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Einmalige Funde aus Römerzeit in Frankfurt

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Von: Oscar Unger

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Grabungsleiter Rolf Skrypzak präsentiert den gefundenen Sockel der antiken Römersiedlung Nida. Im Hintergrund ABG-Chef Frank Junker (links) und der Direktor des Archäologischen Museums, Wolfgang David.
Grabungsleiter Rolf Skrypzak präsentiert den gefundenen Sockel der antiken Römersiedlung Nida. Im Hintergrund ABG-Chef Frank Junker (links) und der Direktor des Archäologischen Museums, Wolfgang David. © Michael Schick

In Frankfurt haben Archäologen besondere Gegenstände aus der Römerzeit gefunden. Und es könnte sich noch mehr finden.

Frankfurt -Der Adler ist daumennagelgroß, hält einen Blitz in der Kralle und sitzt auf einer Querstange, die wiederum die Spitze eines Feldzeichens schmückt. Sein Kopf reckte er vor rund 1800 Jahren sicher stolz in die Höhe. Allein der fehlt inzwischen.

Aber auch so ist das Relief auf dem etwa 15-mal fünf Zentimeter großen Blech einmalig. Es gehörte wohl ursprünglich zum Paradepanzer eines hochrangigen Legionärs und ist jetzt einer der besonderen Ausgrabungsfunde, die auf dem Areal der ehemaligen Ami-Baracken in den vergangenen Monaten zutage gefördert wurden. So wie ein nicht minder schmucker, kleiner Herrenring mit einer Gemme, die wohl - mit etwas Phantasie - eine Gazelle zeigt.

Wo einst die Römer lebten, enstehen 190 Wohnungen

Präsentiert wurden sie am Mittwochnachmittag von Andrea Hampel, der Leiterin des Denkmalamtes quasi "in situ", also dort, wo sie gefunden wurden. Mit dabei Planungsdezernent Mike Josef (SPD), Ortsvorsteherin Katja Klenner (CDU), der Leiter der Archäologischen Museums Frankfurt, Wolfgang David, und Frank Junker, Chef der ABG Frankfurt Holding. Die will auf dem insgesamt 9000 Quadratmeter großen Areal in der Römerstadt 126-134 acht Gebäude mit 190 Wohnungen und eine Kita bauen. Doch zuvor muss das Gelände untersucht werden.

Und die Archäologen liegen gut im Zeitplan. "Das Schlimmste ist geschafft, jetzt fängt der Spaß an", kommentiert Grabungsleiter Rolf Skrypzak am Rande. Bislang wurde die Fläche auch mit schweren Geräten auf den Laufhorizont der römischen Stadt Nida (zirka 75 bis 280 n. Chr.) abgetragen. "1. Planum" nennen das die Fachleute. Sichtbar wurde dabei der Verlauf von Mauern, deren Steine aber schon vor Jahrhunderten abgetragen und andernorts verbaut wurden, Reste von Töpferöfen, ein Säulensockel, die Stütztürmchen einer Fußbodenheizung und der Abwasserkanal der nahen West-Thermen.

Noch richtig spannend wird es bis zum Herbst

Bis Herbst wird sich Skrypzak mit bis zu sechs Kollegen nun Schicht um Schicht und ganz vorsichtig weiter nach unten graben. "Das wird spannend" sagt er. Rund 320 Kleinobjekte ganz unterschiedlicher Qualität habe man bereits gefunden. Und 1,2 Tonnen Keramikbruch.

Gräbt die Wissenschaft in die Vergangenheit, sucht die Politik nach einem Konzept für die Zukunft des Areals. Denn seit bald 30 Jahren will der Ortsbeirat 8 hier die römische Geschichte sichtbar machen. Gar von einem Park war da mal die Rede. Doch diese Pläne sind vom Tisch.

Jetzt geht es darum, das Wenige zu erhalten und sichtbar zu machen. "Ein wenig enttäuscht sind wir schon", räumt Ortsvorsteherin Katja Klenner denn auch ein. "Wir hatten auf optisch bedeutendere Funde gehofft." Gleichwohl halte man einer "musealen Konzeption" fest.

Wie die aussehen könnte ist nun Aufgabe von Museumsleiter David, der die Ausgrabungen an diesem Tag zum ersten Mal besucht. "Wir stehen das noch am Anfang", sagt der Experte.

Funde sollen angemessen präsentiert werden

Allzu viel Zeit wird er sich aber nicht nehmen können. "Bis Abschluss der Grabungen müssen wir wissen, wie es weitergehen kann", sagt ABG-Chef Junker. Und die sind für diesen Herbst geplant. Schließlich gehe es auch um Finanzierungen. Und: "Das weitläufige Gelände ist groß genug, um dort einen Platz für eine angemessene museumspädagogische Präsentation zu finden."

Die fordert auch Dezernent Mike Josef ein und sieht alle Beteiligten auf einem guten Weg dorthin. "Es hat in den vergangenen Jahren immer wieder Zielkonflikte gegeben, aber die habe wir inzwischen ausgeräumt. Ich bin sicher wir finden eine adäquate Lösung."

Noch gibt es leichten Stunk wegen eines Wunsches

Um sich über die Möglichkeiten abzustimmen, wurde deshalb im September ein runder Tisch vereinbart. An ihm sollen Stadt, Ortsbeirat, Museum und ABG sitzen. Bislang tagte er erst ein Mal Anfang März. Weder Junker noch David waren dabei.

Das nächste Treffen ist für den 27. Juni vorgesehen. Katja Klenner ist verhalten optimistisch. "Zu dieser Präsentation der aktuellen Grabungen wurde nur ich eingeladen, nicht der ganze Ortsbeirat. Ich hoffe, das fängt nicht wieder von vorne an", spielt die Ortsvorsteherin auf das zeitweise recht angestrengte Verhältnis aller Beteiligten an. Vielleicht wird aus dem martialischen Jupiter-Adler ja am Ende doch noch eine Friedenstaube . (Oscar Unger)

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