Umwege Kulturveranstaltungen und Orte des Zusammentreffens zu organisieren, um den Stadtteil mehr zu beleben.

Schon Anfang 2020 hatten sich rund 30 engagierte Bergen-Enkheimer im Buchladen "Bergen erlesen" getroffen, um Ideen auszutauschen. "Man hat wirklich gesehen, dass es ein Bedürfnis für mehr Leben im Stadtteil gibt", sagt Boxler. Ein paar grobe Überlegungen für ein Straßenfest mit offenen Höfen standen bereits im Raum. Doch dann legte die Corona-Pandemie die Pläne auf Eis.

Dieses Jahr trafen sich Johannes Böff-Fagondes und Denise Boxler zufällig in ihrem Laden und kamen erneut ins Gespräch. Und dann hieß es plötzlich: "Wir machen jetzt was." Böff-Fagondes hatte die Idee für eine Open-Air-Kinovorstellung. Eine Veranstaltung, die sich trotz Pandemie im Sommer gut umsetzen ließ. Durch die Hilfe eines Mitarbeiters des Jugendzentrums konnte er sofort ein grobes Konzept beim Ortsbeirat einreichen. Dort kam die Idee gut an. "So sind wir quasi direkt mit einer Förderung gestartet", sagt Böff-Fagondes.

Die erste Aktion war ein ziemlicher Organisationsaufwand, denn niemand brachte Kinoerfahrung mit. "Die Aufgaben haben sich dann trotzdem irgendwie organisch verteilt", sagt Boxler. So sorgte etwa Anna Doepfner für den Verkauf der Tickets über ihren Buchladen.

Erste Veranstaltungen

ein voller Erfolg

Architektin Boxler entwarf das Poster und Patrick Hellmeck, der für den Hessischen Rundfunk arbeitet, produzierte ein Jingle und kümmerte sich um die Tontechnik. Kinopartner, der die zwei Filme zur Verfügung stellte, war das Filmforum Höchst. Die Veranstaltung war ein voller Erfolg. Innerhalb von zwei Tagen waren die 200 Tickets ausverkauft. Und auch das Kinobüro, das die Initiative unterstützte, war beeindruckt. Im September wurde die Gruppe deshalb erneut gebeten, einen Kinoabend zu organisieren. Diesmal im Rahmen einer Spendenaktion für die Opfer der Flutkatastrophen. Dabei wurden insgesamt 1125 Euro für das Sozialwerk des Deutschen Buchhandels gesammelt.

Das Feedback für die Veranstaltungen sei durchweg positiv. Immer wieder würden Menschen fragen, ob und wie sie mitmachen könnten. BENG hat sich jedoch entschieden, vorerst in der Kerngruppe zu bleiben. "Als kleine Gruppe kann man sich einfach besser organisieren", sagt Boxler. Vielmehr wollen sie andere Bergen-Enkheimer dazu motivieren, selbst Gruppen zu bilden und sich für ihre Interessen einzusetzen. "Viele klagen darüber, dass hier nichts passiert und orientieren sich Richtung Innenstadt. Aber sie haben vergessen, dass man selber etwas machen kann."

Damit so eine Dynamik entstehen kann, will die Gruppe ein Forum organisieren, bei dem sich engagierte Menschen treffen und ihre Ideen für den Stadtteil austauschen können. Dies könne aber frühestens im Frühjahr umgesetzt werden, wenn die Temperaturen ein Treffen mit mehreren Personen im Freien wieder ermöglichen. Außerdem hofft BENG darauf, dass sich das Open-Air-Kino als festes Programm etabliert, etwa als Bestandteil des Berger Markts. Kiki Bruder

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