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Stau an der Commerzbank-Arena

Fußball

Eintracht-Fans stehen im Stau statt im Stadion

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4:0 hat die Eintracht am Donnerstagabend gegen Olympique Marseille gewonnen. Die Kehrseite des Erfolgs bekommen Fußballfans wie -hasser gleichermaßen zu spüren. Vor allem bei Europa-League-Spielen geht auf den Straßen rund ums Stadion nichts mehr.

Grüne Ampel, rote Ampel – bei Heimspielen der Eintracht ist es egal. Es geht ohnehin nichts voran. Wer über die Mörfelder Landstraße stadtauswärts unterwegs ist, steht im Stau: Viele Fans, die mit dem Auto anreisen, suchen verzweifelt einen Parkplatz, stellen am Ende ihren Wagen einfach irgendwo ab, um den Anpfiff nicht zu verpassen. So war es auch am Donnerstag. Schon 30 Minuten vor Anpfiff des Europa-League-Spiels gegen Marseille parken Autos kreuz und quer. Ein Wagen steht hinter der Leitplanke mitten auf dem Fahrradweg.

Je näher der Anpfiff rückt, umso nervöser und ungeduldiger werden die Fahrer, die noch keinen Parkplatz haben. Überall Blaulicht. Polizei und Verkehrswacht versuchen, der Situation Herr zu bleiben, haben unter anderem die Schwarzwaldstraße Richtung Niederrad gesperrt.

„Bei Abendspielen ist es immer hektischer auf den Straßen als vor Nachmittagsspielen am Samstag“, weiß Gert Stahnke, Leiter des Straßenverkehrsamts. Anpfiff um 21 Uhr, Abpfiff kurz vor 23 Uhr, dann raus und zur Bahn, gegen Mitternacht im Hauptbahnhof – „vielleicht befürchten Fans, dann keinen Zug mehr nach Hause zu bekommen?“, vermutet Stahnke. So oder so: Es reisen mehr Fans mit dem Auto an. Und kreuzen dann, auf der Suche nach einem Parkplatz, durch den Süden und rund ums Stadion. Künftig – wann genau steht noch nicht fest – dürfte die Situation noch schwieriger werden, denn irgendwann werden die 1650 Parkplätze an der Isenburger Schneise mit Bäumen bepflanzt. Die Stellplätze fallen weg.

107 Knöllchen

Was tun mit den Falschparkern? Abschleppen, sagt Stahnke, sei schwierig. Die Frage sei immer, ob man nicht noch größeres Chaos anrichtet, wenn man ein großes Abschleppfahrzeug anfahren und dann auf der Straße anhalten lässt. Stattdessen verteilen die Stadtpolizisten Knöllchen, 107 waren es allein am Donnerstag. Für die Fans bleibt die Bahn als Alternative – die Sonderzüge nach Marburg und Fulda sind auch am Donnerstagabend gefahren, 30 S-Bahnen hatten ein zusätzliches Platzangebot, Regionalzüge hielten auch an der Station Stadion an: „Daran kann es nicht gelegen haben“, sagt Maximilian Meyer, Sprecher des Rhein-Main-Verkehrsverbunds. Er vermutet: Viele Fans wollten am Donnerstag, unter der Woche also, so früh wie möglich nach Hause, kamen also gleich mit dem Auto statt mit der Bahn.

Immerhin: Außer dem Ärger im Straßenverkehr bliebt es friedlich. Auch wenn Bengalos und sonstiges Feuerwerk immer wieder im Waldstadion aufflackerten, als die Eintracht Marseille in Grund und Boden spielte. Beide Fangemeinden waren beteiligt. Trotzdem bewertet die Polizei den Abend als Erfolg.

