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Bau von Reihenhäuser im Neubaugebiet Frankfurt-Harheim im Urnbergweg/Eckstraße (Foto vom 06.02.2018).

Stadtplanung

Einfamilienhäuser? Nicht in Frankfurt!

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Das Einfamilienhaus ist nach wie vor die beliebteste Wohnform für Familien. Doch in Frankfurt werden solche Immobilien kaum noch gebaut. Dabei könnte ein klassisches Reihenhaus nach Ansicht eines Maklers sogar günstiger angeboten werden als eine Eigentumswohnung.

Das Ehepaar aus Niederrad hat die Suche nach einem Haus in Frankfurt oder dem näheren Umland ziemlich schnell aufgegeben. „Wir haben festgestellt, dass wir uns das nicht leisten können“, sagt die Mutter zweier Kinder. Die Familie gibt sich weiter mit ihrer Mietwohnung zufrieden, der Eigenheim-Traum ist ausgeträumt.

Tatsächlich sind die Preise für Einfamilienhäuser in den vergangenen Jahren explodiert. Eine Trendwende ist nicht in Sicht, denn es kommen kaum noch neue Häuser auf den Markt. In den vergangenen fünf Jahren wurden in Frankfurt jeweils nur um die 40 Neubauten verkauft. 2011 waren es noch 267, vor allem auf dem Riedberg. Doch der Markt hat sich gedreht. „In Neubaugebieten werden überwiegend nur noch Flächen für Geschosswohnungsbau ausgewiesen“, sagt Rainer Müller-Jökel, der Leiter des Stadtvermessungsamts.

Für Planungsdezernent Mike Josef (SPD) hat der Bau von Eigenheimen auch keine große Priorität. Preise zwischen 700 000 und 800 000 Euro könnten sich die wenigsten leisten. Allein deshalb sei die Nachfrage nach dieser Wohnform beschränkt. Außerdem bringe man mit Mehrfamilienhäusern mehr Wohnungen auf einem Grundstück unter, es könne auch eine soziale Durchmischung erreicht werden. Und auch Helmut Christmann, Vorsitzender der Immobilienbörse bei der Industrie- und Handelskammer Frankfurt, plädiert angesichts des großen Drucks, vor allem mehrgeschossige Wohnblocks zu errichten.

Der Immobilienberater Frank Alexander widerspricht: „Auf der Wunschliste vieler junger Familien steht das eigene Haus mit Garten an oberster Stelle“, berichtet der Geschäftsführer von Hermann Immobilien aus seiner praktischen Erfahrung. „Es wäre aus unserer Sicht zu empfehlen, bei neuen Baugebieten mehr Einfamilienhäuser vorzusehen.“ Nur so gelinge es, junge Familien in der Stadt zu halten.

Nach Ansicht des Experten könnten Einfamilienhäuser günstiger gebaut werden. Er hält es für möglich, ein kompaktes Reihenhaus mit 135 Quadratmeter Wohnfläche, 200 Quadratmeter großem Grundstück und ohne Keller für rund 400 000 Euro anzubieten. Gelingen könne das mit standardisierten Systemhäusern, die in größerer Zahl erstellt werden. „Solche Konzepte werden auch von Käufern mit normalem Geldbeutel akzeptiert“, ist Alexander überzeugt.

Ein solches Haus könne sogar preisgünstiger sein als eine Eigentumswohnung – und gleichzeitig mehr Wohnfläche bieten. Denn Geschosswohnungsbau sei teuer. Als Begründung nennt der Fachmann Kosten für Aufzug, Tiefgarage oder Brandschutz. Entscheidend seien aber die Kosten für Bauland. Die Stadt müsse über Konzeptvergaben die Grundstücks- und Vermarktungspreise deckeln. Zudem müsse sie eine einfache Bauweise zulassen und dürfe nicht zu hohe Anforderungen an die Architektur stellen.

Mark Gellert, der Sprecher des Planungsdezernats, weist die Kritik zurück. „Wir legen Wert auf eine qualitätvolle Architektur“, sagt er. „Unsere Anforderungen sind nicht zu hoch.“ Außerdem bemühe man sich, das Bauen preiswerter zu machen, zum Beispiel durch die Liberalisierung der Stellplatzsatzung. Zwar werde man keine großflächigen Gebiete für Einfamilienhäuser ausweisen, wolle dafür aber Flächen im geplanten neuen Stadtteil an der A 5 vorsehen. Derzeit gebe noch einige Grundstücke für Eigenheime, etwa auf dem Riedberg, in Nieder-Eschbach oder in Nieder-Erlenbach.

In Harheim baut die Firma Werner Wohnbau derzeit 32 Reihenhäuser, die für rund 500 000 Euro verkauft werden. Bei der Finanzierung soll künftig ein Baukindergeld helfen, auf das sich Union und SPD in Berlin verständigt haben. 1200 Euro pro Kind soll es zehn Jahre lang geben. Mike Josef ist skeptisch. Angesichts der Frankfurter Preise sei die Förderung nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein.

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