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Im Traditions-Eiscafé Lido hat der Sommer schon begonnen

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Was darf's sein? Vor 40 Jahren hat Mario Talamini im Eiscafe seiner Eltern angefangen. In einer Woche wird er 60. FOTO: faust
Was darf's sein? Vor 40 Jahren hat Mario Talamini im Eiscafe seiner Eltern angefangen. In einer Woche wird er 60. © Michael Faust

Das Eiscafé Lido in Frankfurt-Niederrad macht nur kurz Winterpause. Denn der Andrang ist auch im Winter groß.

Frankfurt – Seit 1960 gibt es das Café Lido-Eis in der Bruchfeldstraße. Vor 40 Jahren hat Mario Talamini angefangen, im elterlichen Betrieb mitzuarbeiten. Bis heute macht er das Eis selbst und feiert am 29. Januar seinen 60. Geburtstag.

Die Niederräder freuen sich. Kaum hat Mario Talamini (59) nach sechs Wochen Winterpause die Tür wieder aufgeschlossen, jagt ein Neujahrswunsch den anderen. "Buon anno", "schön, dass ihr wieder da seid" rufen Passanten winkend im Vorbeigehen oder beim Eintreten ins Café Lido-Eis. Die 2G-Plus-Kontrolle stört niemanden, Hauptsache, es gibt Kaffee, Eis und selbst gebackenen Kuchen. Wer nicht reingeht, nimmt sich eine Waffel oder einen Becher mit leckeren bunten Eiskugeln auf den Weg, die der freundliche Mann, den alle Mario nennen, höchstpersönlich gemacht hat. "Ich fange langsam an", sagt er. "Mehr ist ja auch nicht immer besser."

Eiscafé in Frankfurt hat zahlreiche Sorten im Angebot

Das Motto hat er von einem Barkeeper aufgeschnappt und begleitet ihn durchs Leben. "Alles, was man in Maßen tut, geht gut. Ohne Exzesse. Dann werden wir vielleicht noch alt", sagt er grinsend und löffelt Bällchen aus sieben Eissorten aus den Edelstahlbehältern. Vanille, Schoko, Erdbeer, Stracciatella, Nuss, Zitrone und Amarena-Kirsch gibt es am ersten Tag und frisch gebackenen Eierlikörkuchen und Tiramisu. Nach und nach werden es mehr Eis-Sorten werden. "Zimt und Pflaume kommen gut an und auch Quark Granatapfel", sagt er über neue Sorten, die er letztes Jahr im Sortiment hatte.

Die Gäste fühlen sich wohl im 60er Jahre Ambiente mit Bildern aus Venedig an der Wand und einer Original-Eiskarte aus dem Jahr 1961. Damals gab es "Cremeeis" aus frischer Milch und Eiern in den Sorten Nuss, Mokka, Vanille, Bananen und Schokolade und Fruchteis "aus reinen Natursäften" als Ananas, Himbeer, Zitronen und Aprikosen. "Zehn Pfennig hat damals eine Kugel gekostet", so Talamini, der vor genau 40 Jahren nach dem Abitur in Italien angefangen hat, seine Eltern im Café zu unterstützen. Lange hat er den Preis von 1,10 für eine Eiskugel gehalten. Jetzt hat er den Preis um 10 Cent erhöht. "Es geht nicht anders", sagt er. "Die Preise für Lebensmittel, Strom und alles andere steigen immer weiter. Das fängt beim Becher an und hört bei der Milch auf."

Dafür spart er nicht an Qualität. Das Fruchteis besteht ausschließlich aus Obst, Wasser und Zucker. Milch- und Joghurt-Eis ist ebenso rein und sorgfältig hergestellt. Immer wieder bietet er eigene neue Kreationen an.

Ab März gibt es Wunschsorten im Eiscafé Lido in Frankfurt

"Ab März will ich die Gäste selbst jeden Monat eine Sorte vorschlagen lassen, die sie sich wünschen". Dann wird er auf Facebook ankündigen, dass jeder Kunde einen Zettel mit seiner Lieblingsvorstellung in eine Box einwerfen kann. "Was am meisten gewünscht wird, mache ich dann", verspricht Talamini. Bis es wärmer wird und er auch seine Terrasse öffnet, bietet er neben Eis und hausgemachtem Kuchen noch heiße Baguettes und Flammkuchen an. "Einigen ist es für Eisbecher noch zu kalt. Die freuen sich, wenn es außer Kaffeegetränken noch etwas anderes Warmes gibt", weiß der rührige Mann.

Stammgäste gibt es viele seit Generationen. Die Großeltern und Eltern von Kindern, die jetzt nach der Schule die Eistheke stürmen, waren selbst schon als Kind in der Eisdiele, die die Eltern von Talamini 1960 eröffnet haben. "Man kennt sich und trifft sich hier zum Abschalten, Lachen und Babbeln", erzählt der fröhliche Eisverkäufer, der jeden Morgen frisches Eis rührt und mixt. Die Leuchtreklame am Eck-Café sieht noch genauso aus, wie 1960. "Vor ein paar Jahren habe ich sie neu machen lassen, aber genauso, wie sie von Anfang an war. Ich finde, das gehört einfach dazu."

Die Stimmung im Eiscafé ist locker und fröhlich. Die Sorgen scheinen bei den Gästen für kurze Zeit vergessen, man geht freundschaftlich und hilfsbereit miteinander um. Eine Frau sagt. "Die Winterpause haben wir Mario gegönnt. Aber es ist schön, dass er wieder offen hat und wir alle wieder bei einem Kaffee abschalten können." (Sabine Schramek)

An der Hauptwache in Frankfurt sucht ein Traditionscafé nach einem neuen Pächter.

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