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So könnte die neue Oper nach den Vorstellungen der Bürgerstiftung einmal aussehen. Grafik: Wentz & Co. GmbH (2)

Städtische Bühnen

Einflussreiche Frankfurter Bürger wollen einen Kulturtempel bauen und an die Stadt vermieten

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In die Diskussion um die Zukunft der Städtischen Bühnen kommt Schwung. Elf Bürger bieten der Stadt an, ein neue Oper zu bauen. 50 Millionen Euro wollen sie dafür über eine Stiftung einbringen. Der Rest soll über Mietzahlungen der Stadt langfristig finanziert werden. Einen Standort haben die Initiatoren offenbar bereits im Auge.

Es ist ein recht exklusiver Club, der sich gestern über einen großen Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) ins Stadtgespräch gebracht hat: Elf einflussreiche Bürger wollen der Stadt finanziell unter die Arme greifen, damit trotz klammer Kasse ein prächtiger Kulturtempel entstehen kann. Ihr Angebot: Über eine Bürgerstiftung würden sie den Bau eines neues Operngebäudes für rund 300 Millionen Euro finanzieren. 50 Millionen Euro davon will die noch zu gründende Stiftung selbst beisteuern, der Rest soll aus Krediten kommen. Die Stadt müsste das Baugrundstück zur Verfügung stellen und für die Nutzung der neuen Oper Miete zahlen. Nach 30 Jahren wären die Schulden dann getilgt, so das Konzept.

Nicht nur über die Finanzierung haben sich die Opernfreunde Gedanken gemacht, sondern sie haben bereits ein umfassendes architektonisches Konzept erarbeitet. Der Gebäudeentwurf mit detailliertem Raumprogramm und konkreten Gestaltungsideen stammt aus dem Büro des Projektentwicklers und früheren Planungsdezernenten Martin Wentz (SPD). Er ist einer der elf Stiftungs-Initiatoren.

„Den Entwurf haben wir gemacht, um den Investitionsbedarf zu ermitteln“, sagte Wentz. „Es ist ein Angebot an die Stadt. Aus den politischen Entscheidungen, ob und wie das Konzept umgesetzt wird, halten wir uns heraus.“ Dazu zähle auch die Frage des Standortes. Sein Entwurf gehe daher von keinem konkreten Grundstück aus, sagte Wentz.

Standort am Osthafen?

Dass der ehemalige Kommunalpolitiker dies so betont, hat einen Grund: Die Standortfrage der künftigen Städtischen Bühnen ist hoch umstritten. Die bisherigen Gebäude von Oper und Schauspiel am Willy-Brandt-Platz sind dringend sanierungsbedürftig. Ob sie abgerissen, verlagert oder umgebaut werden sollen, wird seit über einem Jahr diskutiert – bisher ohne Ergebnis.

Die Idee der „Bürgerstiftung Neue Oper“ zielt offensichtlich darauf ab, dass zumindest die Musiktheater-Sparte an einem neuen Standort untergebracht wird. Laut FAZ hätten die privaten Ideengeber das Raab-Karcher-Areal am Becken des Osthafens im Blick. Martin Wentz wollte dies allerdings nicht bestätigen.

Dieses Grundstück an der Mayfarthstraße 14 gehört der Managementgesellschaft für Hafen und Markt und ist derzeit an einen Baustoffhändler verpachtet. Als möglichen Standort für einen Bühnenneubau brachte ihn Thomas Dürbeck, kulturpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, ins Spiel. Dürbeck schlug allerdings vor, dort nicht nur die Oper, sondern auch das Schauspiel unterzubringen. Deren bisherige Spielstätte stünde dann für gewinnbringende Immobilienprojekte zur Verfügung, so seine Idee. Dürbeck schwebte dabei ein Hochhaus vor, das in seinen unteren Etagen Museen beherbergen könnte. Vor allem bei der SPD stoßen solche Ideen aber bisher auf Widerstand.

Davon zeugen auch die ersten Reaktionen auf das gestern bekannt gewordene Angebot der Bürgerstiftung. „Der Vorschlag ist eine interessante neue Option und die Stadt muss ernsthaft prüfen, ob das Projekt so umsetzbar ist“, teilte SPD-Fraktionschefin Ursula Busch mit. Wichtig sei jedoch, dass am bisherigen Standort der Städtischen Bühnen entweder die Oper oder das Schauspiel erhalten bleiben. „Der Standort am Willy-Brandt-Platz steht für die Sozialdemokraten in Frankfurt nicht zur Disposition.“

Hartwig lobt Stiftungsidee

Auch Kulturdezernentin Ina Hartwig, ebenfalls Sozialdemokratin, betonte noch einmal ausdrücklich: „Sollte eine Trennung der Sparten sinnvoll sein, verbleibt eine Spielstätte der Städtischen Bühnen am Willy-Brandt-Platz.“ Hartwig lobte die Stiftungsidee, verwies aber darauf, dass zunächst abgewartet werden sollte, was die eigens eingerichtete Stabsstelle zur Zukunft der Städtischen Bühnen herausfindet.

Deren Leiter Michael Guntersdorf sagte, er stehe mit der Bürgerstiftung schon länger in Kontakt und kenne deren Vorschlag. Über neue Standorte zu reden, mache aber noch keinen Sinn. „Das ist eine Diskussion im luftleeren Raum. Lassen Sie uns erst einmal unsere Hausaufgaben machen“, sagte Guntersdorf. Bis Ende März will er seine Stellungnahme fertig haben – zu der Frage, was am bisherigen Standort noch möglich wäre.

 

Kommentar von Daniel Gräber

Die Idee klingt interessant: Bürger beteiligen sich finanziell am Bau eines neuen Opernhauses und entlasten dadurch den städtischen Haushalt. Auch der bereits ins Gespräch gebrachte mögliche Standort am Osthafen hätte seinen Reiz. Ein attraktives Kulturbauwerk am Wasser wäre ein neuer Anziehungspunkt im Osten Frankfurts und für die Stadtentwicklung ein großer Gewinn.

Wenn sich die Stadt auf das private Millionen-Angebot einlässt, sollte sie aber darauf bestehen, dass der nun präsentierte Entwurf erst mal nur als Machbarkeitsstudie behandelt wird. Da die Öffentlichkeit das Gebäude über Mietzahlungen langfristig finanzieren soll, darf nicht einfach ein fertiger Plan aus der Schublade eines Stifters umgesetzt werden. Besser wäre ein Gestaltungswettbewerb, um unterschiedliche Entwürfe diskutieren zu können. Für ein solches Projekt ließen sich sicher erstklassige Architekten aus ganz Europa begeistern.

 

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