Eintracht Frankfurt

Bei der Eintracht fehlen noch die Führungsspieler

Am kommenden Sonntag startet die Frankfurter Eintracht mit dem Supercup gegen Bayern München in die Saison. Doch ein intaktes Gefüge hat die Mannschaft noch nicht.

Am Dienstag hat Gelson Fernandes seinen Rücktritt aus der Schweizer Nationalmannschaft erklärt. Es sei ihm „eine Ehre“ gewesen, für die „Nati“ zu kicken, schrieb der Profi von , 66 Einsätze verzeichnet die Statistik, aber zum festen Stamm der Eidgenossen zählte der bald 32-Jährige nie. Und doch war er wegen seiner sozialen Kompetenz, seiner Empathie und nicht zuletzt seinen sprachlichen Fertigkeiten als belebendes und wichtiges Element im Team hochgeschätzt.

So sieht das auch Adi Hütter, für ihn sei der Schweizer „wie ein Spielertrainer“, einfach „ein guter Typ“, sagte der Coach der Frankfurter Eintracht dieser Tage. Das Problem nur: Wenn alles nach Plan läuft, wird der immer gut gelaunte Mann nicht in der ersten Elf stehen. Ganz bestimmt nicht im ersten Pokalspiel am 18. August in Ulm, er ist wegen einer Roten Karte aus dem DFB-Pokal-Halbfinale auf Schalke, der schnellsten in der Geschichte dieses Wettbewerbs, noch gesperrt.

Der Weggang der Führungspersönlichkeiten Kevin-Prince Boateng, Lukas Hradecky, vielleicht auch Omar Mascarell hat ja nicht nur enorme sportliche Lücken gerissen (die bislang nicht adäquat ersetzt wurden). Sie gehörten ohne Zweifel auch zu jenen, die den Ton angegeben haben, die die Kabine im Griff hatten, die die Mannschaft auf Kurs hielten. Gerade Boatengs Wort hatte großen Einfluss, dank seines Charismas hat er viele Dinge geregelt. Wer dieses Vakuum künftig ausfüllen soll? Schulterzucken. „Boateng“, räumt Hütter ein, „kann man nicht eins zu eins ersetzen.“

Den Stellenwert in der Hierarchie bestimmt in erster Linie die Leistung auf dem Platz, aber auch Persönlichkeit, Erfahrung und Auftreten. Derzeit gibt Makoto Hasebe die Kommandos auf dem Platz, wann und wie gepresst wird. Auch Fernandes, sofern er denn spielt, ist einer, der den Mund aufmacht. Aber oft genug hat der technisch limitierte Schweizer genug mit sich zu tun. Jonathan de Guzman, ein schlauer Kopf, könnte in diese Rolle schlüpfen, Marco Russ wäre als Frankfurter Urgestein prädestiniert, er ist bekanntlich lautstark, bislang freilich kam er selten zum Einsatz. David Abraham oder Neuzugang Lucas Torro tun sich, auch wegen Sprachdefiziten, schwer, den Chef zu geben. „Es muss sich einer rauskristallisieren“, sagt Hütter. Bislang gibt es nur Chefchen.

Aber die fehlenden Anführer innerhalb der Mannschaft sind ja beileibe nicht die einzigen Probleme, die Eintracht Frankfurt hat. Fünf Tage vor dem Supercup-Spiel gegen den FC Bayern klappt noch nicht besonders viel beim Pokalsieger. Die Idee des neuen Trainers, den Gegner möglichst früh in die Zange zu nehmen und mit aggressiven Pressing zu Fehlern zu führen, ist erst einmal zugunsten eines etwas vorsichtigeren Spielstils modifiziert worden. Es macht auch wenig Sinn, ein System einzustudieren, für das die erforderlichen Spieler (bislang noch) nicht zur Verfügung stehen. Spieler wie Ante Rebic, bei dem ungewiss ist, ob er in Frankfurt bleibt oder nicht.

Klar, bis zum Saisonstart sind noch mehr als zwei Wochen Zeit, das Transferfenster ist bis zum 31. August geöffnet. Da ist noch einiges möglich, auch in der vergangenen Runde, das ist bekannt, kamen Rebic und Boateng erst auf den letzten Drücker. Sollte ähnliche Qualität verpflichtet werden, hätte sicher niemand Einwände. Eingespielt dürfte das Team dann freilich nicht sein. Und das war in der Vergangenheit eine Stärke der Eintracht: ihre Kompaktheit, ihre mannschaftliche Geschlossenheit und die Tatsache, dass es höchst unangenehm war, gegen die Hessen zu spielen, die nicklig, gallig und (meist) sehr stabil in der Defensive standen. Dieses (weitgehend funktionierende) Konzept sollte zugunsten einer offensiveren Herangehensweise aufgeweicht werden. Durchaus gewagt.

Nein, momentan ist Eintracht Frankfurt noch nicht reif für die Bundesliga. Zu viele Dinge passen noch nicht zusammen, zu wenig greift ineinander, die Balance stimmt nicht. Die vielen Neuverpflichtungen, eher Masse statt Klasse, überzeugten (noch) nicht, bundesligaerfahren ist bislang nur Nicolai Müller, der ist aber verletzt. Es fehlen Spieler, die die Mannschaft auf ein höheres Niveau heben können, die den Unterschied ausmachen, Zugpferde statt Mitläufer. Immerhin warten große Aufgaben auf die Eintracht, Bundesliga und Pokal als Kerngeschäft, dazu die Europa League, in der die Frankfurter eine gute Rolle spielen wollen. 17 Tage sind es bis zum Bundesligastart in Freiburg. Viel Zeit ist das nicht. Ähnlich skeptisch verfolgte man die diversen Umbrüche des Teams auch in den vergangenen beiden Jahren. Es ging dann immer gut. Und wenn dieses Mal nicht?

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