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Helmut Steinbach prägte Frankfurts Musikleben.

Nachruf

Einstiger Chefdirigent der Palmengarten-Konzerte: Helmut Steinbach gestorben

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Der Frankfurter Dirigent Helmut Steinbach ist am Dienstag im Alter von 90 Jahren verstorben. Er war viele Jahre Chefdirigent der Konzerte im Frankfurter Palmengarten gewesen und hatte 1948, drei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges, ein Jugend-Symphonie-Orchester gegründet.

Frankfurt - „Die meisten Dirigenten werden sehr uralt, weil ihre Tätigkeit eine sehr gesunde Mischung von regelmäßiger Gymnastik mit uneingeschränkter Autorität ist.“ Unter anderem mit diesem Bonmot von Kenneth Clarke gratulierte vor 30 Jahren Hilmar Hoffmann, legendärer Frankfurter Kulturdezernent und selbst im vergangenen Jahr 92-jährig verstorben, Helmut Steinbach zu dessen 60. Geburtstag. Und erinnerte daran, dass sein guter Freund Steinbach drei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges, 1948 also, gemeinsam mit anderen jungen Musikern das Frankfurter Jugend-Symphonie-Orchester gegründet hatte. Sofort Preise gewonnen

Bereits ein Jahr später errang das Ensemble in den Niederlanden den ersten Preis bei einem internationalen Wettbewerb mit der Großen C-Dur-Sinfonie von Franz Schubert. „Seine energetische Aktivität hat die nach Selbstverwirklichung strebenden jungen Musiker in trostloser Zeit stark motiviert“, lobte Hoffmann. Viele Akteure des Jugendorchesters fanden später den Weg als Berufsmusiker in Sinfonieorchester wie die Berliner Philharmoniker, die Bamberger Sinfoniker oder Radiosinfonieorchester. 1955 wurde Steinbach vom Magistrat der Stadt Frankfurt zum Chefdirigenten für die Konzerte im Palmengarten berufen. Er wurde unter 90 Mitbewerbern ausgewählt.

Steinbach hatte sein Dirigentenstudium bei bedeutenden Lehrern wie Prof. Bruno Vondenhoff und Generalmusikdirektor Otto Matzerath absolviert. 1972 gründete er das Orchester der Philharmonischen Gesellschaft Frankfurt. Mstislaw Rostropowitsch, Wolfgang Windgassen, Karl Ridderbusch, Brigitte Fassbaender, Kurt Böhme, Wolfgang Schneiderhan, Friedrich Gulda, oder Paul Badura-Skoda gastierten. Das besondere Interesse Steinbachs galt neben der großen klassischen und romantischen Konzertliteratur auch selten gespielten Werken. Barocke, klassische und romantische Raritäten brachte er in seinen Frankfurter Abonnementskonzerten zu Gehör, etwa von Joseph Joachim Raff oder Muzio Clementis sinfonisches Werk.

Auch legte Steinbach Wert auf zeitgenössische Kompositionen im Konzertangebot und schuf eine Ur- und Erstaufführungsreihe. Dazu gehörten Werke von Kurt Hessenberg und Victor Bruns. Ganz besonders förderte Steinbach den jüdischen Komponisten Wilhelm Rettich, der in einem niederländischen Versteck überlebt hatte. Steinbach bewog ihn dazu, nach Deutschland zurückzukehren. In der ersten Jüdischen Kulturwoche 1981 in Frankfurt leitete er die Uraufführung von dessen „Sinfonia Giudaica“. Insgesamt 14 Werke Rettichs nahm Steinbach in seine Programme auf. Tausende Konzerte

1981 führte Steinbach als Dirigent erstmals Schülerkonzerte in Frankfurt ein. Insgesamt war er 40 Jahre wichtiger Bestandteil des Frankfurter Musiklebens. In dieser Zeit leitete er in Frankfurt 5000 Konzerte. Weihnachten 1994 beendete er sein vertragliches Wirken für die Stadt und zog sich 2003 vollständig aus dem Konzertleben zurück. Da war er längst Träger vieler Preise.

Steinbach war seit 1972 mit der ehemaligen Bundestagsabgeordneten Erika Steinbach verheiratet. Die Trauerfeier mit Beisetzung ist am Mittwoch, 6. Februar, um 13.30 Uhr auf dem Hauptfriedhof.

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