Straftäter vom Stadion ferngehalten

Immerhin haben Landes- und Bundespolizei durch frühzeitiges Einschreiten Straftäter vom Stadion ferngehalten und das Aufeinandertreffen der Fangruppen verhindert (siehe dazu Text unten). Gegen Nachmittag erreichte ein Bus mit Fans aus Marseille den Börsenplatz und wurde von der Frankfurter Polizei kontrolliert. Die Beamten wurden schnell fündig: Im Bus stellten sie einen Schlagring, ein Einhandmesser, diverse Böller, fünf Warnfackeln, einen Besenstiel aus Metall, eine Eisenstange und vier Holzlatten sicher. Zwei der Insassen, die mit Masken, Bewaffnung und Pyrotechnik in der Tasche erwischt wurden, erhielten Aufenthaltsverbote für Frankfurt. 

Auch während des Spiels dokumentierte die Polizei die Feuerwerker im Publikum. Ein Tatverdächtiger aus Frankreich wurde noch während des Spiels identifiziert und beim Verlassen des Blocks festgenommen. Gegen alle anderen sind die Ermittlungen eingeleitet. Die Abreise der Fans verlief aus polizeilicher Sicht störungsfrei. 

INFO:

Die Bundespolizei war am Donnerstag mit 144 Beamten im Einsatz, einem Großeinsatz. 213 französische Fußballfans in vier Bussen wurden schon am Grenzübergang „Goldene Bremm“ in Saarbrücken kontrolliert. 12 Messer, 13 Schlagstöcke, 25 Sturmhauben, vier Paar Handschuhe mit Schlagschutz, zwei Pfeffersprays, drei Mundschützer, 173 Bengalos, 26 Böller, Rauschgift und ein Beil – das erschreckende Ergebnis. Die Gegenstände waren zum Teil in den Deckenverkleidungen der Reisebusse verbaut.

Die Frankfurter Polizei sprach ein Betretungsverbot für Frankfurt aus, die französischen Fußballfans machten, von drei französischen Streifen begleitet, kehrt, doch nur 300 Meter hinter der deutschen Grenze hielten die Busse auf französischem Gebiet an. Die Insassen verließen die Busse und fackelten jede Menge weiterer Pyrotechnik ab. Um die französische Polizei zu unterstützen, sperrten die Bundespolizei und die saarländische Landespolizei die A6 Richtung Frankreich ab. Deutsche Polizei rollte nun nach Frankreich, wo die Rowdies sie mit Pyrotechnik beschossen. Weitere Polizisten beendeten dies.

Kommentar von Thomas J. Schmidt

Mehr Parkplätze statt weniger

Ein Glück, dass die Eintracht so einen Lauf hat. Ein Sieg nach dem anderen, zuletzt 4:0 gegen Olympique Marseille. Bravo. Das rot-schwarze Herz schlägt stolz. Frankfurt rückt in den Blickpunkt, das Waldstadion in den Fokus. Leider, und das trübt den Glanz, nicht nur zum Vorteil.

Dass es immer wieder aggressive, bewaffnete Fans gibt – und bei jedem Volksfest betrunkene Schläger – ist nicht zu verhindern. Gut, dass die Polizei schon weit vor Frankfurt, an der französischen Grenze nämlich, Busse gefilzt, Fans zurückgeschickt hat. Schlecht, dass natürlich nicht jedes Feuerwerk entdeckt worden ist. Schließlich stellt sich auch die Frage nach der Vermeidbarkeit der Staus, der Hilfe bei der Parkplatzsuche. Statt nach wie vor die Pläne zu verfolgen, die Isenburger Schneise aufzuforsten, sollte die Stadt bei solch großen Spielen zusätzlich Parkplätze öffnen. Zum Beispiel an der Messe, und dann ein Bus-Shuttle zum Stadion oder wenigstens zur nächsten S-Bahn-Station.

Nicht nur bei Spielen der Eintracht kommt es zu langen Staus und Verkehrschaos rund um das Stadion. Auch bei Großkonzerten sind die Straßen und vor allem die Parkplätze voll. Während Herbert Grönemeyer in der ausverkauften Commerzbankarena spielte, standen viele Fans vor dem Waldstadion im Stau - einige gaben schließlich auf.

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