„Einige Regeln müssen beachtet werden“

Wie wichtig ist Sport und Bewegung, um einer Krebserkrankung vorzubeugen? FRIEDERIKE ROSENBERGER: Wissenschaftliche Studien zeigen inzwischen übereinstimmend,

Wie wichtig ist Sport und Bewegung, um einer Krebserkrankung vorzubeugen?

FRIEDERIKE ROSENBERGER: Wissenschaftliche Studien zeigen inzwischen übereinstimmend, dass sich durch Sport und Bewegung das Risiko, an Krebs zu erkranken, deutlich mindern lässt. Für Darm- und Brustkrebs, die zu den häufigsten Krebsarten gehören, kann das Erkrankungsrisiko durch körperliche Aktivität gesenkt werden – und zwar um bis zu etwa 20 bis 30 Prozent. Bei anderen Krebsarten sind die Studien weniger eindeutig. Das Lungenkrebsrisiko kann wahrscheinlich durch Sport und Bewegung ebenfalls um bis zu 30 Prozent gesenkt werden, das Risiko für Hirntumore hingegen gar nicht.

Welche Bedeutung hat Bewegung, wenn man bereits an Krebs erkrankt ist?

ROSENBERGER:Bewegung kann für Krebsbetroffene sehr hilfreich sein. Wer sich bewegt, kommt körperlich und psychisch besser durch die Therapie. Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit lassen nicht so stark nach, so dass der Alltag weniger beeinträchtigt wird. Viele Nebenwirkungen von Chemo- oder Strahlentherapie fallen geringer aus - beispielsweise wirkt Sport- und Bewegungstherapie dem Fatigue-Syndrom, einem Erschöpfungszustand, entgegen. Auch Ängste und depressive Stimmungslagen sind bei körperlich aktiven Krebspatienten seltener. In den vergangenen Jahren weisen zudem immer mehr Studien darauf hin, dass durch körperliche Aktivität mehr Menschen eine Krebserkrankung überleben. Beobachtungen von Brust-, Darm- und Prostatakrebsbetroffenen ergaben im Schnitt eine Senkung der krebsspezifischen Sterblichkeit um bis zu 37 Prozent. Allerdings ist der Zusammenhang noch nicht in letzter Eindeutigkeit belegt.

Kann Sport während der Therapie auch schaden?

ROSENBERGER: Grundsätzlich ist gesundheitsorientiertes Training während der Therapie ohne Risiko, das bestätigt die wissenschaftliche Datenlage. Allerdings müssen einige Regeln beachtet werden, und es ist wichtig, auf individuelle Besonderheiten und den aktuellen Gesundheitszustand einzugehen. Beispielsweise darf in den ersten 24 Stunden nach einer Chemotherapie nicht intensiv trainiert werden. Deshalb empfehlen wir eine ärztliche Sportfreigabe und sportwissenschaftliche Beratung, bevor mit dem Training begonnen wird. Fachgesellschaften raten jedenfalls zu moderatem Training – es sollte sich „etwas anstrengend“ anfühlen.

Eine Rolle spielt auch, wie fit jemand vor der Diagnose war. Wer beinahe täglich Sport getrieben hat, kann dies auch weiterhin tun, wohingegen für Einsteiger zwei Einheiten pro Woche angemessen sind.

Friederike Rosenberger ist Professorin an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement und am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) im Universitätsklinikum Heidelberg.

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