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Mitten auf dem Gehweg, weit weg vom nächsten Supermarkt, wie hier in der Römerstadt, stehen Einkaufswagen. In Frankfurt kein seltenes Bild.

Diebstahl

Dreist: Viele klauen Einkaufswagen und lassen sie irgendwo stehen - Supermärkte stehen vor einem Problem

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Mit Wegfahrsperren versuchen sich Supermärkte und Discounter vor Einkaufswagen-Diebstahl zu schützen. Das funktioniert jedoch nur bedingt. Auch in Frankfurt findet man im gesamten Stadtgebiet wild abgestellte Wagen. Diese werden von den Entsorgungsbetrieben eingesammelt und verschrottet.

Frankfurt - 20 Millionen Einkaufswagen gibt es nach Schätzungen des Hauptverbandes des deutschen Einzelhandels (HDE) in Deutschland, rund 100 000 davon verschwinden jährlich. Die meisten Exemplare tauchen zwar wieder auf, allerdings nicht vor dem Supermarkt, zu dem sie gehören. Stattdessen stehen sie an Bushaltestellen und vor Hauseingängen, auf Gehwegen und im Gebüsch. Ein Phänomen, das auch in Frankfurt weit verbreitet ist. Vor allem im direkten Umkreis von Supermärkten, meist in Laufnähe, werden die Wagen wild geparkt.

Bereits seit einigen Jahren wappnen sich deswegen vor allem die Discounter gegen den Verlust ihrer Einkaufswagen – mit einer Wegfahrsperre, die über Magnete funktioniert. Auch in Frankfurt. So wie die Discounter Lidl und Aldi, wobei letzterer gleich mit zwei verschiedenen Varianten agiert, wie Unternehmenssprecher Tobias Neuhaus erklärt. Entweder blockieren die Räder, wenn die Wagen den Parkplatz verlassen oder in falscher Richtung durch den Eingangsbereich geschoben werden. Bei Lidl hingegen blockieren die Räder lediglich beim Verlassen eines bestimmten Bereiches.

Automatische Sperre

„Entsperrt werden die Wagen entweder durch das Zurückschieben auf den Parkplatz oder in regulärer Richtung durch den Ausgangsbereich“, erklärt der Sprecher. Nur in Einzelfällen sei ein manuelles Entsperren der Mitarbeiter notwendig. Allerdings wird diese Technik nicht in allen Frankfurter Filialen eingesetzt. Das werde individuell entschieden, um sich auf die optimal gegebenen Verhältnisse vor Ort einstellen zu können.

So hat man im Nordwestzentrum, wo kürzlich eine Aldi-Filiale eröffnete, darauf verzichtet. So ist es den Kunden möglich, mit dem Einkaufswagen über den Rollsteig in die Tiefgarage zu fahren und die Waren dort umzuladen. Abstellen kann man den Wagen dann in einer der Wagen-Boxen. Oder auch nicht, wie Georg Lackner, Geschäftsführer des Zentrums, weiß. „Es gibt trotzdem immer wieder Kunden, die den Wagen dort stehen lassen, wo sie ihr Auto geparkt haben“, sagt er.

Das Problem mit den im und ums Einkaufszentrum abgestellten Wagen gebe es schon immer. Alle zwei, drei Jahre komme dieses Thema auf. „Eindämmen kann man es nur, wenn man das gesamte Zentrum mit solchen Wegfahrsperren ausgestattet. Das ist aber fast unmöglich, denn es gibt so viele Ecken, wo man es verlassen kann“, sagt Lackner.

