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Einst Schutt und Industrie, heute Erholung pur

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Früher wurden hier Rohstoffe verladen, heute ist der Hafenpark beliebt, um spazieren zu gehen und sich zu erholen.
Früher wurden hier Rohstoffe verladen, heute ist der Hafenpark beliebt, um spazieren zu gehen und sich zu erholen. © Rüffer

Noch Anfang der 1990er Jahre gab es zwischen Weseler Werft und Hafenpark nichts, was zum Flanieren oder Verweilen eingeladen hätte. Jetzt gehört der Bereich zu den Lieblingsplätzen der Frankfurter.

Frankfurt -Unter der Flößerbrücke fühlen sich Mauereidechsen und Kanadagänse-Eltern wohl. Die einen strecken züngelnd ihre Köpfchen zwischen Steinen hervor, die anderen gehen gemütlich mit ihren Küken und halbstarken Nachkömmlingen zwischen Bahngleisen und Main spazieren und stoppen zischend Radfahrer, die eigentlich rasen wollen. Lächeln weicht Sport, weil die Familien mit ihren fast 20 Jungtieren einfach niedlich aussehen, wenn sie im Gänsemarsch watscheln und ab und zu auf der Wiese Gänseblümchen naschen.

So idyllisch war das Mainufer bis zur Jahrtausendwende nicht. Es gab keinen Platz für die Sommerwerft, keinen Platz für Skater, Radfahrer und Verliebte, die am Mainufer Hand in Hand spazieren gehen, keinen Platz zum Schaukeln für Kinder und keinen Hafenpark. „Hier wurde Holz gestapelt, Sandstein verladen und in der Ruhrorter Werft bis 1886 das schwarze Gold Kohle gelagert“, sagt Ingo Bohl.

Der Schrottplatz wich dem Grün

Der Gartenbauingenieur, der ein Faible für Englische Gärten hat, erklärte am Pfingstmontag knapp 20 Interessierten die gestalterischen Besonderheiten des Areals: Dort, wo einst Anlegestellen und Schrottplätze, Industrie und dampfende Eisenbahnen ihren Platz hatten, ist heute Grün. Platanen, Wiesen, Beete und Spazierwege bestimmen das Bild.

1986 beschloss die Stadtverordnetenversammlung, die Fläche lebenswerter und grüner zu gestalten: Aus unzugänglich sollte zugänglich werden, Zäune und Kies sollten verschwinden und der Ort zur Erholungsfläche werden, ohne die Vergangenheit zu verlieren. Das Kopfsteinpflaster von einst ist geblieben, es wurde saniert. Auch die Inseln mit Bäumen sind geblieben, die aus Überschwemmungen entstanden sind. Auf den alten Gleisen fahren bei besonderen Anlässen noch heute historische Eisenbahnen.

Zwei der 13 Kräne sind geblieben

Aus einem früher 3,5 Kilometer langen Park am Main wurde ein Park mit sieben Kilometern Länge. „Platanen wurden im Quadrat gepflanzt, um das Main Nizza aufzufangen, um die sechs Meter hohen Mauern der Ruhrorter Werft zu verdecken und um Schatten zu spenden“, erklärt Bohl und verweist auf die geraden Wege vom Hafenpark, die den Blick auf die Skyline freigeben, und das Oosten, das 2013 eröffnet hat - in der Anthrazit-Farbe der historischen Kräne und der Deutschherrenbrücke. 13 Kräne zum Verladen gab es ursprünglich. Zwei sind geblieben und denkmalgeschützt. Das Gebäude durfte nicht höher sein als sie, damit alles an die Hafenbetriebsamkeit erinnert. Ebenso wie die Eisenbahnwaggons, die sorgfältig platziert sind. Einst wurden sie hier beladen.

Harsche Kritik an der Toilettensituation

„An alles wurde gedacht“, sagt eine Frau. „Nur nicht an Toiletten.“ Andere nicken und finden es „furchtbar, dass Notdurft nicht möglich ist“. Am Lola Montez gibt es seit zwei Tagen einen Toiletten-Container, aber die Galerie schließt um 19 Uhr. „Die Leute flippen deshalb richtig aus“, erzählt die Frau weiter. „Einmal musste sogar die Polizei kommen.“ Bohl nickt und spricht von Kosten und Vandalismus. „Das Investorenkonzept sieht vor, dass die Betreiber für die Toiletten zuständig sind. Aber bei den vielen Menschen, die hier unterwegs sind, ist das gar nicht möglich.“

Bohl kehrt zur EZB im Stil des Dekonstruktivismus und ihrem Garten aus Sicht eines Landschaftsarchitekten zurück. „Das Wesen des Ortes erkennen und damit die Topografie am Main. Die Relikte aus dem Jahr 1866, als der Eiserne Steg gebaut wurde, es Schlacke und Bauschutt gab. Hier ist der Aha-Effekt“, erklärt er. Der Wall als Barriere gegen Fahrzeuge sei wie ein Graben in einem Englischen Landschaftsgarten: „Vorne Rasen, dann ein Graben, der das Wild und Schafe von den Gärten fernhält.“ Alle blicken auf den Wall und den Zaun. „Vorne sind die Schafe, hinten sitzen die Banker“, schmunzelt Bohl. Alle lachen ertappt. Nur die Kanadagänse nicht. Die naschen Gänseblümchen am Ufer des Mains.

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