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Nico, Teo, Matti (v.l.) und Gruppenleiter Luis Ensinger werden als Plastikdetektive beim Tomatenstand des Discounters fündig. Hier gibt es Tomaten ohne Verpackung.

Aktion in Frankfurt

Einkaufen ohne Plastikmüll: Kinder haben als Plastik-Detektive im Supermarkt gute Ideen

An jedem zweiten Samstag im Monat treffen sich bis zu 20 Kinder zum Thema Umwelt- und Nachhaltigkeit. Als Plastik-Detektive im Supermarkt können sie Erwachsenen noch etwas beibringen.

Frankfurt - Der eine trägt eine puschelige weiß-schwarze Pandabär-Mütze, der andere eine blaue Strickmütze. Matti (8) und Levent (7) sind erfahren und schon richtig „alte Hasen“. Sie ziehen vor 18 anderen Kindern zwischen sechs und zehn Jahren eine kleine gelbe Weste auf dem Spielplatz am Riedbergplatz an und lassen sich auch als erste helle Klebestreifen, die mit Filzstift ihre Namen tragen, auf die Brust kleben. Für beide ist es nicht die erste Aktion mit der offenen Kindergruppe der Naturschutzjugend „Naju“.

Wenig wiederverwendet

„Beim letzten Mal haben wir Müll gesammelt“, erzählt Matti stolz. „Da habe ich einen Zigarettenstummel, Taschentücher, einen alten Regenschirm und Kartons gefunden.“ „Und ich zwei Kartoffelsäcke mit Schimmel, 18 Zigaretten, eine Wasserpistole und zwei Plastiktüten“, ruft Levent. Heute wollen sie als Plastik-Detektive Supermärkte besuchen und nachsehen, ob es überhaupt ohne Plastik geht. Matti ist bereits zum dritten Mal dabei. „Ich will gerecht für die Natur sein“, sagt er fachmännisch und meldet sich bei jeder Frage, die die ehrenamtlichen Mitarbeiter von Naju der Gruppe stellen. Er weiß, dass in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern am meisten Plastikmüll produziert wird. „220 Kilo pro Person im Jahr, und nur neun Prozent davon werden wiederverwertet.“ Durch den Müll sterben Tiere, Plastikflaschen brauchen 450 Jahre, um sich zu zersetzen. Ein Junge vermutet, dass die Schutzschicht der Erde durch Müll kaputt geht. „Dann bekommen wir dollen Sonnenbrand. Das liegt an den Fabriken für Plastik, da wird CO2 freigesetzt.“

Großes Interesse

Luis Ensinger (21) ist seit zwei Jahren beim Naju und Gruppenleiter. Er beobachtet, wie die Kinder nach Wiederverwertung von Müll rufen, nach Verlagerung auf den Mars und darauf, eben kein Plastik zu verwenden, sondern Glas, Papier, Säcke und Holz. „Kinder sind oft von Natur aus umweltbewusst und sie sind neugierig und erfindungsreich, wenn es um Alternativen geht“, sagt er. „Das Interesse ist so riesig, dass wir uns noch mehr ehrenamtliche Mitarbeiter wünschen.“

Er gibt seiner Gruppe aus fünf Jungs eine Liste und einen Bleistift. Seine Kollegen tun das Gleiche für ihre Gruppen. Die Kinder sollen schauen, ob es im Supermarkt und im Discounter Tomaten, Fleischwurst, Nutella, Joghurt, Brötchen, Kartoffeln, Duschgel, Küchentücher, Ketchup, Salzstangen, Frischkäse und Nudeln ohne Plastikverpackung gibt. Ensingers Gruppe geht in den Discounter. „Wenn es etwas ohne Plastik gibt, machen wir einen Haken dran. Wenn nicht, ein Kreuz“, schlägt er vor.

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Teo (8) beißt in ein mitgebrachtes Brötchen und knabbert Apfelstückchen aus der Brotdose, während er zum Obst und Gemüse läuft. „Volltreffer“, ruft er mit vollem Mund und zeigt auf dicke Fleischtomaten mit Stängel in einer großen Kiste. Dass es auch viele Tomaten in Plastik gibt, bemerken alle sofort. „Das ist doch doof, die kann man doch aus lose verkaufen“, schimpft Matti. Die Kartoffeln sind in synthetischen Netzen mit Plastikaufkleber oder in Plastik verpackt. „Auf dem Markt ist das anders“, weiß Levent. Nico (7) hat Gummibärchen entdeckt. „Die schmecken so gut“, ruft er und nimmt große Plastiktüten aus der Kiste. Teo zeigt ihm, dass in der Plastiktüte noch viele kleine Plastiktüten sind. „Dann hol Dir doch lieber welche, die nur eine Tüte haben“, rät er. Die losen Brötchen sorgen für Jubel bei den Kleinen. Als Ensinger sie auf Tüten mit einem Plastikstreifen hinweist, in die Kunden die Brötchen verpacken können, lacht Matti. „Oder man nimmt keine Tüten, bringt Netze oder Beutel mit, oder nimmt sie so.“

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Das Ergebnis ist ernüchternd. Von zwölf Produkten gibt es nur drei auch ohne Plastikverpackung. Das finden die Jungs „krass“. Wenn es nach den Kindern ginge, würden sie Ware im Supermarkt lose in Kisten verkaufen, mehr Papiertüten anbieten oder Glasbehältnisse wählen. Matti sagt: „Das ist schwerer, aber Tragen bringt Kraft und nutzt der Gesundheit und der Umwelt. Das ist gerecht für die Natur.“

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