Frankfurter bei Radrennen in Kapstadt

Im Eintracht-Dress auf Werbefahrt

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Zum vierten Mal startet Norbert Biba beim Radrennen „Cape Argus“ in Kapstadt. Er sieht sich als Botschafter für Frankfurt und die Rhein-Main-Region.

Norbert Biba ist zwar Eintracht-Fan, das Trikot der Kicker vom Main streift er sich aber nur ein Mal im Jahr für einen ganz besonderen Anlass über. Am 6. März ist es wieder soweit, dann startet er beim Radrennen „Cape Argus“ rund um Kapstadt. „Ich habe mir überlegt, wie ich im Starterfeld herausstechen kann“, erinnert sich der 58-Jährige. Das ist nämlich fast unmöglich – mit 36 000 Teilnehmern ist das Jedermann-Rennen das größte weltweit.

Vor 27 Jahren wurde die Veranstaltung erstmals ausgetragen. 500 Starter legten damals laut Biba die 109 Kilometer lange Strecke vom Zentrum Kapstadts bis Green Point am inneren Stadtrand zurück. „Die Strecke ist einmalig“, schwärmt der Frankfurter schon jetzt von der sagenhaften Landschaft im Schatten des Tafelbergs und von atemberaubenden Ausblicken auf das Meer. Das reizt Jahr für Jahr mehr Hobbysportler und Prominente. Und so waren unter anderem schon der britische Multimilliardär Richard Branson, Hollywood-Star Matt Damon oder Ex-Radprofi Eddy Merckx dabei.

Der Belgier hat 1971 das Radrennen „Rund um den Henninger Turm“ gewonnen (heute „Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt“). Weil Biba zwischen dem Rennen in Kapstadt und dem Klassiker in Frankfurt Parallelen sieht – am Main gehen neben Profis und Amateuren auch reine Hobbysportler beim Jedermann-Rennen an den Start – hatte er eine Idee: Am anderen Ende der Welt für das Sportereignis in Frankfurt werben. Er setzte sich mit Veranstalter Bernd Moos-Achenbach in Verbindung und stieß bei ihm auf offene Ohren.

„Ich finde das großartig, wenn jemand in der Fremde auf uns aufmerksam macht“, ist Moos-Achenbach begeistert. Weil sich Biba aber sehr kurzfristig bei ihm gemeldet habe, sei für dieses Jahr nicht mehr viel drin gewesen. Fünf Gutscheine für einen Startplatz beim Rennen in Frankfurt hat Biba, der heute um 22 Uhr in Richtung Kapstadt abhebt, im Gepäck. „Mal sehen, wem ich die in die Hand geben kann“, sagt der 58-Jährige.

Moos-Achenbach kennt das „Cape Argus“ natürlich und kann sich eine Kooperation vorstellen. „Vielleicht unterstützen wir 2017 ein Team mit Material und bezahlen den Flug. Das muss man sehen und abwarten.“ Er überlege aber ernsthaft, nächstes Jahr mal nach Kapstadt zu fliegen und Kontakt zu den Veranstaltern aufzunehmen.

„Dass ich 2010 zum ersten Mal mitgefahren bin, hat sich eher beiläufig ergeben“, erinnert sich Biba. Da er ohnehin drei Wochen in Kapstadt weilte und ein südafrikanischer Bekannter schon zwei Jahre auf ihn eingeredet hatte, dass er endlich mitmachen solle, sei er eben mitgefahren, sagt Biba. Etwas mehr als fünf Stunden saß er damals im Sattel.

Enge Kontakte zu Südafrika pflegt Biba übrigens, weil er früher aktiv in der Anti-Apartheids-Bewegung mitgearbeitet hat. An die 15 Mal war er schon in dem Land und studierte an Originalschauplätzen das Leben des späteren Staatspräsidenten Nelson Mandela. Dabei lernte er auch den Direktor des Anti-Apartheid-Museums in Johannesburg kennen. Dorthin vermittelte er eine Ausstellung des irischen Künstlers Philip Napier, die 2002 im Mousonturm zu sehen war. 2006 schließlich wurde die Schau auf Initiative Bibas auf Robben Island, einer Gefängnisinsel gezeigt.

Beim Besuch im Apartheid-Museum war Biba auf Bänke mit der Aufschrift „Whites only/Europeans only“ – zu deutsch „nur für Weiße“/Nur für Europäer“ – aufmerksam geworden. Während des Apartheid-Regimes waren beispielsweise Sitzplätze in Bussen oder auf öffentlichen Bänken für Weiße reserviert, Farbigen und Schwarzen war das Hinsetzen dort unter Strafandrohung verboten. 2013 schließlich inspirierte Biba eine Volksabstimmung in der Schweiz, bei der sich die Eidgenossen dafür aussprachen, die Zuwanderung in ihr Land zu begrenzen, zu einem Kunstprojekt. Er ließ Kleyerschüler die „Apartheid-Bank“ nachbauen und brachte die Aufschrift „Europeans only“ an. Seit kurzem steht diese Bank vor dem Uhrengeschäft an der Braubachstraße. „Sie kommt sehr gut an bei Touristen und wird fleißig fotografiert“, freut sich Biba, dass die Bank große Beachtung findet.

Dass er auffällt beim Radrennen mit seinem Eintracht-Trikot, das hofft er natürlich. Durch seine sportliche Leistung wird ihm das sicher nicht gelingen. Muss es auch nicht. Denn natürlich zählt auch hier nur das olympische Motto:

Dabeisein ist alles

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