Bis vor einigen Jahren hätten die im Zentrum ansässigen Supermärkte sich zusammengeschlossen, zwei Mitarbeiter sammelten dann mehrfach am Tag die Einkaufswagen wieder ein. Das gebe es mittlerweile nicht mehr. Allerdings kümmere sich Rewe, das Unternehmen hat zwei Märkte im Zentrum, um seine entwendeten Wagen, die auch mal gerne auf der anderen Seite des Erich-Ollenhauer-Rings abgestellt werden, wieder zu sich zu holen. „Manche Kunden haben da wirklich keine Hemmungen“, sagt Lackner. Und auch Aldi holt sich seine Wagen wieder. „Sobald uns bekannt ist, wo entwendete Einkaufswagen abgestellt wurden, werden sie eingesammelt“, sagt Tobias Neuhaus.

Stehen Einkaufswagen im öffentlichen Raum herum, dann werden die Frankfurter Entsorgungsbetriebe (FES) aktiv. „Sie werden von der Straßenreinigung eingesammelt und verschrottet“, sagt FES-Sprecher Stefan Röttele. Die Besitzer – in der Regel Supermärkte – hätte kein Interesse mehr daran.

Welche materiellen und damit auch finanziellen Verluste sie an Einkaufswagen Jahr für Jahr beklagen, wollten sowohl Aldi wie auch Lidl übrigens nicht sagen. Der HDE geht derweil von einem Warenwert von 100 bis 150 Euro pro Wagen aus. Bei 100 000 verschwundenen Exemplaren jährlich ist das ein Verlust von 1,5 Millionen Euro. Eine Filiale mit 750 Einkaufswagen hat damit einen jährlichen Verlust von rund 18 000 Euro.

Behalten ist strafbar

Auch wenn es viele Kunden nicht wissen: Es ist verboten, den Einkaufswagen vom Gelände des Marktes zu entfernen. Allerdings ist diese sogenannte Gebrauchsanmaßung straflos. Zumindest dann, wenn man nur seine Einkäufe umlädt. Wenn man allerdings die Absicht hat, den Wagen zu behalten, vor der Wohnung zu parken und zum nächsten Einkauf wieder mitzunehmen, sieht das anders aus. Dann spricht man von Diebstahl oder Unterschlagung. Und das ist strafbar.

Kommentar:

Es geht binnen weniger Sekunden. Schnell steckt man die Ein-Euro-Münze oder den Plastik-Chip in den Griff des Einkaufswagen, zieht das Gegenstück heraus, und schwupps ist man Besitzer eines schicken rollenden Gefährtes aus Stahl. Aber das ist ein Irrglaube, denn einen Einkaufswagen kann man nicht besitzen, er gehört nach wie vor dem Supermarkt. Denn der Chip oder die Münze im Schlitz dient quasi nur als Pfand.

Deswegen ist es schlichtweg verboten, einen Einkaufswagen vom Gelände des Marktes zu entwenden. Egal, ob man nur seine Einkäufe zum Auto transportieren oder diese gar bis vor die eigene Haustür schieben will. Man darf es nicht! Und trotzdem passiert es immer wieder.

Noch schlimmer ist jedoch, dass die meisten der Wagen nicht mehr zurückgebracht, sondern einfach irgendwo geparkt werden. In der nächsten Hecke oder auf dem Gehweg. Irgendjemand wird den Wagen dort schon abholen, zurückbringen oder verschrotten, mag sich der ein oder andere denken. Schließlich ist der eigene Verlust gering, einen Euro oder einen Plastikchip kann man gut verschmerzen. Zudem es letzteren kostenlos gibt – sogar an der Supermarkt-Kasse.

Mit der Wegfahrsperre an den Einkaufswagen versuchen die Supermärkte nun seit einigen Jahren, dieses Problem in den Griff zu bekommen. Es ist besser geworden, aber noch lange nicht behoben. Denn nicht überall wird dieses System eingesetzt. Zudem gibt es zig Wege, dieses auszutricksen. Das Internet ist voll von entsprechenden Tipps und Tricks.

Ein Patentrezept für eine Verbesserung gibt es wohl nicht. Ein guter Anfang wäre jedoch eine bessere Überwachung der Einkaufswagen auf dem Gelände. Vertrauen ist zwar gut, Kontrolle aber besser.

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